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Wahlen

Die Wahl oder Die Sache mit dem Joghurt

Wer die Wahl hat, hat die Qual Diese altbekannte Redewendung schießt mir regelmäßig durch den Kopf und das nicht nur, wenn politische Wahlen anstehen. Das ganze Leben besteht aus einer Aneinanderreihung von (Wahl)Möglichkeiten. Manche, wie beispielsweise die Frage nach Tee oder Kaffee, sind eher weniger bedeutend, wieder andere bringen einen schier zur Verzweiflung, so wie die ungenaue Angabe „Joghurt“ auf dem Einkaufszettel und das nicht enden wollende Regal mit selbigem im Supermarkt. Manchmal werden uns Entscheidungen abgenommen, ein anderes Mal beschließen wir, von der Möglichkeit zu wählen keinen Gebrauch zu machen und lassen andere entscheiden. Vielleicht sind wir wahlmüde, entscheidungsschwach. Vielleicht ist die Qual zu groß. Die Wahl und das Supermarktregal Politische Wahlen erinnern mich derzeit an das oben beschriebene Supermarktregal. OK, ich will Joghurt, aber welchen? Sollen die Kulturen sich nun rechts- oder linksherum drehen? Will ich lieber Bio oder Regional? Darf es ein wenig Frucht sein? Aber bloß keinen Zucker! Etiketten werden gedreht, Kleingedrucktes gelesen, ganz schön zeitaufwändig so ein Joghurtkauf. Am Ende habe ich dann doch nicht alle Beschreibungen und Zusammensetzungen gelesen …

Buchtunnel Prag

Ich lese. Nicht.

Als Buchmensch einen Beitrag mit „Ich lese. Nicht.“ zu betiteln, das ist sicher gewagt. Aber ich bin schon immer für ehrliche Worte gewesen und außerdem steht da ja auch noch ein Punkt, streng genommen sogar zwei, aber der hinter der Aussage „Ich lese.“ ist schon nicht ganz unwichtig. Aber von vorne … Ich lese gerne Ich lese gerne. Daran gibt es überhaupt keinen Zweifel. Doch auch wenn sich mein berufliches Leben um die Bücher dreht, hat es tatsächlich nur im Nebensatz mit dem Lesen zu tun. Denn der Hauptsatz besteht aus ganz banalen Dingen wie Vorschauen sichten, Bücher bestellen, Titel – viele Titel – in die Datenbank einpflegen, Bücher an die Redaktion (derzeit 40 Redakteure) verschicken, Rezensionen überprüfen und freischalten, Belege selbiger an die Verlage schicken und so weiter und so fort. Jetzt mag der eine oder andere auch besser verstehen, warum ich mich ungern als Kinderbuchexpertin bezeichnen lasse, denn während ich noch mit den schnöden Dingen im Hintergrund beschäftigt bin, sind die Kinder und Jugendlichen diejenigen, die fleißig lesen. Sie sind die wahren Expertinnen …