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Buddha, Hape, der Shruggie und ich

Buddha, Hape, der Shruggie

Ich glaube nicht an Zufälle. Ich glaube auch nicht daran, dass es einen irgendwie gearteten Lebensplan für mich gibt, dessen „Schicksal“ ich quasi nicht entgehen kann. Alles fließt und ich bin mittendrin. Dennoch passieren immer wieder Dinge, die einfach so wunderbar in mein (jetziges) Leben passsen, dass ich mir denke: „Das kann jetzt doch kein Zufall sein!“

Begünstigung des Zufalls

Können Zufälle generiert werden, die dann bei genauer Betrachtung vielleicht doch vorausschaubarer waren als vermutet und ergo dann auch keine Zufälle mehr sind? Sicherlich. Schließlich begünstigt beispielsweise ein aufgeschlossenes, mitteilungsfreudiges Wesen, dass man selbigem ähnlich begegnet und wie zufällig dadurch Schnittmengen erkennt, die man im Vorhinein nicht vermutet hättet. „Welch Zufall!!“ Oder eben auch nicht. Trotzdem nicht minder spannend und oft sehr bereichernd.

Zufall, der

Mal schauen, was Wikipedia so zum Zufall sagt …

Von Zufall spricht man dann, wenn für ein einzelnes Ereignis oder das Zusammentreffen mehrerer Ereignisse keine kausale Erklärung gegeben werden kann. Als kausale Erklärungen für Ereignisse kommen in erster Linie allgemeine Gesetzmäßigkeiten oder Absichten handelnder Personen in Frage. Die Erklärung für Zufall ist also gerade der Verzicht auf eine (kausale) Erklärung.

Das Wort „Zufall“ in der in diesem Artikel beschriebenen Bedeutung kam erst im 17. Jahrhundert in allgemeinen Gebrauch und gilt unter Linguisten als vom lateinischen ac-cidens in Wortform und Sinn vorgeprägt.[1] Im deutschen Sprachraum kam Zufall (mittelhochdeutsch zuoval: „Anfall“) zuerst bei Meister Eckhart bzw. in der Sprache der Mystiker des 14. Jahrhunderts[2] als Lehnübersetzung von accidens und scholastische Wiedergabe des aristotelischen symbebêkós vor.

Quelle: Wikipedia

Kann es Zufall sein, dass gerade die Mystiker des 14. Jahrhundert dieses Wort zunächst nutzten? Mit ihnen befasse ich mich intensiver seit ich vor ein paar Jahren mit regelmäßiger Kontemplation begonnen habe. Die Via Integralis verbindet dabei Zen-Meditation und christliche Mystik. Und diesen Mystikern begegne ich nun beim Googeln nach Zufall. Ist das nun ein Zufall?

Zufälle gibt es nicht

Wenn man die Themenwelten, die mich den letzten Jahren beschäftigt haben, eingehender betrachtet, wird man feststellen, dass es keine Zufälle gibt. Kontemplation, Buddhismus, Glaube, Gewaltfreie Kommunikation (GfK), Lesen, Wandern, Gärtnern … auch wenn man die alles umspannende Gemeinsamkeit ein wenig suchen muss, so wird man feststellen, dass sich alle Dinge irgendwie um das große Thema „Achtsamkeit“ drehen und schlussendlich irgendwie auch darum, wie unsere Welt gerade so tickt.  Da kann es nicht verwunderlich sein, dass gewisse Themen in Gesprächen, in Büchern, in Persona regelmäßig meinen Weg kreuzen.

Buddha, Hape und der ¯\_(ツ)_/¯

Wer diesen Beitrag bis hierhin verfolgt hat, dem möchte ich natürlich auch verraten, wie es zu meiner Titelwahl kam, die selbstverständlich kein Zufall ist. Letztlich sind es mal wieder die Bücher – gerade gelesene oder welche, die bleibenden Eindruck hinterließen – die mich zu diesem Blogbeitrag bewegten.

Was Buddha in der Überschrift zu suchen hat, erklärt sich eigentlich von selbst, schließlich ist mein Interesse am Buddhismus seit meinem ersten Besuch in einem Kloster ungebrochen. Dem Dalai Lama einmal live zu begegnen, war mein bisheriger Höhepunkt.

Da ist er: der Dalai Lama 🙏🏼 #dalailamainfrankfurt #dalailama

Ein Beitrag geteilt von s t e f f i // s o l i n g e n (@buecherkinder) am

Hinter Hape verbirgt sich Hape Kerkeling, der Komiker meiner Kindheit, dem ich vor mehr als 10 Jahren auf ganz andere Weise in seinem Buch „Ich bin dann mal weg“ begegnete als ich ihm lesend die 600 km von Saint-Jean-Pied-de-Port nach Santiago de Compostela folgte. Übrigens eines der wenigen Bücher, das es in mein „Das Buch gebe ich nicht weg“-Regal schaffte, ein Buch also, das schon damals irgendwas in mir lostrat auch wenn es bis zu meinem ersten Sitzen in Stille und meiner Wanderliebe noch ein paar Jahre dauern sollte.

OK, aber wie hat es Hape nach mehr als 10 Jahren in diese Überschrift geschafft? Ein  Zufall? Mitnichten!

Denn auf unserer Fahrt in den Osterurlaub tauchte das Hörbuch unvermittelt auf und versüßte uns die staugeschwängerte Fahrt gen Süden. Gehört hatte ich das vom Autor selbst gelesene Hörbuch bis dato noch nicht, da hatte ich die letzten zehn Jahre echt was verpasst.

Abgesehen davon war es erstaunlich, dass es mir gerade jetzt wieder begegnete, zu einer Zeit in der ich selbst auf spiritueller Suche bin und der Rucksack zwar nicht für den Jakobsweg aber immerhin für 82 nordenglische Meilen quasi gepackt neben meinem Bett steht. Das kann doch kein Zufall sein!

Der letzte im Überschriftenbunde ist der ¯\_(ツ)_/¯. Auch die Begegnung mit diesem schulterzuckenden Schriftzeichen liegt bereits zwei Jahre zurück. Damals berichtete Dirk von Gehlen auf einer Konferenz als Speaker über den Shruggie, der so fröhlich, gelassen, ratlos, aber eben niemals boshaft daherkommt. Damals wünschte er sich und uns mehr Shruggie für die (digitale) Welt, mehr nicht alles wissen oder glauben zu wissen, mehr Ahnungslosigkeit, mehr Betrachten, weniger Be(Ver)urteilen.

Zwei Jahre später halte ich Dirk von Gehlens Buch „Das Pragmatismus-Prinzip“ – mit dem Shruggie auf dem Cover – in den Händen. Und obwohl erst zur Hälfte gelesen, stolpere ich über unzählige Überschneidungen zu den mir wichtigen Themen. So ist häufig von Gelassenheit die Rede, viele Ansätze lassen sich im Buddhismus wiederfinden, auch die wertschätzende Kommunikation (GfK) ist Thema dieses Buches, zu der ich unlängst erst eine Fortbildung besuchte und von der ich sehr überzeugt bin. Bestimmt auch das, kein Zufall.

Panta Rhei

Panta Rhei = alles fließt ist ein dem griechischen Philosophen Heraklit, 6./5. Jahrhundert v. Chr., zugeschriebener Grundsatz, nach dem sich das Wesen des Seins in ständiger Bewegung befindet.

Auch Goethe bezog sich in dem Gedicht Dauer im Wechsel (hier ein Auszug) direkt auf Heraklit:

Gleich mit jedem Regengusse
Ändert sich dein holdes Tal
Ach, und in dem selben Flusse
Schwimmst du nicht zum zweitenmal

Alles fließt, und so wie wir nicht zweimal in denselben Fluss steigen können, so sind auch wir nie dieselben. Jeder Tag, jede Begegnung, jedes Gespräch, jedes Buch verändert uns. Und mit ein wenig mehr Shruggie kann man den schnellen Veränderungen unserer Zeit auch etwas gelassener entgegentreten. Spannend bleibt das Leben so oder so.

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