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Das große Rauschen

Im Sommer 1996 bereisten mein Mann und ich für drei Wochen per Zelt Alaska. Nie zuvor in meinem Leben hatte ich solch eine unberührte, schier unendliche Weite gesehen. Bäume ragten wie Pfeifenreiniger in die Höhe, weil man als Nadelbaum aufgrund der zu erwartenden Schneemassen im Winter eben keine ausladenden Äste ausbildet. Gefühlt hinter jeder Kurve erwartete uns ein neuer majestätischer Gletscher, selbst der Prince William Sound sah sieben Jahre nach der Havarie des Öltankers Exxon Valdez oberflächlich gesehen gut aus. Wandern, Heilbutt-Angeln, einem Gletscher vom Boot aus beim Kalben zusehen, ein unvergesslicher Urlaub. Heute, vierundzwanzig Jahre später, weiß ich es besser. Der Klimawandel ließ schon damals die Gletscher schmelzen (in meinem Fotoalbum nannte ich das „Rückzug“), der Prince William Sound hat sich auch heute, 30 Jahre nach der Katastrophe, noch nicht wieder vollständig erholt (wird er das jemals?) und die Trans-Alaska-Pipeline, die ich damals auf meinen Fotos auszublenden versuchte, ist für mich heute zum Sinnbild allen Übels geworden. In weiteren vierundzwanzig Jahren, also im Jahr 2044, werde ich womöglich 74 Jahre alt sein. Es wird …

Fahrenheit 451

Einen Klassiker zum ersten Mal zu lesen und das 65 Jahre nach Erscheinen seiner ersten deutschen Fassung, ist schon etwas Besonderes, denn selbst wenn ich ein Buch mehrfach lesen würde – was ich selten tue – wäre es später doch nie wieder so wie beim ersten Mal. Bei „Fahrenheit 451“ kam noch ein weiterer Aspekt dazu, denn tatsächlich wurde Ray Bradburys Klassiker gerade von Peter Torberg neu übersetzt und ich konnte sowohl auf diese Neuübersetzung als auch auf die bislang einzige und 2008 zuletzt überarbeitete Übersetzung von Fritz Güttinger zurückgreifen. Zunächst hatte ich vor, die Bücher parallel zu lesen, doch tatsächlich gab ich nach 30 Seiten auf und wendete mich ganz der Neuübersetzung zu, die sich flüssiger lesen ließ, da ich weniger über altertümliche Formulierungen und Satzbauten stolperte. Das soll aber nicht heißen, dass die neue Übersetzung vokabulartechnisch ins 21. Jahrhundert geschubst wurde. Vielmehr wurden Sätze gefälliger zusammengefügt und ja, auch zum Teil anderes, aktuelleres Wortmaterial genutzt. Das hatte zur Folge, dass ich „Fahrenheit 451“ quasi in einem Rutsch las, atemlos einer fast 70 Jahre …

Nimm den Zug

Oft werde ich durch Empfehlungen im Netz auf neue Bücher aufmerksam, manchmal suche ich auch gezielt nach einem Autor oder einer Autorin, weil ich schon etwas anderes von ihm oder ihr gelesen habe, ein anderes Mal gibt eine Leseprobe den Ausschlag für eine Lektüre. Bei meinem aktuellen Buch traf nichts von alledem zu. Der Klappentext war es, der mich nach „Vom Schweden, der den Zug nahm und die Welt mit anderen Augen sah“ greifen ließ, auch das Cover gefiel mir gut, weshalb ich es schon während des Lesens für Instagram ablichtete. Die Frage, wie ich es denn finden würde, ließ natürlich nicht lange auf sich warten. Warum meine Antwort „Bin noch unentschlossen, weil ich etwas ganz anderes erwartet habe“ lautete, und wie ich es dann am Ende wirklich fand, will ich euch kurz erklären und beginne mit Cover und Klappentext, ganz so wie ich das Buch entdeckte. Was würdet ihr erwarten? Eine Reisebeschreibung unterschiedlichster, geschichtsträchtiger Eisenbahnrouten? Infos über Land und Leute? Kleine Anekdoten aus dem Zugabteil? Eine Liebeserklärung eines zum Bahnreisen Bekehrten? – Irgendwie bekommt …

Anstiftung zum gärtnerischen Ungehorsam

Anstiftung zum gärtnerischen Ungehorsam

Über Bücher, die sich unversehens in mein Leben schleichen und dann auch noch bleibenden Eindruck hinterlassen, freue ich mich immer ganz besonders. Eine befreundete Autorin musste bei diesem Buch direkt an mich denken (ich frage mich natürlich bei welchem Wort im Titel?!) und schlug es mir innig als nächste Lektüre vor. Danke, Gina, für die Hartnäckigkeit, die sich für uns beide gelohnt hat! Ideen säen für eine bessere Welt Der Gewöhnliche Natternkopf (Echium vulgare) hat bei mir Einzug gehalten. „Schuld“ daran hat auch die Autorin Christiane Habermalz, deren Buch „Anstiftung zum gärtnerischen Ungehorsam“ genau das tut, was der Titel verspricht: Ideen säen, um unsere unmittelbare Umgebung wie Balkon, Baumscheibe, Park oder eigenen Garten ein wenig ökologischer zu machen. Die Autorin berichtet humorvoll, lehrreich, augenöffnend über heimische Wildpflanzen, Generalisten und Spezialisten unter den Insekten, über Biodiversität und Artensterben. Als Journalistin hat sie gut recherchiert und mit vielen Fachleuten gesprochen, deren Forschungsergebnisse erschreckend sind. Auch mir ist klar, dass sich für große Fortschritte die Politik ändern muss und nicht nur mein Vorgarten. Aber ich merke ein ums …