Autor: Stefanie Leo

Was geht, Solingen?!

Im Sommer werde ich 50 Jahre alt und feiere ein paar Tage später gleich ein weiteres Jubiläum, denn im Alter von nur wenigen Tagen zog ich in das Haus meiner Eltern in Ohligs ein, lebe also bald ein halbes Jahrhundert hier. Fünfzig Jahre sind eine lange Zeit, Dinge kommen und gehen, Stadtteile verändern sich, manches bleibt, doch dies allein ist nicht der Grund dafür, dass ich meine Stadt zukünftig ein wenig genauer unter die Lupe nehmen möchte. Angesichts der weltweiten Entwicklungen ist man manchmal geneigt, den Kopf in den Sand zu stecken. Auch ich erwische mich aufgrund der vielen schlechten Nachrichten – egal ob politischer, gesellschaftlicher oder ökologischer Natur – bei dem Gedanken, sowieso nichts ändern zu können. Ein großer Irrtum, denn jeder Weg, jede noch so große Veränderung fängt eben doch mit einem ersten kleinen Schritt an. Und dieser Weg beginnt nunmal bei mir, in meiner Familie, in meiner Straße, in meinem Viertel, hier bei mir in Solingen. Was geht, Solingen?! Die Idee, die Rubrik „Was geht, Solingen?!“ in meinem Blog ins Leben zu …

Das Evangelium der Aale

Ich interessiere mich nicht für Aale. Ich bin weder Naturwissenschaftlerin noch Anglerin, und mein weniges Wissen über diesen schlangenartigen Fisch beruht lediglich auf Kindheitserinnerungen, in denen wir von Ausflügen zum Rhein geräucherten Aal mitbrachten. Meine Kenntnis was das lebendige Tier anbelangt geht also fast gegen Null, ein Umstand, der mich bislang nicht weiter gestört hat. Warum also ein Buch über Aale lesen? Am Ende war es vermutlich die Summe aus außergewöhnlichem Titel, einem schönen Cover und dem überflogenen Klappentext, die mich dann doch irgendwie neugierig machte. So erwartete ich eine Vater-Sohn-Beziehungsgeschichte, in der – wie auch immer – das Angeln und der Aal seinen Platz finden würden. Nicht mehr und nicht weniger. Ich tat mich schwer mit den ersten 40 Seiten. Das lag einerseits sicherlich an meiner falschen Erwartungshaltung, denn beim Überfliegen des Klappentextes war mir entgangen, dass es sich bei „Das Evangelium der Aale“ nicht um Fiktion, sondern um Erinnerungen des Autors an den Vater handelt. Mea culpa. Andererseits lasen sich die ersten Seiten durchaus holprig, was gewiss auch an der Übersetzung liegen kann. …

Über Literatur

Wenn „über“ etwas geschrieben wird, setzt man als Leser insgeheim voraus, dass die Verfasserin weiß, wovon sie spricht bzw. schreibt. Vielleicht sollte ich zum besseren Verständnis und zur Abgrenzung gegenüber denjenigen, die wirklich wissen was Literatur ist, noch ein Fragezeichen hinter meine Beitragsüberschrift setzen. Denn tatsächlich gehöre ich eher zu den Unwissenden, die vom Begriff „Literatur“ ehrfürchtig zurückschrecken und sich lieber Buchbloggerin und nicht Literaturbloggerin nennen. Warum eigentlich? Spurensuche Die Herkunft des Wortes „Literatur“ liegt in lateinisch litteratura, was soviel wie Buchstabenschrift, das Geschriebene oder auch die Schrift bedeutet. Der Duden schreibt der Literatur folgende Bedeutung zu:[ gesamtes] Schrifttum, veröffentlichte [gedruckte] Schriften. In Wikipedia heißt es darüber hinaus: Die öffentliche Literaturdiskussion und -analyse ist demgegenüber seit dem 19. Jahrhundert auf Werke ausgerichtet, denen besondere Bedeutung als Kunst zugesprochen werden kann, und die man im selben Moment von Trivialliteratur und ähnlichen Werken ohne vergleichbare „literarische“, sprich künstlerische Qualität, abgrenzt. Die Literatur zählt zu den Gattungen der Kunst. Das gedruckte Wort Ich bin eine große Bewunderin von Sprache, nicht nur in gedruckter Form. Ich weiß um ihre …

Von der Sprache oder KW 3

Ich bin von Sprache umgeben. Wir sind von Sprache umgeben. Jeden Tag. Selbst wenn wir schweigend lesen, lauschen wir den Geschichten in unserem Kopf. Sprache ist allgegenwärtig, dennoch war meine vergangene Woche in besonderem Maße von der Sprache geprägt. Von der Sprache „Sprache schafft Wirklichkeit“ heißt es in Robert Habecks Buch „Wer wir sein könnten“. Ich las es bereits bei Erscheinen im Herbst 2018. Seitdem zierten viele Klebezettel dieses Buch. Als ich dann Ende vergangenen Jahres mitbekam, dass der Buchladen Neusser Straße ein Lesung bzw. ein Gespräch mit Robert Habeck plante, bemühte ich mich gleich aus mehreren Gründen um eine Karte. Zum einen lese ich ganz gerne Habecks Blog, in dessen Beiträgen oft zu spüren ist, dass der Politiker eben auch Doktor der Philosophie ist. Zum anderen erfahre ich täglich, welche Kraft Sprache hat, wie sie ausgrenzen, zerstören und Hoffnung rauben kann, wie sie aber durch respektvollen und wertschätzenden Einsatz auch ganz viel positive Energie freisetzt. Am vergangenen Donnerstag erlebte ich solch einen Einsatz. Der von Ulrich Noller moderierte Abend drehte sich um Habecks Buch, …