Alle Artikel mit dem Schlagwort: Heimat

Zeitreise.

Kennt ihr das? Manchmal wird man ganz ohne Vorwarnung ein paar Jahre in die Vergangenheit zurückkatapultiert. Bei mir ist das gar nicht so schwierig, denn mein Elternhaus liegt nur wenige Gehminuten von meinem jetzigen Zuhause entfernt, dort habe ich meine komplette Kindheit bis zu meinem Auszug verbracht, meine 80-jährigen Eltern leben noch heute dort und so wird man ganz automatisch beim Blick in den Garten in die eigene Kindheit zurückbefördert. Nach meiner heutigen, von der Sonne verwöhnten Spazierrunde, kehre ich also noch einmal „kurz“ bei meinen Eltern ein. Gerne trinke ich eine Tasse Kaffee oder ein Likörchen und genieße den Plausch mit ihnen. Heute bewundere ich das Gesummse in den Krokussen und die in voller Pracht erblühte Zaubernuss. Kein Wunder, dass ich so gartenversessen bin, da hat meines Vaters Erbgut bei mir voll zugeschlagen. Was haben wir in diesem Garten alles für Partys gefeiert, Feuerchen geschürt, Schwimmen gelernt, hier war immer was los. Und beim Blick in das aufgeräumte Grün meint man fast, die fröhlichen Stimmen der Vergangenheit zu hören. Schließlich kramt mein Vati noch …

Stolpersteine in Solingen

Auf den Spuren der Reichspogromnacht

Ein Mensch ist erst dann vergessen, wenn sein Name vergessen ist. – Aus dem Talmud Gestern nahm ich an einer Gedenkveranstaltung für die Solinger Opfer der Reichspogromnacht teil. Diese besondere Form des Gedenken – ein Stadtrundgang zu den Tatorten des 9. November 1938 –  hat mich zutiefst bewegt. Denn Daniela Tobias vom Unterstützerkreis Stolpersteine in Solingen schilderte die grausamen Ereignisse anhand von historischen Fotos und Zeugenaussagen genau dort, wo sie vor 80 Jahren stattfanden. So entstand für mich das Gefühl, zeitversetzt auf den dunkelsten Spuren meiner Heimatstadt Solingen zu wandeln. Diese zwei Fotos markieren Beginn und Ende des abendlichen Stadtrundgangs. Das linke Foto entstand auf dem jüdischen Friedhof, auf dem Max Leven beerdigt ist. Der ehemalige Kulturredakteur der unter den Nazis verbotenen „Bergischen Arbeiterstimme“ wurde in der Nacht auf den 10. November in seiner Wohnung vor den Augen seiner Familie erschossen. Das zweite Foto zeigt die Gedenktafel am Hochbunker an der Malteserstraße, wo bis zur Reichspogromnacht die Solinger Synagoge stand. Sie brannte bis auf die Grundmauern nieder und wurde anschließend abgerissen. Der jüdischen Gemeinde „kaufte“ …

Ein Geburtstagswunsch

In wenigen Tagen habe ich Geburtstag. Meine Facebook-Freunde werden mit einem „Stefanie Leo hat heute Geburtstag. Lass sie wissen, dass du an sie denkst!“ unweigerlich mit der Nase drauf gestoßen, dass auch ich wieder ein Jahr älter geworden bin. Es ist auch nichts Schlechtes, wenn man an seinem Geburtstag viele nette Kommentare, Bilder oder lustige GIFs erhält. Und tatsächlich denken manche Menschen auch ganz analog an mich, kommen vorbei, rufen mich an oder gratulieren mit einer lieben Postkarte. Karins Dankesmomente Doch wenn ich mir etwas wünschen dürfte, dann wäre es dieses Jahr etwas anderes. Am 11. Juli begann Karin auf Facebook DANKE zu sagen, jeden einzelnen Tag. Anlass für diese Dankemomente war der Tod eines Freundes, dem sie gerne so viel mehr mitgeteilt hätte und dies irgendwie nie getan hat. Ein trauriger Anlass, der aber seit einigen Wochen das Netz menschlicher und liebenswürdiger macht, denn Karin lässt uns öffentlich an jedem Dankeschön teilhaben, mit dem sie so manchen Menschen sicherlich sehr glücklich gemacht hat. Mein Wunsch Zu meinem Geburtstag wünsche ich mir deshalb, dass auch …

Die Macht der Worte

Als ich über diesen Beitrag grübelte, stieß ich auf unzählige Zitate und Sinnsprüche zum Thema Sprache und Kommunikation. Einige von ihnen möchte ich in diesen Artikel einfließen lassen, weil sie mit nur wenigen Worten genau das auf den Punkt bringen, was mich derzeit beschäftigt. Worte sind wie Pistolenkugeln Worte sind wie Pistolenkugeln. Einmal abgeschossen kann man sie nicht mehr zurückholen. Diesen Sinnspruch hörte ich vor gut 20 Jahren das erste Mal. Ja, Worte haben große Macht. Sie können wie Öl runtergehen oder auch verletzend sein. Wenn sie unseren Mund verlassen, sind sie nicht mehr aufzuhalten. Und nicht immer ist klar, was sie mit meinem Gegenüber machen, was wirklich beim Empfänger ankommt, zumal bei schriftlicher Kommunikation die Übermittlung von nonverbalen Signalen gänzlich ausbleibt. Es sind gerade diese fehlenden Blicke, Gesten, Laute oder auch die Körperhaltung, die uns beim geschriebenen Wort fehlt und zu Missverständnissen führt. Zwei Sprachen, zwei Seelen Eine andere Sprache zu sprechen, bedeutet, eine zweite Seele zu besitzen. Dieses Zitat von Karl dem Großen beschreibt ziemlich passend den Inhalt des TED-Talks „How language shapes …