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Hẹn gặp lại, Kiên!

Lieber Kiên, zehn Monate sind eine lange Zeit. Doch sie erscheint wie verflogen, wenn man zurückblickt. Im September 2017 bist du in unser kleines Zimmer unterm Dach eingezogen. Wir hatten großes Glück, dass du bereits so gut Deutsch sprachst, so konntest du direkt von Anfang an mit Volldampf am Familien- und Schulleben teilnehmen. In den vergangenen zehn Monaten hast du nicht nur viele Freunde gefunden, ein großartiges 11. Schuljahr hingelegt, sondern unser Familienleben bereichert. Wir haben dir Ironie beigebracht, dich zum Diskutieren und Fragenstellen ermuntert und deine asiatische Höflichkeit ein wenig europäisiert. Du kennst nun deutsche Mülltrennung, weißt, dass man auch ohne täglichen Fleischkonsum „überleben“ kann und hast erfahren, dass deutsche Klassen „nur“ 30 Schüler haben, die sich sogar aktiv beteiligen (und nicht schlafen – kleiner Insider). Aber einen Gast aus einem fremden Land aufzunehmen, heißt auch, viel über eine andere Kultur zu lernen und manches auch über sich selbst zu erfahren – und damit meine ich nicht nur die Entdeckung meiner Leidenschaft für deine vietnamesischen Frühlingsrollen. Kiên, wir hoffen, dass du dich ein Leben …

Wahlen

Die Wahl oder Die Sache mit dem Joghurt

Wer die Wahl hat, hat die Qual Diese altbekannte Redewendung schießt mir regelmäßig durch den Kopf und das nicht nur, wenn politische Wahlen anstehen. Das ganze Leben besteht aus einer Aneinanderreihung von (Wahl)Möglichkeiten. Manche, wie beispielsweise die Frage nach Tee oder Kaffee, sind eher weniger bedeutend, wieder andere bringen einen schier zur Verzweiflung, so wie die ungenaue Angabe „Joghurt“ auf dem Einkaufszettel und das nicht enden wollende Regal mit selbigem im Supermarkt. Manchmal werden uns Entscheidungen abgenommen, ein anderes Mal beschließen wir, von der Möglichkeit zu wählen keinen Gebrauch zu machen und lassen andere entscheiden. Vielleicht sind wir wahlmüde, entscheidungsschwach. Vielleicht ist die Qual zu groß. Die Wahl und das Supermarktregal Politische Wahlen erinnern mich derzeit an das oben beschriebene Supermarktregal. OK, ich will Joghurt, aber welchen? Sollen die Kulturen sich nun rechts- oder linksherum drehen? Will ich lieber Bio oder Regional? Darf es ein wenig Frucht sein? Aber bloß keinen Zucker! Etiketten werden gedreht, Kleingedrucktes gelesen, ganz schön zeitaufwändig so ein Joghurtkauf. Am Ende habe ich dann doch nicht alle Beschreibungen und Zusammensetzungen gelesen …