Alle Artikel mit dem Schlagwort: Ich

Zum Teufel mit diesem Schubladendenken!

Ich erwische mich immer wieder. Beim Schubladendenken! Obwohl ich es doch besser wissen müsste, gehen auch meine imaginären Schubladen auf, wenn ich auf neue Menschen treffe. Anstatt demjenigen urteilsfrei und möglichst objektiv zu begegnen, sie oder ihn erst einmal kennenzulernen, habe ich die Person bereits nach kürzester Zeit in einem meiner Fächer versenkt. Überraschung ausgeschlossen. Aber warum mache ich das bloß? Vermutlich fühle ich mich dann irgendwie sicherer, schließlich weiß ich ja je nach Schublade, wie ich mich verhalten soll, was ich bei Gesprächen erwidern kann. Das ist so schön einfach, denn jeder Mensch verhält sich seiner Schublade entsprechend. So mag ich das. Die Guten sind gut, die Bösen böse, die Rechten rechts und die Linken links. Dabei vergesse ich, dass auch ich bei meinem Gegenüber vermutlich in einer Schublade gelandet bin. Und so verhalten wir uns am Ende beide wie Marionetten, an unsichtbaren Fäden von den Erwartungen anderer geführt. Alle unsere Annahmen werden bestätigt, kein Grund also, die eigene Schublade zu verlassen und bei den anderen vorbeizuschauen. Doch! Das Schöne an uns Menschen ist …

Das Leben. Eine Gratwanderung.

Ich bin in meinem Leben erst einmal auf einem Grat gewandert, lange ist es her. Im Sommer 1996 entdeckten wir per Pedes, Auto und mit unserem Zelt Alaska. Bei unserem Besuch im Denali National Park schlossen wir uns einer durch einen Ranger geführten Wanderung an, die uns schließlich auch auf einen Grat – ähnlich dem im Foto – führte. Die Aussicht war atemberaubend, die unberührte Natur überwältigend und dennoch befanden wir uns alle nur einen Fehltritt von einer Katastrophe entfernt. Gratwanderung eben. Ein schmaler Grat, dieses Leben Das Leben kann auch eine Gratwanderung sein. Jedenfalls ist es dieser Begriff, der mir derzeit ständig durch den Kopf geistert. Seit nunmehr sieben Jahren ist es mir zur lieben Gewohnheit geworden, nach Yoga und Meditation für eine Kaffelänge ins Bett zurück zu kriechen. Ich höre Radio, blättere in der aktuellen Tageszeitung und widme mich den Sozialen Netzwerken, die die Nachrichten der vergangen Nacht auf ihre Art und Weise aufbereiten. Gut informiert, meist gut gelaunt und immer wach beginnt dann gegen sieben der Familienalltag. Doch über mein stets sonniges …

Der Blick durchs Schlüsselloch

Heute möchte ich euch eine etwas schräge Geschichte erzählen, die sich vor langer Zeit ereignet hat. Vermutlich klingt sie ein wenig verrückt und dennoch ist sie mir damals in den 1980er Jahren so passiert. Dass ich heute darüber schreibe, liegt daran, dass sie sich vor ein paar Tagen in ähnlicher Weise wiederholt hat. Der Blick durchs Schlüsselloch Kennt ihr dieses Gefühl, für einen Augenblick – sagen wir mal maximal fünf Sekunden – zu glauben, die Welt zu verstehen? Komische Frage, ich weiß. Ich hatte dieses Gefühl das erste Mal in der Schule, im Mathe-Leistungskurs. … ich sagte ja, dass die Geschichte ein wenig verrückt klingt. Ich habe Mathe tatsächlich immer gerne gemacht und an besagtem Tag in der Oberstufe fügte sich in meinem Kopf plötzlich alles zum großen Ganzen zusammen. Tatsächlich hatte ich für einen Moment das Gefühl, die komplexen Strukturen der Mathematik komplett zu verstehen. Es war als hätte man mir einen kurzen Blick durchs Schlüsselloch gewährt, um mir zu zeigen, was war, was ist und was sein kann. Dieses Gefühl damals war ungeheuer …

Ich bin ein offenes Buch

Jemand hat einmal zu mir gesagt, dass man mich anhand meiner gelesenen Bücher – von denen ich auch oft Fotos in den Sozialen Netzwerken teile – wie ein offenes Buch lesen könne. Sollte das Sprichtwort „Zeige mir, was du liest, und ich sage dir, wer du bist.“ also tatsächlich auf mich zutreffen? Mein treuer Freund, das geschriebene Wort Ich habe aus meinem Herzen noch nie eine Mördergrube gemacht. Ich äußere mich offen und ehrlich zu vielen Themen, die mich augenblicklich bewegen und die ich für wichtig halte. In all diesen Momenten steht mir stets das geschriebene Wort in Form von Büchern, Artikeln in Zeitungen und Zeitschriften, Blogbeiträgen gedruckt oder digital zur Seite. Egal ob es um die Bewirtschaftung eines Biogartens geht, das Erziehen des pubertierenden Nachwuchses oder die großen (gesellschafts-)politischen Fragen unserer Zeit, zunächst begebe ich mich im Netz auf die Suche nach Beiträgen zur Sache, hole mir dort oft Buchempfehlungen ab und lese. Dabei sehe ich meine Meinung ein ums andere Mal bestätigt oder um Aspekte ergänzt. Hin und wieder werde ich auch eines …

Das Klima wird rauer

Ich fuhr letztens mit dem Auto durch meine Heimatstadt und obwohl ich mich eigentlich gut auskenne, nahm ich die falsche Abbiegung. Ein paar Parkbuchten erleichterten mir das Wenden und ich bog erneut in die Straße ein. Dem Autofahrer, der sich näherte, war ich allerdings nicht schnell genug. Es wäre ein Leichtes für ihn gewesen, sein Tempo kurz zu drosseln und wir wären mehr als geschmeidig aneinander vorbei gekommen. Dies tat er aber nicht, obwohl er mich bereits mehr als fünfzig Meter vorher sah. Es war ihm scheinbar ein inneres Bedürfnis mir neben seiner Hupe auch noch eine drohende Faust und ein paar verbale Entgleisungen entgegen zu schmettern. Beim Vorbeifahren schaute ich in eine Fratze voller Zorn und fragte mich, ob der Fahrer mich auch körperlich angegangen hätte, wenn ich vielleicht ebenfalls mit einer Verbalattacke anstatt eines schuldbewussten Lächelns geantwortet hätte. Das Klima wird rauer Jetzt könnte man von einem Einzelfall sprechen, vielleicht hatte der Mann einfach einen schlechten Tag, aber so einfach ist die Lage nicht (und meines Erachtes auch keine Entschuldigung). Das zwischenmenschliche Klima …