Alle Artikel in: Lesen und Arbeiten

Social-Media-Detox

Eine Entschlackungskur (engl. Detox) soll den Körper von Schadstoffen befreien. Eine Eliminationsdiät wiederum versucht über das Ausschlussverfahren hinter Nahrungsmittelunverträglichkeiten zu kommen. Beide Anwendungen eint, dass sich Personen, die sich ihnen unterziehen, vorher nicht wohl gefühlt haben und an dieser Situation etwas ändern wollen oder müssen. Social-Media-Detox Die von mir liebevoll Social-Müdia genannte Netz-Überdrüssigkeit ist für mich nichts Neues. Bereits vor drei Jahren bloggte ich unter dem Titel  Vom „Ich bin dann mal weg“-Phänomen über einen Zustand, der auch mich regelmäßig befällt. Doch dieses Mal ist die Lage eine andere. Bremste mich bislang gerne ein Motivationstief aus, auf das dann zügig wieder ein Hoch folgte, machen mir verstärkt die Inhalte in den Sozialen Medien zu schaffen. Zunehmend geistern polarisierende, mit Clickbaiting-Überschriften versehene Artikel durch die Netzwerke, die zwar starke Emotionen hervorrufen, mich aber als Menschen nicht weiterbringen. Im Gegenteil, ich bin dünnhäutig geworden, das Lesen von Kommentaren habe ich mir schon lange untersagt und mein Algorithmus zeigt mir eine schlechtere Welt als sie eigentlich ist, denn die Social-Media-Welt meines Gatten sieht bei weitem beschaulicher aus als …

Wo wir zu Hause sind

Bis vor kurzem kannte ich Maxim Leo nicht. Dreihundertachtundsechzig Seiten später sieht das anders aus. Er, der Journalist und Schriftsteller aus Berlin, der sich mit mir Nachnamen und Geburtsjahr teilt, hat mich mitgenommen, auf eine Reise zu den Wurzeln seiner Familie. Und auch wenn wir Leos vermutlich keine gemeinsamen Vorfahren besitzen, so eint uns doch die Gewissheit, dass man immer ein wenig Familien-Vergangenheit in sich trägt, die zu einem gehört, die man nicht einfach abstreifen kann und die einen letztlich ein Stück weit eben auch zu dem macht, der man heute ist. Oft fällt es mir schwer, meine Begeisterung für ein Buch in Worte zu fassen. „Wo wir zu Hause sind“ bildet da keine Ausnahme. Gleich auf den ersten Seiten packt mich Maxim Leos Familiengeschichte. Dort begegne ich seiner Großtante Ilse und deren Cousinen Irmgard und Hilde. Die drei jungen Frauen haben jüdische Wurzeln, ohne diesen besondere Beachtung zu schenken. Doch schon Anfang der 30er Jahre sorgt ihr Jüdischsein dafür, dass die Berlinerinnen in alle Winde verstreut werden. Anhand ihrer Lebensgeschichten zeichnet der Autor seine …