Alle Artikel mit dem Schlagwort: Kurz notiert

Im Grunde gut

Die Frage, ob der Mensch im Grunde gut oder eben doch schlecht sei, hat sich vermutlich jeder von uns schon einmal gestellt. Ich bin seit jeher der Überzeugung, dass der Mensch ein Guter ist, doch häufig rütteln Forschungsergebnisse, Nachrichten und nicht zuletzt aktuelle Entwicklungen an meinem positiven Menschenbild. Bröckelt in extremen Krisen oder Momenten großer Wut tatsächlich die moralische Fassade wie der Philosoph Thomas Hobbes (1588 – 1679), bekannt für seinen Ausspruch  „Der Mensch ist dem Menschen ein Wolf.“, behauptet? Im Grunde gut Wer wie ich an das Gute im Menschen glaubt, wird gerne belächelt und als naiv abgetan. Außerdem muss man sich ja nur umschauen, um zu sehen, dass ich eigentlich nur im Unrecht sein kann. Aber was, wenn das eben nur die gefühlte Wahrheit ist? Was wenn sich wissenschaftliche Belege für den guten Menschen finden lassen? Der Historiker Rutger Bregman hat sich nicht nur sprichwörtlich auf den Weg gemacht, anhand von Erkenntnissen aus Psychologie, Ökonomie, Biologie, Geschichte und Archäologie nachzuweisen, dass unser Vorstellung vom Menschen auf falschen Schlussfolgerungen beruht. So führten ihn beispielsweise …

Marianengraben

Der Marianengraben. Die tiefste Stelle des Weltmeeres. Elftausend Meter tief. Dort unten vollkommene Dunkelheit. Diese Dunkelheit begleitet die Biologin Paula nun schon zwei Jahre lang. Nach dem Tod ihres 10-jährigen Bruders Tim ist der Marianengraben zum Inbegriff ihrer Trauer geworden, die Zahl 11000 steht für die Tiefe ihrer Depression und ist zugleich Überschrift des ersten Kapitels. Was nun folgt ist alles andere als eine schwermütige Geschichte. Ganz im Gegenteil, Jasmin Schreiber gelingt ein schriftstellerisch brillanter Spagat zwischen zutiefst gefühlter Trauer und herrlicher Situationskomik, die weder albern noch deplatziert wirkt. Nach 25 gelesenen Seiten beschert mir das skurrile Zusammentreffen von Paula, dem schrulligen Helmut und einer Urne auf dem nächtlichen Friedhof die ersten Lachtränen und setzt zugleich den Startpunkt für eine ganz besonderen Reise, auf der das ungewöhnliche Duo Asche verstreut und Trauer bewältigt. Ich lese mich durch weitere lustige und tieftraurige Momente, erlebe wie Paula Seite für Seite aus dem Marianengraben auftaucht und die Zahlen der Kapitel-Überschriften immer kleiner werden. Lediglich einen Satz im Buch habe ich mir markiert, obwohl sicherlich vieles markierenswert gewesen wäre. …

Vom Ende eines langen Sommers

Vom Ende eines langen Sommers

Es ist Mitte Oktober, ich sitze bei 25 Grad auf der Terrasse in der Sonne und lese Vom Ende eines langen Sommers. Selten hat der Titel eines Buches so perfekt ins Bild gepasst, beschleicht einen doch das Gefühl, dass der diesjährige Sommer so gar nicht enden mag. Hier enden aber auch schon die Parallelen der Geschichte zu unserem derzeitigen Spätsommer. Drei Zeitebenen verwebt die Autorin Beate Teresa Hanika geschickt, eine davon umfasst den Titel gebenden langen Sommer 1944, den die erste Hauptdarstellerin Franka in Tagebucheinträgen festhält. Aufgrund einer Erkrankung lebte die damals 17-Jährige in der Toskana. Die Gegenwart hat die Autorin in das Jahr 2004 gelegt. Zu dieser Zeit erhält die zweite Ich-Erzählerin Marielle die Tagebücher ihrer im letzten Jahr verstorbenen Mutter. Und genau jener Sommer, den die beiden gemeinsam in der Toskana verbrachten, bildet die dritte Zeitebene. Dem Sog der verschiedenen Handlungsstränge, die die Mutter-Tochter-Geschichte Stück für Stück zusammensetzen, kann man sich kaum entziehen. Neugierig begleitet man Marielle auf dem Weg in die Vergangenheit, in der sie viel über die unnahbare, stolze und kühle …

Über gelesene Bücher, Sperrfristen und SteffiLeaks

Der Juni war seit langem mal wieder ein richtig guter Lesemonat – sowohl inhaltlich als auch mengenmäßig. Begonnen habe ich mit Sommernachtszauber von Ellen Alpsten (Coppenrath): Seit ihrer ersten Begegnung mit dem jungen Schauspieler Johannes ist das Leben für Caroline wie ein Rausch. Tagsüber gibt sie auf der Bühne alles, um ihre erste große Rolle als Julia perfekt zu spielen. Nachts trifft sie sich heimlich mit ihm für weitere Proben im dunklen Theater. Johannes holt aus ihr und der Rolle das Beste heraus und die beiden verlieben sich haltlos ineinander. Doch Caroline wagt nicht, irgendjemandem von ihrem Glück zu erzählen. Denn Johannes dürfte gar nicht existieren. Er wurde während einer „Romeo und Julia“-Inszenierung in den 30er-Jahren grausam auf der Bühne erstochen und mit einem Fluch belegt. Und langsam erkennt Caroline, dass ihre Liebe zu Johannes sie vor eine unmögliche Wahl stellt … Kurzfazit: Romantische Liebesgeschichte à la Romeo und Julia. Die Mädchen ab 14 werden es lieben, da bin ich mir sicher!