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Im Grunde gut

Die Frage, ob der Mensch im Grunde gut oder eben doch schlecht sei, hat sich vermutlich jeder von uns schon einmal gestellt. Ich bin seit jeher der Überzeugung, dass der Mensch ein Guter ist, doch häufig rütteln Forschungsergebnisse, Nachrichten und nicht zuletzt aktuelle Entwicklungen an meinem positiven Menschenbild. Bröckelt in extremen Krisen oder Momenten großer Wut tatsächlich die moralische Fassade wie der Philosoph Thomas Hobbes (1588 – 1679), bekannt für seinen Ausspruch  „Der Mensch ist dem Menschen ein Wolf.“, behauptet?

Im Grunde gut

Wer wie ich an das Gute im Menschen glaubt, wird gerne belächelt und als naiv abgetan. Außerdem muss man sich ja nur umschauen, um zu sehen, dass ich eigentlich nur im Unrecht sein kann. Aber was, wenn das eben nur die gefühlte Wahrheit ist? Was wenn sich wissenschaftliche Belege für den guten Menschen finden lassen?

Der Historiker Rutger Bregman hat sich nicht nur sprichwörtlich auf den Weg gemacht, anhand von Erkenntnissen aus Psychologie, Ökonomie, Biologie, Geschichte und Archäologie nachzuweisen, dass unser Vorstellung vom Menschen auf falschen Schlussfolgerungen beruht. So führten ihn beispielsweise seine Recherchen bis nach Australien, um das Menschenbild, das William Golding mit seinem fiktiven „Herr der Fliegen“ entwarf, zu widerlegen. Und auch sonst beruhen Bregmans Auffassungen auf (neuen) wissenschaftlichen Erkenntnissen, sind faktenbasiert. Der Autor gräbt tief, fast detektivisch wendet er sich verschiedensten alten Thesen zu, die sich mit heutigem Wissen widerlegen lassen.

Im Grunde gut hat mir viele Aha-Erlebnisse beschert, mich neugierig auf verschiedenste philosophische Strömungen gemacht, es ließ mich weitere Titel zu Ökonomie, Philosophie und Biologie auf meinen Lese-Wunschzettel legen und bestärkt mich, das Gute der Menschen in meiner unmittelbaren Umgebung weiterhin „herauskitzeln“ zu wollen, denn „Erst dann, wenn das kleine in Ordnung ist, kann dem Großen Platz eingeräumt werden.“ [Seite 426]

Wer an das Gute im Menschen glaubt, ist kein Weichei oder ein Naivling. Wer an Frieden und Vergebung glaubt, ist im Gegenteil mutig und realistisch.
– Rutger Bregman „Im Grunde gut“, Seite 412


Im Grunde gut von Rutger Bregmann, aus dem Niederländischen von Ulrich Faure und Gerd Busse, Rowohlt 2020 – 480 Seiten, 24 €
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