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Nachgedacht: Alltagsrassismus

Morgens bei der Tasse Kaffee im Bett scrolle ich gerne durch die Timeline meiner verschiedenen Social Media Accounts. Dabei stolpere ich über ganz unterschiedliche Beiträge verschiedenster Autoren, und die Schlüsse, die Journalisten und Blogger bisweilen zu ganz ähnlichen Themen ziehen, sind hin und wieder doch recht konträr. Das macht das Netz für mich so spannend, denn wer unterschiedlichste Quellen heranzieht muss sich über kurz oder lang eben auch mit der eigenen Meinung auseinandersetzen und diese gegebenenfalls auf den Prüfstand stellen. Gleich zweimal begegnete mir in den vergangenen Tagen die Journalistin Thembi Wolf, beides Mal mit Beiträgen bzw. einem Video, das auf der Plattform Bento.de erschien, die – wie mir das Über uns erklärt – das junge Angebot von SPIEGEL ONLINE ist und zeigt, was 18- bis 30-Jährige wirklich interessiert. Demnach bin ich also keine Zielgruppe mehr, aber natürlich nicht minder interessiert, schließlich will ich – gerade auch als Mutter der Zielgruppe – den Kontakt nicht verlieren. Aber zurück zu Thembi Wolf. Hier ist der erste Beitrag den ich von ihr sah: Alltagsrassismus: Nein, du darfst …

#WeRemember

Am 27. Januar 1945 wurde das Konzentrationslager Auschwitz von der Roten Armee befreit. 74 Jahre später sitze ich am Holocaust-Gedenktag, der 2019 auf einen Sonntag fällt, im Kino. Mit der ganzen Familie schauen wir uns „Schindlers Liste“ an, der im März 1994 in Deutschland erschien und heute – 25 Jahre später – erneut gezeigt wird. Ich, Jahrgang 1970, bin was das Dritte Reich und den Holocaust angeht nicht uninformiert. Im Unterricht war das Thema allgegenwärtig, als Schülerin des Geschwister-Scholl-Gymnasiums sowieso. Ich habe zahlreiche Bücher zum Thema gelesen, Zeitzeugen im Fernsehen sprechen gehört, Schwarzweißfotos betrachtet. Und obwohl ich der Meinung bin, dass kein Film jemals den Anspruch erfüllen könnte, den Holocaust in all seinen grausamen Facetten zu zeigen, so traf mich „Schindlers Liste“ dennoch mit voller Wucht. Vor allem die Darstellung der Personen und die Details des in schwarzweiß gedrehten Films überzeugten. Einmal mehr wurde mir bewusst, dass die Vernichtung der Juden ohne die deutsche Gründlichkeit in diesem Ausmaß nicht möglich gewesen wäre. Ebenso bedrückend war die Erkenntnis, was Sprache mit Menschen macht. Da wurde den …