Tag des Tagebuchs am 12. Juni: warum Tagebuchschreiben oft schwerfällt
Ein kleines Kästchen für Sonne, eines für Wolken, eines für Regen, darunter ein paar Zeilen für den Tag: Mehr verlangt ein Tagebuch mit vorgedruckten Feldern nicht. Und doch stehen in vielen solchen Büchern nach dem Frühjahr nur noch leere Seiten.
Warum der 12. Juni
Der Tag des Tagebuchs fällt auf den 12. Juni, weil Anne Frank an diesem Tag im Jahr 1942 dreizehn wurde. Von ihrem Vater bekam sie ein Notizbuch geschenkt, das sie in den folgenden rund zwei Jahren als Tagebuch nutzte, zum größten Teil im Versteck im Hinterhaus in Amsterdam. Es ist das wohl bekannteste Tagebuch der Welt und der Grund, weshalb an diesem Datum an das Schreiben über das eigene Leben erinnert wird.
Mehrjahrestagebücher und das Problem der Regelmäßigkeit
Ein beliebtes Format sind Mehrjahrestagebücher wie „WegBegleiter – Zehn Jahre Leben“ aus dem Präsenz Verlag. Auf jeder Seite steht ein Datum, darunter ist Platz für zehn Jahre, jeweils nur ein paar Zeilen und ein Wettersymbol. Wer das Buch durchhält, liest am 12. Juni auf einen Blick, was an diesem Tag vor einem, fünf oder neun Jahren geschah.
Das Prinzip ist bestechend.
Es scheitert allerdings oft an derselben Stelle: am täglichen Schreiben. Ein vergessener Abend wird zu einer vergessenen Woche, und ein Buch für zehn Jahre bildet am Ende vielleicht zwei ab. Mit Faulheit hat das selten zu tun. Zwischen Beruf, Kindern und Haustieren bleibt der Abend oft der Moment, an dem gar nichts mehr geht.
Wozu alte Tagebücher gut sind
Auffällig ist, wie viele Erwachsene irgendwo noch die Tagebücher ihrer Jugend aufbewahren, oft aus den Jahren zwischen 15 und 19, dazu Reisetagebücher von großen Fahrten. In dieser Lebensphase scheint sich die Welt schneller zu drehen, und das Bedürfnis, sie festzuhalten, ist größer.
Solche Kladden sind mehr als Erinnerungsstücke. Wer selbst Kinder in der Pubertät hat, findet darin die eigenen, manchmal ziemlich verworrenen Gedanken aus demselben Alter wieder, und das kann erstaunlich viel Verständnis wecken. Ein Tagebuch vom 15. Geburtstag liest sich mit Mitte vierzig anders als mit fünfzehn.
Ob ein vergessenes Mehrjahrestagebuch wieder in Gang kommt, wenn man am 12. Juni einfach auf der richtigen Seite weiterschreibt, ist einen Versuch wert.
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