Autor: Stefanie Leo

#NeustartKlima 29.11.19

Ich bin Jahrgang 70, ich bin groß geworden in einer Zeit als die Wupper einer der am stärksten verschmutzten Flüsse Europas war, als der saure Regen unsere Wälder zerstörte und das Ozonloch uns in Atem hielt. Ein umfangreiches Wasserschutzprogramm, Filteranlagen in Fabriken und Kraftwerken, die Einführung von Katalysatoren in Autos, das Verbot von FCKW in den 80er Jahren konnte damals Schlimmeres verhindern. Aber heute? Ende Januar hielt Greta Thunberg ihre vielbeachtete Rede in Davos. Sie sprach davon, dass unser Haus brennt und wir, die Erwachsenen und die Politiker*innen endlich handeln sollten. Im März hagelte es erneut Kritik. Dieses Mal aus den Reihen der Wissenschaftler*innen, die auf einer Pressekonferenz in Berlin die Klimapolitik der Bundesregierung kritisierten und zum dringenden Handeln aufriefen. Seitdem ist wieder mehr als ein halbes Jahr vergangen, in dem die Lücke zwischen Wissen und Handeln nicht annähernd geschlossen und lediglich ein Klimapaketchen auf den Weg gebracht wurde. I want you to panic, sagte Greta damals in Davos auch noch. Und ich fürchte, diese Panik ist angebracht, denn keine Erfindung dieser Welt wird die …

Zehn Fragen für zurückgekehrte Reisende

Regelmäßig stelle ich verschiedensten Kinderbuchmenschen in der Interview-Reihe auf meinem Blog zehn Fragen. Beate Schäfer, die ich dort ebenfalls befragte und die in meinem Urlaub eine Abwesenheitsnotiz aus Bhutan bekam, hat den Spieß umgedreht und mir „Zehn Fragen für zurückgekehrte Reisende“ gestellt. Hier kommen meine Antworten. Wo bist du gewesen und wie kam es, dass du dort hingefahren bist? Ich war im Oktober mit meinem Sohn für zwei Wochen in Bhutan im Himalaya. Das Königreich grenzt  im Süden an Indien und im Norden an Tibet. „Schuld“ an dieser Reise war meine Freundin Miriam, die dieses Land bereits dreimal bereiste und mir stets davon vorschwärmte. Was hast du gegessen? Alles, was auf den Tisch kam und fast täglich die Nationalspeise aus Chili und Käse: Ema Datshi (ཨེ་མ་དར་ཚིལ), und das obwohl mir scharfe Gerichte sonst immer etwas suspekt sind. Die Verbindung aus Chili und Käse (der die Schärfe noch nicht angekommen hat) ist genial, mag aber vielleicht auch an den besonderen Chili-Schoten liegen, deren Sorten-Name ich noch nicht in Erfahrung bringen konnte. Wo hast du geschlafen? Unsere …

Schäm dich!

Ich sitze vor einem leeren Blatt Papier und überlege, wie ich diesen Beitrag beginnen soll, wohin er mich gedanklich wohl führen wird. Warum ich ihn überhaupt schreibe, liegt vermutlich an der Tatsache, dass niemand – zumindest im medialen Raum – davor gefeit ist, dass man mit dem moralischen Zeigefinger auf ihn oder sie zeigt. Egal was wir auch tun, was wir auch sagen, es gibt immer jemanden oder eine Gruppe, die genau der entgegengesetzten Meinung ist. Nun könnte man meinen, das sei zutiefst demokratisch, ich jedenfalls finde, dass das lediglich als Totschlagargument genutzt wird, um die verbale Keule auszupacken. Trump und Co. haben „gute“ Arbeit geleistet, denn jedes Thema wird in WIR und DIE ANDEREN aufgespalten. Da wo wir früher freudig Fotos unseres Grillabends geteilt haben, herrscht heute betretene Stille, schließlich hat man keinen Bock auf Diskussionen mit Vegetariern oder Veganern. Oder andersherum postet man ganz laut ein rohes Stück Fleisch mit dem Verweis „Take this, ihr Grünzeugfresser!“. Ihr könnt es drehen und wenden wie ihr mögt, es kommt nie was Gutes bei raus, unsere …

Listen

Ich gebe unumwunden zu, dass ich einen Listenfetisch habe. Keine Ahnung, ob das bereits in meiner Kindheit oder Schulzeit begann, ich kann mich nicht erinnern. Ordentlich war ich glaube ich schon immer. Listen bringen mir Klarheit, sie teilen meinen Tag ein, ordnen das Gewusel in meinem Kopf, dieses geschäftige Treiben, was bisweilen nicht zur Ruhe kommen will. Ich habe Listen für ToDos und ToDonts, Listen für den jeweiligen Arbeitstag, wobei es sich dabei nur um zwei bis drei dringliche Aufgaben handelt, die auf einem kleinen Zettel gekritzelt vor meiner Tastatur liegen. Aber alleine das Abstreichen erledigter Dinge vermittelt mir ein befriedigendes Gefühl. Es gibt handschriftliche Listen, schnell hingeschmierte, ausgedruckte und digitale. Unsere Einkaufsliste führen wir seit neuestem digital und gemeinsam, was sich bei fünf erwachsenen Familienmitgliedern als ziemlich praktisch erwiesen hat. Manchmal werden ausgedruckte Listen auch laminiert, weil Abläufe wiederkehren und einfach nur regelmäßig abgehakt werden müssen. Ich weiß, das Genie beherrscht das Chaos, und für den normal „Sterblichen“ klingt meine Struktur vermutlich abschreckend, aber ich kann ohne sie einfach nicht sein. Ich brauche Ordnung …