Alle Artikel in: Mein Alltag und ich

In der Ruhe liegt die Kraft

Ich bin ein quirliger Mensch, einer mit besagten Hummeln im Hintern. Jemand, der viel zu erzählen hat, der viel an Informationen aufnimmt. Manchmal zuviel. Eigentlich bin ich jemand, bei dem einem nicht als erstes das Wort „Meditation“ in den Kopf kommt. In der Ruhe liegt die Kraft Doch tatsächlich ist die Meditation, die Stille, das Besinnen auf den eigenen Atem meine geheime Kraftquelle in einem oft turbulenten Alltag. Seit bald 10 Jahren versuche ich regelmäßig zumindest ein paar Minuten pro Tag auf meinem Yogakissen zur Ruhe zu kommen, mich auf meinen Atem zu konzentrieren und an aufkommenden Gedanken nicht festzuhalten, sondern sie vorbeiziehen zu lassen. Dass das mal gut oder weniger gut gelingt, ist ganz normal. Mindestens einmal im Jahr gönne ich mir zudem eine Auszeit in Stille, meist im November, manchmal aber auch an einem verlängerten Wochenende im Mai oder Juni. Doch dieses Jahr ist alles anders. Anstatt im Kloster findet unser 5-tägiger Kontemplationskurs der Via Integralis dieses Mal digital, dezentral und somit auch mitten im eigenen Alltag statt. Die kommenden Tage werde ich …

4. Solinger Nachhaltigkeitskonferenz

Wie geht es euch, wenn ihr den Begriff „Nachhaltigkeit“ hört? Für meinen Geschmack könnte er durchaus sparsamer verwendet werden, denn der inflationäre Gebrauch verwässert die eigentlich so klare und positive Botschaft, die ihren Ursprung in der Forstwirtschaft Anfang des 18. Jahrhunderts hat. Damals legte der Oberberghauptmann des Erzgebirges Hans Carl von Carlowitz eine Abhandlung über wirtschaftlichen Waldbau, die „Sylvicultura Oeconomica“ vor. Sie besagte, dass nicht mehr Holz gefällt werden durfte, als jeweils nachwachsen konnte. Carlowitz nannte das „continuirliche beständige und nachhaltende Nutzung“. Sehr knapp formuliert bedeutet Nachhaltigkeit also, etwas für künftige Generationen zu bewahren und die eigenen Bedürfnisse für dieses Ziel einzuschränken. Der Begriff der Nachhaltigkeit taucht aber mittlerweile weit über diesen ökologischen Diskurs hinaus auf. In anderen Zusammenhängen will er vielmehr sagen, dass wer nachhaltig handelt, es ernst meint und nicht nur auf seinen Erfolg schaut. Kein Wunder also, dass das Wort Einzug in die Politik gehalten hat, selbst Dax-Konzerne fertigen Nachhaltigkeitsberichte an und um das ganze auf die Spitze zu treiben, lobt der Stuttgarter Flughafen sogar einen Preis für nachhaltiges Fliegen aus. Ein …

Was geht, Solingen?!

Im Sommer werde ich 50 Jahre alt und feiere ein paar Tage später gleich ein weiteres Jubiläum, denn im Alter von nur wenigen Tagen zog ich in das Haus meiner Eltern in Ohligs ein, lebe also bald ein halbes Jahrhundert hier. Fünfzig Jahre sind eine lange Zeit, Dinge kommen und gehen, Stadtteile verändern sich, manches bleibt, doch dies allein ist nicht der Grund dafür, dass ich meine Stadt zukünftig ein wenig genauer unter die Lupe nehmen möchte. Angesichts der weltweiten Entwicklungen ist man manchmal geneigt, den Kopf in den Sand zu stecken. Auch ich erwische mich aufgrund der vielen schlechten Nachrichten – egal ob politischer, gesellschaftlicher oder ökologischer Natur – bei dem Gedanken, sowieso nichts ändern zu können. Ein großer Irrtum, denn jeder Weg, jede noch so große Veränderung fängt eben doch mit einem ersten kleinen Schritt an. Und dieser Weg beginnt nunmal bei mir, in meiner Familie, in meiner Straße, in meinem Viertel, hier bei mir in Solingen. Was geht, Solingen?! Die Idee, die Rubrik „Was geht, Solingen?!“ in meinem Blog ins Leben zu …

Von der Sprache oder KW 3

Ich bin von Sprache umgeben. Wir sind von Sprache umgeben. Jeden Tag. Selbst wenn wir schweigend lesen, lauschen wir den Geschichten in unserem Kopf. Sprache ist allgegenwärtig, dennoch war meine vergangene Woche in besonderem Maße von der Sprache geprägt. Von der Sprache „Sprache schafft Wirklichkeit“ heißt es in Robert Habecks Buch „Wer wir sein könnten“. Ich las es bereits bei Erscheinen im Herbst 2018. Seitdem zierten viele Klebezettel dieses Buch. Als ich dann Ende vergangenen Jahres mitbekam, dass der Buchladen Neusser Straße ein Lesung bzw. ein Gespräch mit Robert Habeck plante, bemühte ich mich gleich aus mehreren Gründen um eine Karte. Zum einen lese ich ganz gerne Habecks Blog, in dessen Beiträgen oft zu spüren ist, dass der Politiker eben auch Doktor der Philosophie ist. Zum anderen erfahre ich täglich, welche Kraft Sprache hat, wie sie ausgrenzen, zerstören und Hoffnung rauben kann, wie sie aber durch respektvollen und wertschätzenden Einsatz auch ganz viel positive Energie freisetzt. Am vergangenen Donnerstag erlebte ich solch einen Einsatz. Der von Ulrich Noller moderierte Abend drehte sich um Habecks Buch, …