Alle Artikel mit dem Schlagwort: Tacheles

Braucht es Verrisse? – (M)eine Antwort

Lieber Thomas, ich danke dir für deinen Blogbeitrag. Im übrigen ein sehr guter Text, denn er hat mich nach dem Lesen im Morgengrauen einen ganzen Tag lang gedanklich beschäftigt. Das spricht für ihn. Ich mag es, wenn das geschriebene Wort etwas in mir auslöst. Da ist es egal, ob es sich um einen Zeitungsartikel, einen Blogbeitrag oder einen fiktiven Roman handelt. Allen, die Thomas‘ Artikel noch nicht gelesen haben, bitte ich, dies vorab zu tun, denn es reicht nicht aus, bei der Überschrift „Wozu braucht es Verrisse?“ stehen zu bleiben und zu antworten. Ich glaube, zwei Dinge deines Beitrags haben mich am meisten beschäftigt. Zum einen das Wort „Verriss“ und zum anderen mein Gefühl, dass es in deinem Text gar nicht nur um Literatur-Kritik geht: „Ist es nicht ein offenkundiges Manko, dass immer mehr gebildete Menschen lavieren, wenn man ihnen eine klare Haltung abfordert, ob etwas gut oder schlecht ist – zumindest, wenn es Kunst und Kultur betrifft?“ Kommen wir zu dem Wort „Verriss“, das ich persönlich ganz furchtbar finde. Bei Wikipedia heißt es dazu …

Von Filterblasen und Paralleluniversen

Über Filterblasen haben wir in der letzten Zeit reichlich gelesen und gehört. Obwohl wir uns alle in derselben Wirklichkeit befinden, scheinen wir oft Lichtjahre voneinander entfernt zu sein und in verschiedenen Paralleluniversen zu leben. Filterblasen im Alltag Dennoch gibt es Filterblasen nicht erst, seit das Internet versucht, per Algorithmus herauszufinden, was wir sehen möchte und was nicht. Auch jenseits des Internets umgeben wir uns häufig mit Personen aus vergleichbaren gesellschaftlichen Kreisen, die ähnliche Ansichten vertreten. Hier fühlen wir uns wohl, verstanden und erhalten Zustimmung für das eigene Denken und Handeln, das demnach so falsch nicht sein kann. Ich habe meine Filterblase noch nicht wirklich weit verlassen. Vermutlich lasse ich sogar immer einen Fuß in der Tür, um mich schnell wieder in ihr zu verkriechen. Ich glaube, dass man zum Verlassen auch viel Selbstvertrauen und Kraft benötigt. Letzteres fehlt mir derzeit, ist mir Stück für Stück seit dem 20. Januar, dem Tag als alternative Fakten plötzlich salonfähig wurden, abhanden gekommen. Anfangs versuchte ich noch, mit der Geschwindigkeit der Berichterstattung Schritt zu halten, möglichst viele Artikel verschiedenster …

Zum Teufel mit diesem Schubladendenken!

Ich erwische mich immer wieder. Beim Schubladendenken! Obwohl ich es doch besser wissen müsste, gehen auch meine imaginären Schubladen auf, wenn ich auf neue Menschen treffe. Anstatt demjenigen urteilsfrei und möglichst objektiv zu begegnen, sie oder ihn erst einmal kennenzulernen, habe ich die Person bereits nach kürzester Zeit in einem meiner Fächer versenkt. Überraschung ausgeschlossen. Aber warum mache ich das bloß? Vermutlich fühle ich mich dann irgendwie sicherer, schließlich weiß ich ja je nach Schublade, wie ich mich verhalten soll, was ich bei Gesprächen erwidern kann. Das ist so schön einfach, denn jeder Mensch verhält sich seiner Schublade entsprechend. So mag ich das. Die Guten sind gut, die Bösen böse, die Rechten rechts und die Linken links. Dabei vergesse ich, dass auch ich bei meinem Gegenüber vermutlich in einer Schublade gelandet bin. Und so verhalten wir uns am Ende beide wie Marionetten, an unsichtbaren Fäden von den Erwartungen anderer geführt. Alle unsere Annahmen werden bestätigt, kein Grund also, die eigene Schublade zu verlassen und bei den anderen vorbeizuschauen. Doch! Das Schöne an uns Menschen ist …

Das Leben. Eine Gratwanderung.

Ich bin in meinem Leben erst einmal auf einem Grat gewandert, lange ist es her. Im Sommer 1996 entdeckten wir per Pedes, Auto und mit unserem Zelt Alaska. Bei unserem Besuch im Denali National Park schlossen wir uns einer durch einen Ranger geführten Wanderung an, die uns schließlich auch auf einen Grat – ähnlich dem im Foto – führte. Die Aussicht war atemberaubend, die unberührte Natur überwältigend und dennoch befanden wir uns alle nur einen Fehltritt von einer Katastrophe entfernt. Gratwanderung eben. Ein schmaler Grat, dieses Leben Das Leben kann auch eine Gratwanderung sein. Jedenfalls ist es dieser Begriff, der mir derzeit ständig durch den Kopf geistert. Seit nunmehr sieben Jahren ist es mir zur lieben Gewohnheit geworden, nach Yoga und Meditation für eine Kaffelänge ins Bett zurück zu kriechen. Ich höre Radio, blättere in der aktuellen Tageszeitung und widme mich den Sozialen Netzwerken, die die Nachrichten der vergangen Nacht auf ihre Art und Weise aufbereiten. Gut informiert, meist gut gelaunt und immer wach beginnt dann gegen sieben der Familienalltag. Doch über mein stets sonniges …

Leben und leben lassen

Gestern ließ mich ein Blogbeitrag verstört zurück. Wobei „verstört“ nicht der richtige Ausdruck ist, eigentlich fühlte ich mich zugleich angewidert, abgestoßen und bis ins Mark erschüttert. Es handelte sich dabei um einen sexistischen, frauenverachtenden Beitrag, der vor Häme und Hass nur so triefte, und den ich hier nicht verlinke, denn jeder Klick für diesen Schreiber wäre einer zuviel. Dieser Hass im Netz würde mich krank machen. Würde, denn immer wenn ich denke, dass es kaum schlimmer kommen kann, dann tun sich Menschen zusammen und stellen sich solidarisch an die Seite des Betroffenen, lassen ihn nicht allein, stärken ihm den Rücken. Sicherlich das Netz macht uns angreifbar, aber die dortige Gemeinschaft (und ja, die gibt es!) macht uns auch stark. Dennoch wünschte ich mir gruppenübergreifend mehr Kommunikation, zumindest mit denjenigen, bei denen Hopfen und Malz noch nicht verloren ist. (Der Schreiber oben gehört vermutlich nicht dazu.) Wir schmoren alle zu sehr in unserem eigenen Saft, für viele von uns gibt es nur noch Schwarz oder Weiß, die eigene Meinung und die der anderen. Es geht mir …