Jahr: 2018

Vom Ende eines langen Sommers

Vom Ende eines langen Sommers

Es ist Mitte Oktober, ich sitze bei 25 Grad auf der Terrasse in der Sonne und lese Vom Ende eines langen Sommers. Selten hat der Titel eines Buches so perfekt ins Bild gepasst, beschleicht einen doch das Gefühl, dass der diesjährige Sommer so gar nicht enden mag. Hier enden aber auch schon die Parallelen der Geschichte zu unserem derzeitigen Spätsommer. Drei Zeitebenen verwebt die Autorin Beate Teresa Hanika geschickt, eine davon umfasst den Titel gebenden langen Sommer 1944, den die erste Hauptdarstellerin Franka in Tagebucheinträgen festhält. Aufgrund einer Erkrankung lebte die damals 17-Jährige in der Toskana. Die Gegenwart hat die Autorin in das Jahr 2004 gelegt. Zu dieser Zeit erhält die zweite Ich-Erzählerin Marielle die Tagebücher ihrer im letzten Jahr verstorbenen Mutter. Und genau jener Sommer, den die beiden gemeinsam in der Toskana verbrachten, bildet die dritte Zeitebene. Dem Sog der verschiedenen Handlungsstränge, die die Mutter-Tochter-Geschichte Stück für Stück zusammensetzen, kann man sich kaum entziehen. Neugierig begleitet man Marielle auf dem Weg in die Vergangenheit, in der sie viel über die unnahbare, stolze und kühle …

Eine Heldengeschichte

Wahre Helden sind stille Helden, die sich kaum von dir und mir unterscheiden. Sie sind weder waghalsig noch furchtlos und leben häufig ein normales, unaufgeregtes Leben mit all seinen Höhen und Tiefen. So wie Reinhold Duschka, der im richtigen Moment unglaublichen Mut und große Menschlichkeit bewies. Erich Hackl hat seine Heldengeschichte aufgeschrieben. Am Seil ist ein dünnes, nur knapp 120 Seiten zählendes Buch, von dem ich mich erst losreißen konnte als ich es zu Ende gelesen hatte. Es dauerte ein paar Seiten bis ich mich an den nüchternen Schreibstil gewöhnt hatte, stellte aber schnell fest, dass es für diese Geschichte, die in Form einer Chronik verfasst ist, keine passender Erzählweise geben kann. Basierend auf den Kindheitserinnerungen Lucia Heilmans und weiterführenden Recherchen berichtet Hackl über den in in Wien lebenden Kunsthandwerker Reinhold Duschka, der Lucia und ihre Mutter vier Jahre lang in seiner Werkstatt vor den Nazis versteckte. Dabei beginnt er seine Erzählung Mitte der 20er Jahre als Duschka und Lucias Vater sich beim Bergsteigen kennenlernen und endet mit Erinnerungen des Enkels Gerald Janous, der wie …

Ein Geburtstagswunsch

In wenigen Tagen habe ich Geburtstag. Meine Facebook-Freunde werden mit einem „Stefanie Leo hat heute Geburtstag. Lass sie wissen, dass du an sie denkst!“ unweigerlich mit der Nase drauf gestoßen, dass auch ich wieder ein Jahr älter geworden bin. Es ist auch nichts Schlechtes, wenn man an seinem Geburtstag viele nette Kommentare, Bilder oder lustige GIFs erhält. Und tatsächlich denken manche Menschen auch ganz analog an mich, kommen vorbei, rufen mich an oder gratulieren mit einer lieben Postkarte. Karins Dankesmomente Doch wenn ich mir etwas wünschen dürfte, dann wäre es dieses Jahr etwas anderes. Am 11. Juli begann Karin auf Facebook DANKE zu sagen, jeden einzelnen Tag. Anlass für diese Dankemomente war der Tod eines Freundes, dem sie gerne so viel mehr mitgeteilt hätte und dies irgendwie nie getan hat. Ein trauriger Anlass, der aber seit einigen Wochen das Netz menschlicher und liebenswürdiger macht, denn Karin lässt uns öffentlich an jedem Dankeschön teilhaben, mit dem sie so manchen Menschen sicherlich sehr glücklich gemacht hat. Mein Wunsch Zu meinem Geburtstag wünsche ich mir deshalb, dass auch …

Ich muss gar nichts!

Seit November 2009 habe ich einen Account bei Twitter, nur wenige Monate später startete ich mit Social Media auf Facebook durch. Einige andere Netzwerke kamen und gingen, manche blieben, darunter Instagram und Whatsapp. Ich bin 47 Jahre alt und ich muss gar nichts! Vermutlich ist das Punkt eins, der mich an diesem Buch stört. Aber wie übersetzt man den Originaltitel Ten arguments for deleting your Social Media Accounts  right now sinnvoll? Ein DU und ein MUSS in einem Titel spricht mich persönlich so gar nicht an. Don’t judge a book by its title OK, Vorurteile zur Seite geschoben und los. Bücher in Form von Listen sind ja derzeit äußerst beliebt und zahlreiche Sachbücher locken mit einem 10-Punkte-Plan, um unliebsame Verhaltensweisen zu verändern oder abzulegen.  Bei Laniers Buch wirken diese 10 Gründe aber sehr bemüht und mich beschleicht das Gefühl, dass die Aufteilung des Buches eher Wunsch des Marketings und nicht des Autors war. Zudem klingen einige der Gründe in meinen Ohren viel zu reißerisch und ein „Social Media macht dich zum Arschloch“ oder „Social Media …