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Vom Ende eines langen Sommers

Vom Ende eines langen Sommers

Es ist Mitte Oktober, ich sitze bei 25 Grad auf der Terrasse in der Sonne und lese Vom Ende eines langen Sommers. Selten hat der Titel eines Buches so perfekt ins Bild gepasst, beschleicht einen doch das Gefühl, dass der diesjährige Sommer so gar nicht enden mag. Hier enden aber auch schon die Parallelen der Geschichte zu unserem derzeitigen Spätsommer. Drei Zeitebenen verwebt die Autorin Beate Teresa Hanika geschickt, eine davon umfasst den Titel gebenden langen Sommer 1944, den die erste Hauptdarstellerin Franka in Tagebucheinträgen festhält. Aufgrund einer Erkrankung lebte die damals 17-Jährige in der Toskana. Die Gegenwart hat die Autorin in das Jahr 2004 gelegt. Zu dieser Zeit erhält die zweite Ich-Erzählerin Marielle die Tagebücher ihrer im letzten Jahr verstorbenen Mutter. Und genau jener Sommer, den die beiden gemeinsam in der Toskana verbrachten, bildet die dritte Zeitebene. Dem Sog der verschiedenen Handlungsstränge, die die Mutter-Tochter-Geschichte Stück für Stück zusammensetzen, kann man sich kaum entziehen. Neugierig begleitet man Marielle auf dem Weg in die Vergangenheit, in der sie viel über die unnahbare, stolze und kühle …

Eine Heldengeschichte

Wahre Helden sind stille Helden, die sich kaum von dir und mir unterscheiden. Sie sind weder waghalsig noch furchtlos und leben häufig ein normales, unaufgeregtes Leben mit all seinen Höhen und Tiefen. So wie Reinhold Duschka, der im richtigen Moment unglaublichen Mut und große Menschlichkeit bewies. Erich Hackl hat seine Heldengeschichte aufgeschrieben. Am Seil ist ein dünnes, nur knapp 120 Seiten zählendes Buch, von dem ich mich erst losreißen konnte als ich es zu Ende gelesen hatte. Es dauerte ein paar Seiten bis ich mich an den nüchternen Schreibstil gewöhnt hatte, stellte aber schnell fest, dass es für diese Geschichte, die in Form einer Chronik verfasst ist, keine passender Erzählweise geben kann. Basierend auf den Kindheitserinnerungen Lucia Heilmans und weiterführenden Recherchen berichtet Hackl über den in in Wien lebenden Kunsthandwerker Reinhold Duschka, der Lucia und ihre Mutter vier Jahre lang in seiner Werkstatt vor den Nazis versteckte. Dabei beginnt er seine Erzählung Mitte der 20er Jahre als Duschka und Lucias Vater sich beim Bergsteigen kennenlernen und endet mit Erinnerungen des Enkels Gerald Janous, der wie …