Autor: Stefanie Leo

Ich bin dann mal weg …

Den Satz „Ich bin dann mal weg“ werde ich wohl mein Leben lang mit dem 2006 erschienen Reisebericht von Hape Kerkeling verbinden. Erst ein Hörsturz und eine entfernte Gallenblase ließen den damals schier pausenlos arbeitenden Entertainer die Notbremse ziehen, die Wanderschuhe schnüren und den fast 800 km langen Camino Francés beschreiten. Seitdem verbinde ich den Ausspruch vor allem mit großen Veränderungen, mit Abkehr von dem, was man bislang machte und vielleicht auch ein wenig mit der Suche, nicht unbedingt nach dem Sinn des Lebens, aber irgendwie schon nach sinnstiftenden Dingen. Und tatsächlich schrieb ich unter ähnlichem Titel bereits im Frühjahr 2016 über meine regelmäßig wiederkehrende Social-Müdia, die Unlust, zu bloggen, und zu kommentieren. Was damals noch mehr oder weniger nach einer harmlosen Frühjahrsmüdigkeit klang, wuchs sich in den folgenden Jahren zu einer diffusen Abneigung oder zumindest einem sehr ambivalenten Verhältnis zu den sozialen Netzwerken im Allgemeinen und Facebook im Speziellen aus. Vieles dort mag ich gar nicht erst sehen, von vielem bin ich gefühlsmäßig überfordert (ich kann nicht die ganze Welt retten!) und selbst wenn …

„Das musst du gelesen haben!“

Kennen wir alle, oder? Wir sind begeistert von einem Buch und wollen am liebsten jeden zum Lesen genau dieses Titels bewegen. Funktioniert natürlich auch anders herum. Und wenn dir schließlich deine Kollegin aus der Buchhandlung einen Titel mit den Worten „Das ist schon jetzt mein Buch des Jahres!“ in die Hand drückt, dann kannst du dich winden wie du willst, über deinen Stapel ungelesener Bücher jammern, aus der Sache kommst du nicht mehr raus. Niemals ohne sie Die Kanadierin Jocelyne Saucier kannte ich bereits von ihrem ersten, preisgekrönten und mittlerweile verfilmten Roman. Nun liegt ihr zweiter Titel „Niemals ohne sie“ in deutscher Übersetzung vor, der im Original aber Jahre vor „Ein Leben mehr“ erschien. Und ich muss gestehen, dass ich wie beim ersten Buch ein wenig brauchte, um in die Geschichte einzutauchen. Tatsächlich legte ich das Buch nach genau 37 Seiten weg und las erst einmal ein anderes. Nur dem hartnäckigen Nachfragen der Kollegin und der goldenen Regel, jedem Buch die Chance von mindestens 50 gelesenen Seiten zu geben, ist es zu verdanken, dass ich …

Begeisterung und jede Menge Merkzettel

Bereits Mitte April erschien mein ausführlicher Beitrag zu Bin im Garten auf der Webseite der Schatzinsel. Für die Buchhandlung habe ich nochmals eine etwas gekürzte Version für das Solinger Tageblatt geschrieben, die am 13. Mai dort unter dem Titel Vom Leben in einer WG mit 250 Sämlingen erschien. Bin im Garten von Meike Winnemuth, Penguin Verlag 2019 – 320 Seiten, 22 € Online-Bestellmöglichkeit bei der Buchhandlung meines Vertrauens

Wenn nicht ich …

Früher war manches einfacher. Da wusste man auch weniger. Oder konnte das (Ge)Wissen besser ausblenden. Heute kann man sich nicht mehr verstecken. Da müsste man schon als Einsiedler und Selbstversorger ohne Medienzugang am Ende der Welt leben. Aber dann würde man vermutlich schon eh alles richtig machen … Wenn nicht ich, wer dann? Diese Frage treibt mich schon seit Monaten um. Klar, im Kleinen versuche ich immer schon, die Welt ein wenig besser zu machen. Und auch wenn ich freitags mit den Schüler*innen mitgelaufen bin, mein Plakat hoch hielt, so konnte ich doch manchen Sprechgesang nicht mitrufen, denn schließlich galt die Schelte der jungen Leute eben auch mir. Ich bin 48 Jahre alt und habe noch nicht genug getan. Und auch wenn ich so weiter mache, wird es nicht reichen, das machen die jungen Demonstranten uns unmissverständlich klar. Der Tropfen „Alles nur ein Tropfen auf dem heißen Stein.“, werden die Kritiker mir (zu recht?) zurufen. Mag sein, ein Umdenken in Politik und Wirtschaft muss her für die großen (Fort)Schritte. Aber schließlich gibt es ja auch …