Gedanken, Mein Alltag und ich, Zuhause
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#weltmenschentag

Als Ruth Löbner einen Tag nach dem Weltfrauentag die vielen Beiträge dazu auf Facebook las und sich wieder einmal mit ihrer eigenen Ratlosigkeit in Bezug auf das ganze Mann-Frau-Thema konfrontiert sah, schossen ihr Sätze in den Sinn, die in Bezug auf Rollenklischees ganz widersprüchlich waren, aber eben auch ihr Wesen ausmachten. Diese Sätze sammelte Ruth einen Vormittag lang, schrieb sie auf und postete sie mit dem Hashtag #weltmenschentag. Mittlerweile sind einige Frauen und Männer ihrem Beispiel gefolgt, haben ihren Ambivalenzen der Geschlechterrollen nachgespürt und Texte dazu veröffentlicht.

Ich finde, dass wir endlich mit dem Männer-Frauen-Ding aufhören und lieber über Menschen reden sollten.
Isabel Bogdan

Ich

Meine Lieblingsfarbe ist blau. Dachte ich. Bis irgendwann dieser Tick mit den roten Schuhen kam. Als Kind habe ich genauso gerne Hörspiele gehört wie Bücher gelesen. Schon damals konnte ich mich mit den Protagonisten der Geschichten identifizieren. Ich dachte, dass nur Mädchen bei fiktiven Geschichten weinen, weiß aber spätestens seit ich gemeinsam heulend mit meinem Sohn Filme gucke, dass das nicht so ist. Familie ist für mich das wichtigste im Leben. Ich hoffe, dass meine Söhne zu guten Menschen heranwachsen und ein glückliches Leben führen werden. Bislang kriegen wir das ganz gut hin mein Mann und ich, dafür bin ich sehr dankbar.
In der Schule belegte ich die Leistungskurse Mathe und Englisch und besitze das große Latinum. Von Mathe sind der Dreisatz und meine Vorliebe für Formeln und Dinge, die sich logisch erklären lassen, geblieben. Knobelaufgaben, wie beispielsweise das logische Fortführen von Zahlenreihen, überfordern mich jedoch total. Englisch spreche ich immer noch ziemlich fließend, weil ich Spielfilme nur im Original gucke. Außerdem finde ich es großartig, so mit vielen Menschen (außer Franzosen) in Kontakt zu treten. Wenn ich verreise versuche ich immer, ein paar Brocken der dortigen Sprache zu sprechen, oder mich zumindest mit einem Wörterbuch auszustatten. Ich finde das gehört sich und freut die Menschen dort, so wie es mich auch freut, wenn sich jemand auf Deutsch versucht. Überhaupt bin ich ein Sprachenmensch, nicht nur wegen des Lesens, sondern auch wegen der Kraft der Worte. Politisches Framing finde ich gruselig, zumal ich mich selbst immer wieder beim Gebrauch mancher Phrasen erwische. Aber im Umkehrschluss muss ja gutes Handeln durch gute Sprache auch möglich sein, oder? Ich nutze in meinen Blogbeiträgen das Gendersternchen, wir sind aber noch keine besten Freunde geworden. Es gibt kluge und weniger kluge Artikel zum Thema, ich lese darüber viel, aber konnte mir bisher noch keine abschließende Meinung bilden. Da Sprache ständig in Bewegung ist, wird sich das vermutlich auch in naher Zukunft nicht ändern. Dass ich mit vier Männern unter einem Dach lebe, verändert meine Sicht auf manche Dinge stark, deshalb fühle ich mich in Frauengruppen manchmal fehl am Platz. Ich habe es nie bedauert, nur Söhne bekommen zu haben, allerdings wünschte ich mir zu manchen Themen – wie beispielsweise Gleichberechtigung und sprachliches Gendern – bisweilen etwas Diskussionsunterstützung und eine frische und andere weibliche Meinung. Ich hasse es, wenn mir jemand am Telefon etwas aufschwatzen will und nach dem „Herrn im Hause“ fragt. Allerdings interessieren mich Telefon-, Strom- und Gas-Verträge eh nicht sonderlich, weshalb ich gerne an den Herrn im Hause weitergebe. Ich arbeite allerdings noch daran, viel schneller höflich „Danke und kein Interesse“ zu sagen und dann aufzulegen. Das fällt mir immer noch schwer. Steuererklärung finde ich lästig, bin aber die Einzige im Haus, die die Materie einigermaßen versteht. Die Arbeitsfläche in der Küche wurde höhenmäßig an die Köche angepasst, für mich steht aber ein Höckerchen bereit. Ich kann besser Backen als Kochen, Brotbacken überlasse ich jedoch dem Mann, das kann der unglaublich gut, wie so ziemlich alles in der Küche. An ihren Aufräum-Skills müssen allerdings alle Mitbewohner noch arbeiten, da scheint mein gutes Vorbild überhaupt keine Früchte zu tragen. Ob das also doch genetisch bedingt ist? Ich bin ordentlich, strukturiert, jedoch immer auf der Suche nach meinem Handy. Der ausgefallenste Ort für ein Wiedersehen war bislang der Schuhschrank. Seitdem mein Mann und ich schon Strom- und Gasleitungen angebohrt haben, nutzen wir Bohrmaschinen total ungern, weshalb unsere Wände auch nach zwanzig Jahren immer noch sehr nackt aussehen. Hammer und Nagel stellen kein Problem dar. Ich fahre sehr gerne Rad, gehe viel zu Fuß und glaube, dass man nur so zum besseren und umsichtigeren Autofahrer wird, wenn man die andere Seite am eigenen Leib erfahren hat. Gilt übrigens nicht nur für das Autofahren! Ich bin für Tempolimit auf Autobahnen, mich stresst das hohe Tempo nur. Die Beschleunigung unseres Elekro-Autos finde ich allerdings geil. Ich habe immer in Solingen gelebt und bin vermutlich deshalb auch sehr heimatverbunden. Das ist gut und schlecht zugleich, denn ich neige extrem zu Heimweh. Das bremst mich auch gerne bei großen Reiseplänen aus. Vielleicht schaffe ich es aber dennoch in diesem Jahr nach Bhutan. Manchmal allerdings bin ich sehr mutig. Ungerechtigkeiten kann ich nicht ertragen, da kann ich dann auch schon mal alles um mich herum vergessen und zur Hilfe eilen, selbst wenn es brenzlig wird. Bislang habe ich in meinem Leben viele gute Erfahrungen gemacht, dieses gute Gefühl versuche ich immer abzurufen, wenn mich das globale Durcheinander zu lähmen droht. Daran arbeite ich. Jeden verdammten Tag. Meine beste Eigenschaft ist vermutlich, dass ich herzlich über mich und meine Fehler lachen kann.

Danke Ruth, für die Anregung, der hoffentlich noch weitere Menschen folgen werden.
Das Titelbild entstand im Miniatur Wunderland in Hamburg.

 

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