Autor: Stefanie Leo

Blanko-Tage

Ich überlege, ob ich jemals in meinem Leben 10 Minuten am Stück geschrieben habe. Ja, vermutlich bei den Klausuren der Oberstufe, aber das fällt nun nicht unter biographisches Schreiben. Dieses wiederum hat viel mit Erinnerungen zu tun, und darin bin ich wirklich schlecht. Also, in diesem Erinnern. Ich bewundere meinen 80-jährigen Vater, der für uns und seine Enkel sogar ein Buch mit Erinnerungen gefüllt hat. So oft erinnert er sich an Gegebenheiten, die weit in der Vergangenheit liegen, manchmal ist er in diesen sogar nur drei Jahre alt. Vielleicht liegt es an der Zeit. Geboren 1939 lebte mein Vater seine Kindheit im Krieg. Möglicherweise brennen sich Erinnerungen deshalb stärker ein. Ich erinnere mich an so vieles nicht, oder zumindest nicht sofort. „Weißt du noch damals bei unserer Wanderung auf dem Berg?“, solche Fragen stellt mein Vati mir oft. Manchmal erinnere ich mich kaum mehr an den Urlaub. Wieso? Womit war mein Kopf belegt? Oder ist er nur jetzt belegt und vor zwanzig Jahren war diese Erinnerung noch klarer? Manchmal machen mir diese Blanko-Tage Angst. Wer …

Leben, Schreiben, Atmen

Ich habe kurz gezögert als ich von Sarah (vielen im Netz als Pinkfisch bekannt) gefragt wurde, ob ich in der Erscheinungswoche über das Buch Leben Schreiben Atmen berichten und vielmehr noch eigene Schreib-Erfahrungen mit meinen Leser*innen teilen wolle. Gezögert habe ich, weil ich mich selbst eher als Leserin und nicht als Schreiberin betrachte und außerdem schon den einen oder anderen Ratgeber zum Schreiben in der Hand hatte, der mich nicht überzeugte. Dennoch habe ich zugesagt, vielleicht auch, weil die Beschreibung des Verlags soviel mehr versprach als eine trockene Anleitung zum biographischen Schreiben. Und was soll ich sagen, ich wurde nicht enttäuscht, ganz im Gegenteil, dieses Buch hat mich ermuntert, mich auf ganz unverkniffene Art und Weise meinen Erinnerungen zu nähern. Bisweilen bedarf es da sicherlich neben dem Stift auch einer Schaufel, um manches, was sich tief unter dem täglichen Einerlei befindet, wieder freizulegen. Ich freue mich darauf und werde – wie sieben weitere Bloggerinnen auch – unter dem Hashtag #lebenschreibenatmen von meinen Erfahrungen berichten. Zu Beginn widme ich mich den drei Worten des Titels. Leben …

Miroloi

Ich lese Bücher kein zweites Mal. Doch bei Karen Köhlers Miroloi ist alles anders. Und so klappe ich das Buch abends zu, lege es auf meinen Nachttisch und beginne zum Morgenkaffee erneut. Warum nur? Was hat diese Geschichte, die ich mit wenigen Worten gar nicht umreißen kann, mit mir angestellt? Vielleicht ist es die Summe an Besonderheiten, die dieses Werk für mich so einzigartig macht. An diesem Buch ist einfach alles außergewöhnlich: Die Erzählweise, die Sprache – die keine andere hätte sein dürfen, der Ort, die Menschen, die Handlung und auch der Schluss. Eselshure. Schlitzi. Nachgeburt der Hölle. Mit diesen Worten beginnt Karen Köhler ihre Geschichte über das Schöne Dorf auf der Schönen Insel, dort wo alles einen Namen hat, alles außer der Ich-Erzählerin. Als Findelkind hat sie kein Anrecht auf einen Namen, niemand wird sie in das Stammbuch der Insel eintragen, niemand wird ihr Miroloi, ihre Lebensgeschichte singen, wenn sie gestorben ist. Sie ist die Außenseiterin in einer von Männern dominierten Gesellschaft, in der Frauen nicht lesen dürfen, der Fortschritt mit allen Kräften von …

Meditieren. Bloß wie?

Ich versuche regelmäßig zu meditieren. Das klappt oft gut und leider genau dann weniger gut, wenn ich das Meditieren und die daraus resultierende Ruhe und das Fokussieren am dringendsten benötige. Und spätestens dann erinnere ich mich auch wieder an folgende Zen-Weisheit: Meditiere 20 Minuten täglich, es sein denn du hast keine Zeit, dann meditiere eine Stunde. Wie wahr! Meditationsroutine Das Schöne beim Meditieren ist aber, dass es kein Muss gibt, sondern nur ganz viel Kann. Ich meditiere beispielsweise fast täglich, dafür allerdings nur 10 Minuten lang. Nach dem morgendlichen Yoga, noch vor dem ersten Kaffee, sitze ich werktags gegen 5:50 Uhr im Fersensitz auf dem Yoga-Kissen. Diesen Rhythmus habe ich mal vor Jahren eingeführt und halte mich weitestgehend daran. Ich denke, dass das bereits der erste Schlüssel zum Erfolg ist. Nicht die Uhrzeit – das kann jeder halten, wie sie oder er es möchte – aber das bewusste und regelmäßige Freinehmen für das Sitzen auf dem Kissen. Übrigens gibt es viele mögliche Sitzpositionen zum Meditieren, so wie es auch verschiedenste Formen der Meditation gibt. Zazen …