Alle Artikel mit dem Schlagwort: Menschlichkeit

#weltmenschentag

Als Ruth Löbner einen Tag nach dem Weltfrauentag die vielen Beiträge dazu auf Facebook las und sich wieder einmal mit ihrer eigenen Ratlosigkeit in Bezug auf das ganze Mann-Frau-Thema konfrontiert sah, schossen ihr Sätze in den Sinn, die in Bezug auf Rollenklischees ganz widersprüchlich waren, aber eben auch ihr Wesen ausmachten. Diese Sätze sammelte Ruth einen Vormittag lang, schrieb sie auf und postete sie mit dem Hashtag #weltmenschentag. Mittlerweile sind einige Frauen und Männer ihrem Beispiel gefolgt, haben ihren Ambivalenzen der Geschlechterrollen nachgespürt und Texte dazu veröffentlicht. Ich finde, dass wir endlich mit dem Männer-Frauen-Ding aufhören und lieber über Menschen reden sollten. Isabel Bogdan Ich Meine Lieblingsfarbe ist blau. Dachte ich. Bis irgendwann dieser Tick mit den roten Schuhen kam. Als Kind habe ich genauso gerne Hörspiele gehört wie Bücher gelesen. Schon damals konnte ich mich mit den Protagonisten der Geschichten identifizieren. Ich dachte, dass nur Mädchen bei fiktiven Geschichten weinen, weiß aber spätestens seit ich gemeinsam heulend mit meinem Sohn Filme gucke, dass das nicht so ist. Familie ist für mich das wichtigste im …

#WeRemember

Am 27. Januar 1945 wurde das Konzentrationslager Auschwitz von der Roten Armee befreit. 74 Jahre später sitze ich am Holocaust-Gedenktag, der 2019 auf einen Sonntag fällt, im Kino. Mit der ganzen Familie schauen wir uns „Schindlers Liste“ an, der im März 1994 in Deutschland erschien und heute – 25 Jahre später – erneut gezeigt wird. Ich, Jahrgang 1970, bin was das Dritte Reich und den Holocaust angeht nicht uninformiert. Im Unterricht war das Thema allgegenwärtig, als Schülerin des Geschwister-Scholl-Gymnasiums sowieso. Ich habe zahlreiche Bücher zum Thema gelesen, Zeitzeugen im Fernsehen sprechen gehört, Schwarzweißfotos betrachtet. Und obwohl ich der Meinung bin, dass kein Film jemals den Anspruch erfüllen könnte, den Holocaust in all seinen grausamen Facetten zu zeigen, so traf mich „Schindlers Liste“ dennoch mit voller Wucht. Vor allem die Darstellung der Personen und die Details des in schwarzweiß gedrehten Films überzeugten. Einmal mehr wurde mir bewusst, dass die Vernichtung der Juden ohne die deutsche Gründlichkeit in diesem Ausmaß nicht möglich gewesen wäre. Ebenso bedrückend war die Erkenntnis, was Sprache mit Menschen macht. Da wurde den …

Stolpersteine in Solingen

Auf den Spuren der Reichspogromnacht

Ein Mensch ist erst dann vergessen, wenn sein Name vergessen ist. – Aus dem Talmud Gestern nahm ich an einer Gedenkveranstaltung für die Solinger Opfer der Reichspogromnacht teil. Diese besondere Form des Gedenken – ein Stadtrundgang zu den Tatorten des 9. November 1938 –  hat mich zutiefst bewegt. Denn Daniela Tobias vom Unterstützerkreis Stolpersteine in Solingen schilderte die grausamen Ereignisse anhand von historischen Fotos und Zeugenaussagen genau dort, wo sie vor 80 Jahren stattfanden. So entstand für mich das Gefühl, zeitversetzt auf den dunkelsten Spuren meiner Heimatstadt Solingen zu wandeln. Diese zwei Fotos markieren Beginn und Ende des abendlichen Stadtrundgangs. Das linke Foto entstand auf dem jüdischen Friedhof, auf dem Max Leven beerdigt ist. Der ehemalige Kulturredakteur der unter den Nazis verbotenen „Bergischen Arbeiterstimme“ wurde in der Nacht auf den 10. November in seiner Wohnung vor den Augen seiner Familie erschossen. Das zweite Foto zeigt die Gedenktafel am Hochbunker an der Malteserstraße, wo bis zur Reichspogromnacht die Solinger Synagoge stand. Sie brannte bis auf die Grundmauern nieder und wurde anschließend abgerissen. Der jüdischen Gemeinde „kaufte“ …

Nehmt euch Zeit! – „Denn Zeit ist Leben.“

Wo ist nur die Zeit geblieben? Diese Frage stellt ihr euch sicherlich auch des Öfteren. Die Zeit rast, ein Tag verfliegt, mit ihm Wochen und Monate. Für nichts hat man mehr Zeit, nicht für sich selbst und schon gar nicht für andere, die können sich mal bitte ganz hinten anstellen. Und wehe, es wird einem auch noch Zeit geraubt. Da werden rote Ampeln und verspätete Züge zur Geduldsprobe. Was hätte man alles in dieser Zeit machen können! – Wirklich? Nehmt euch Zeit! – „Denn Zeit ist Leben.“ Wir haben reichlich Zeit, wir nehmen sie uns nur nicht. Im Grunde hätte ich noch nicht einmal Zeit, diesen Beitrag hier zu schreiben. Viel dringendere Sachen stehen auf meiner To-Do-Liste. Aber halt, wer entscheidet über meine Zeit, wenn nicht ich selbst? „Aber über meine Arbeitszeit bestimmt eben der Arbeitgeber!“ höre ich euch jetzt schon argumentieren. Stimmt, aber was ihr aus eurer Arbeitszeit macht und wie ihr diese Zeit letztendlich empfindet, liegt schon ein großes Stück weit in euren Händen. Und das gilt auch für Zeit, die ihr als …