Flüchtlingshilfe
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Flüchtlingshilfe – Status einer Möchtegernhelferin

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Begrüßungsfolie der Einführungsschulung

Nach meiner sehr lohnenswerten und aufschlussreichen vierstündigen Einführungsschulung am vergangenen Samstag lautete der Titel dieses Blogbeitrags übrigens noch „FAQ Flüchtlingshilfe in Solingen“, schließlich hatte ich auf Facebook schon diverse Anfragen von Zeit- und Sachspendern erhalten, die sich ebenfalls gerne in der Flüchtlingshilfe engagieren möchten.

Es lag deshalb nahe, in einem Beitrag gebündelt Antworten zu geben auf Fragen wie „Wo gebe ich Kleidung oder Hausrat ab“, „Was wird überhaupt benötigt?“, „Wo melde ich mich, wenn ich ein Zimmer für einen Asylsuchenden vermieten kann?“, „Welche Hilfe wird am meisten benötigt?“, „An wen wende ich mich am besten?“.

Nichts leichter als das, dachte ich, schließlich hatte ich auf der Webseite der Stadt Solingen unter „Solinger helfen!“ bereits die Koordinierungsstelle für ehrenamtliche Flüchtlingshilfe entdeckt, Kontakt aufgenommen und kurzfristig einen von rund zwanzig Plätzen in der Einführungsschulung erhalten. Ausgestattet mit neuen Informationen und Kontakten dachte ich, dass das weitere Zusammentragen von Informationen für den Blogbeitrag für mich ein Leichtes sein würde. Was für ein Trugschluss!

Einige Telefonate und Mails später war ich zu der Erkenntnis gelangt, dass mein Blogbeitrag wohl einen neuen Arbeitstitel benötigen würde. Spontan fiel mir schließlich „Gut gemeint ist noch lange nicht gut gemacht!“ ein.

Ich möchte an dieser Stelle aber noch einmal dringend darauf hinweisen, dass meine Frustration sich keinesfalls auf die Einführungsschulung (s.o.) und alle daran Beteiligten bezieht. Diese Schulung, die am 26. September erneut in der Stadtbibliothek stattfinden wird, kann ich nur jedem Interessierten wärmstens empfehlen!! Auch das von der Stadtbibliothek vorgestellte Projekt „Dialog in Deutsch“ , das bereits sehr erfolgreich in den Bücherhallen in Hamburg stattfindet, wird am 1. September auch in Solingen loslegen. Schneller und besser kann man das kaum umsetzen.

Aber zurück zu „Gut gemeint ist noch lange nicht gut gemacht!“.
Eine Koordinierungsstelle für ehrenamtliche Flüchtlingshilfe zu schaffen, war angesichts der zu erwartenden Flüchtlingszahlen sicher ein guter Schritt. So hört sich das, was sich die Koordinierungsstelle für Solingen auf die Fahnen geschrieben hat, durchaus nach einem guten und richtigen Plan an: Damit die Flüchtlinge nicht auf sich alleine gestellt sind und angemessen betreut werden, haben die AWO Arbeit & Qualifizierung gGmbH Solingen, der Caritasverband Solingen/Wuppertal e.V. und das Diakonische Werk Solingen, in Kooperation mit der Stadt Solingen, eine Koordinierungsstelle für ehrenamtliche Flüchtlingshilfe initiiert. Ihre Aufgabe ist, alle bereits vorhandenen ehrenamtlichen Akteure zu erfassen und neue Ehrenamtler zu gewinnen.

„Koordinierungsstelle“, das klingt für mich nach einem Büroraum mit mindestens zwei Computer-Arbeitsplätzen und zwei Vollzeitkräften, die die Anmeldungen der Ehrenamtler entgegennehmen, sortieren, ihnen zügig eine Schulung anbieten, um sie dann bestmöglichst einzusetzen. Bei ihrem Ersteinsatz auf neuem Terrain werden die Ehrenamtler selbstverständlich kurz von einem Mitarbeiter der Koordinierungsstelle begleitet und eingeführt. So meine Vorstellung einer perfekten Koordinierungsstelle. Aber so oder zumindest ähnlich muss es doch aussehen, wenn drei Verbände und die Stadt Flüchtlinge durch Ehrenamtler angemessen betreuen wollen, oder?

Die Realität holte mich knallhart auf den Boden der Tatsachen zurück. Träum weiter, dachte ich mir nur, als ich von einer Mitarbeiterin der Verbände erfuhr, dass ihr und ihrer  Kollegin für die Flüchtlingsarbeit nur 30 Stunden im Monat, im MONAT!! zur Verfügung stehen. Ich war richtiggehend schockiert, das konnte doch nur ein Witz sein, selbst 30 Stunden pro Woche würde ich für viel zu niedrig kalkuliert halten. Vermutlich hatte die Mitarbeiterin meine hartnäckigen Mails sogar in ihrer Freizeit beantwortet. Wie soll so nur annäherungsweise meine Traumvorstellung guter Koordination möglich sein?! Wie viele Interessierte haben schon frustriert aufgegeben, weil ihre Anfragen aufgrund der aufgelaufenen Berge an Arbeit ganz unten im Stapel liegen? Vermutlich einige, nicht jeder ist so hartnäckig wie ich, warum auch, schließlich geht es um ehrenamtliche Arbeit. Wenn einem dann – durchaus unabsichtlich – suggeriert wird, man werde nicht gebraucht, dann lässt man es eben. Oder man stampft eigene Projekte aus dem Boden, die sich im schlimmsten Fall gegenseitig behindern. Das kann und darf keine Lösung sein!!

Ich appelliere vehement an die Stadt Solingen und die Verbände, die Koordinierungsstelle unbedingt personell aufzustocken! Die freundlichen, kompetenten und rührigen Mitarbeiter trifft hier keine Schuld, aber mehr können sie in der ihnen zur Verfügung stehenden Zeit einfach nicht leisten!

Und ich? Die Möchtegernhelferin bleibt hartnäckig. Es geht schließlich um meine Heimatstadt und ich bin mir sicher, dass wir hier viel Gutes bewirken können. So schnell gebe ich nicht auf! Und mein Beitrag „FAQ Flüchtlingshilfe in Solingen“ wird auch noch geschrieben. Versprochen!


Nachtrag Februar 2016: Viel hat sich seit diesem Beitrag getan. Die Koordinierungsstelle für ehrenamtliche Flüchtlingshilfe Solingen hat mittlerweile eigene Büroräume, genannt Außenstelle Flucht-Punkt!, auf der Konrad-Adenauer-Straße 3 bezogen. Neben meiner Sortiertätigkeit im Keller der Interju gehöre ich zum Team „Dialog in Deutsch“ der Stadtbibliothek, bin Mitglied der Solinger Freiwilligen Agentur, begleite eine syrische Familie als Patin und mittlerweile Freundin, engagiere mich im Flüchtlingsausschuss meiner Gemeinde und habe die Facebook-Gruppe „Flüchtlinge in Solingen – Wir helfen!“ ins Leben gerufen.

 

12 Kommentare

  1. Ich teile Deine Erfahrungen, Stefanie. Die Koordination der verschiedenen freiwilligen Helfer ist auch bei uns eines der größten Probleme. Eigentlich schade!

    Damit nicht jeder jeden Fehler selbst machen muss, haben eine Freundin und ich auf Facebook eine geschlossene Gruppe für Leute gebildet, die Flüchtlingen Deutschunterricht geben. Dort wollen wir selbst gemachtes Lehrmaterial austauschen, über Erfahrungen reden, uns gegenseitig Tipps und Hilfestellung geben. Wenn jemand Interesse an dieser Gruppe hat, soll er bitte mir (https://www.facebook.com/kathrin.lange.902) eine Freundschaftsanfrage schicken, verbunden mit der Bitte, in diese Gruppe aufgenommen zu werden. Gut wäre, wenn Ihr Euch in dieser Nachricht an mich auch kurz selbst vorstellt und zwei, drei Worte über die Lernenden verliert.

    Viele Grüße an alle Helfenden!
    Kathrin Lange

    • Stefanie Leo sagt

      Vielen Dank.
      Ich werde das zusätzlich beim Erstellen meiner FAQ berücksichtigen.

  2. Hallo Stefanie, Du triffst den Nagel auf den Kopf. So kann es nicht weitergehen! Bisher ist das in meinen Augen ein ziemliches Chaos. Ich merke das in unseren Beratungsgesprächen. Es gibt Viele, die sich im Flüchtlingsbereich engagieren möchten; aber wenn sie mehrfach vergeblich versuchen, einen Ansprechpartner zu finden, verlieren sie die Lust an der Geschichte, sind frustriert und geben auf. Halte durch! Wir von der Solinger Freiwilligen Agentur machen auch weiter – auch mit dem Thema Flüchtlinge.

    Herzliche Grüße an alle freiwilligen und hauptberufllichen Helfer
    Hans-Reiner Häußler

  3. Stefanie Leo sagt

    Hallo Hans-Reiner,
    ich bin eine vom Schlag „Arsch huh, Zäng ussenander!“. So schnell gebe ich nicht auf!
    Vielen Dank für deinen Kommentar
    Steffi

  4. Mir erging es ähnlich mit Kleidungsspenden. Die Stadt Hamburg möchte das man eine Mail mit einer groben Beschreibung was man spenden möchte schreibt. Ich schrieb also eine Mail das ich Kinder und Babykleidung spenden will und wo ich das hinbringen soll.
    Es passierte gar nichts. Drei Wochen lang. Dann fragte ich auf Twitter die eben genannte Stelle: Dort sagte man mir, sie würden auch nicht wissen wieso da keiner antwortet. Mehr nicht.

    Heute schrieb ich nochmals auf Twitter wo zur Hölle ich nun mein Zeug hinbringen kann, mir antworteten ein paar Privatpersonen und irgendwann auch jemand der diese Mails beantwortet. Es ist nicht wie ich dachte ein TEAM aus Mitarbeitern die koordinieren und Mails beantworten, sondern ganze 3 Mitarbeiter die IN IHRER FREIZEIT täglich bis zu 100 Mails beantworten.
    o.O

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  9. Traurig, aber sowas von wahr!
    Eigentlich war ich ja ganz bei Mutti, als sie ausrief: „Wir schaffen das!“
    Mittlerweile bin ich nicht mehr so sicher – vielleicht schafft die deutschgründliche Bürokratie auch uns einschließlich der Flüchtlinge? Trauriges Paradebeispiel: LaGeSo Berlin.

    Es liegt nicht nur an unterbesetzten Amtsstuben; es liegt vor allem an grotesken Abläufen!
    Bei soviel behördlichem Stillstand hilft nur Eigeninitiative, auch auf die Gefahr hin, aneinander vorbei / nebeneinander her zu arbeiten – besser als gar nicht!
    Über die kafkaesken Zustände in meiner Heimatstadt Wiesbaden werde ich irgendwann mal einen eigenen Artikel posten.

  10. Hi Stefanie,

    durch Zufall bin ich auf das Blog von Dir gekommen (Link über FB). Die Geschichte hätte von mir sein können… 😉

    Auch bei uns gibt es eine Koordinierungsstelle – nun ja – zumindest nennt diese sich so. Telefonisch nie persönlich erreichbar, per Mail Anfragen zu stellen ist suboptimal, da die Fragen kaum bis gar nicht beantwortet wurden, usw.

    Auf einer bei uns stattgefundenen Veranstaltung für alle Ehrenamtlichen (Ausrichter Stadt, versch. Verbände) konnten etliche Fragen nicht beantwortet werden, „da Neuland“, bzw. alles noch „am werden“.

    Es ist soviel Engangement in versch. Richtungen vorhanden, da schien es mir, alles „wurschtelt“ so vor sich hin, so richtig ist da nichts koordiniert. Bis zu dem Zeitpunkt, wo es hieß: „die parallelen Angebote sind ok, was die Anspruchberechtigten nutzen, ist letztlich deren Sache.“ So betrachtet ist es nun auch für mich ok.

    Was ich für mich selbst erfahren habe: hinter allem, was behördliches für mich selbst angeht, wie zB „erweiteretes Führungszeugnis“, „Ehrenamtsausweis“ usw., kann ich von „Pontius zu Pilatus“ laufen, bis ich dann mal vielleicht solches erhalte. Das sollte doch einfacher für ehrenamtlich Tätige zu erreichen sein.

    Trotzalledem: nicht aufgeben, oder locker lassen! Nicht umsonst wird immer wieder betont, wie wichtig „unsere“ Tätigkeit ist.

    HG
    Peter

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