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Hẹn gặp lại, Kiên!

Lieber Kiên,

zehn Monate sind eine lange Zeit. Doch sie erscheint wie verflogen, wenn man zurückblickt. Im September 2017 bist du in unser kleines Zimmer unterm Dach eingezogen. Wir hatten großes Glück, dass du bereits so gut Deutsch sprachst, so konntest du direkt von Anfang an mit Volldampf am Familien- und Schulleben teilnehmen.

In den vergangenen zehn Monaten hast du nicht nur viele Freunde gefunden, ein großartiges 11. Schuljahr hingelegt, sondern unser Familienleben bereichert. Wir haben dir Ironie beigebracht, dich zum Diskutieren und Fragenstellen ermuntert und deine asiatische Höflichkeit ein wenig europäisiert.

Du kennst nun deutsche Mülltrennung, weißt, dass man auch ohne täglichen Fleischkonsum „überleben“ kann und hast erfahren, dass deutsche Klassen „nur“ 30 Schüler haben, die sich sogar aktiv beteiligen (und nicht schlafen – kleiner Insider).

Aber einen Gast aus einem fremden Land aufzunehmen, heißt auch, viel über eine andere Kultur zu lernen und manches auch über sich selbst zu erfahren – und damit meine ich nicht nur die Entdeckung meiner Leidenschaft für deine vietnamesischen Frühlingsrollen.

Kiên, wir hoffen, dass du dich ein Leben lang mit viel Freude an dein Gastjahr bei uns erinnern wirst und auch an manchen Ratschlag, den wir dir mit auf deinen (Lebens-) Weg gaben. Hab hin und wieder Mut zur Lücke (Perfektion ist nicht alles!) und vergiss nicht, das Leben zu genießen 🙂

Danke, dass du für zehn Monate Teil unserer Familie warst.
Hẹn gặp lại. Wir sehen uns wieder!

Steffi (Mama) und der Rest der Familie


Die zwei (bisherigen) Langzeitbewohner unseres Gästezimmers 🙂

Einen Menschen für längere Zeit in seinen vier Wänden aufzunehmen, bedeutet Veränderung, manchmal Einschränkung, aber vor allem verbindet es Menschen über Kultur-, Sprach- und Religionsgrenzen hinweg.

Infos zu AFS.

 

 

Die Macht der Worte

Als ich über diesen Beitrag grübelte, stieß ich auf unzählige Zitate und Sinnsprüche zum Thema Sprache und Kommunikation. Einige von ihnen möchte ich in diesen Artikel einfließen lassen, weil sie mit nur wenigen Worten genau das auf den Punkt bringen, was mich derzeit beschäftigt.

Worte sind wie Pistolenkugeln

Worte sind wie Pistolenkugeln. Einmal abgeschossen kann man sie nicht mehr zurückholen. Diesen Sinnspruch hörte ich vor gut 20 Jahren das erste Mal. Ja, Worte haben große Macht. Sie können wie Öl runtergehen oder auch verletzend sein. Wenn sie unseren Mund verlassen, sind sie nicht mehr aufzuhalten. Und nicht immer ist klar, was sie mit meinem Gegenüber machen, was wirklich beim Empfänger ankommt, zumal bei schriftlicher Kommunikation die Übermittlung von nonverbalen Signalen gänzlich ausbleibt. Es sind gerade diese fehlenden Blicke, Gesten, Laute oder auch die Körperhaltung, die uns beim geschriebenen Wort fehlt und zu Missverständnissen führt.

Zwei Sprachen, zwei Seelen

Eine andere Sprache zu sprechen, bedeutet, eine zweite Seele zu besitzen. Dieses Zitat von Karl dem Großen beschreibt ziemlich passend den Inhalt des TED-Talks „How language shapes the way we think“. Darin beschreibt Lera Boroditsky, Professorin für Sprache und Kognition, dass Sprache eben nicht nur Mittel zum Zweck ist, um unsere Gedanken und Gefühle an andere Personen weiterzugeben, sondern dass die Sprache, die wir sprechen, ganz maßgeblich unsere Wahrnehmung beeinflusst. Aber was passiert, wenn es ein bestimmtes Wort in unserer Sprache gar nicht gibt? Bedeuten die Grenzen meiner Sprache tatsächlich die Grenzen meiner Welt, so wie es Ludwig Wittgenstein sagte?

 

Die Sprache ist die Kleidung der Gedanken

Dieses Zitat stammt von Samuel Johnson. Er war Gelehrter, Schriftsteller und Dichter im England des 18. Jahrhunderts. Was er wohl zum heutigen Framing gesagt hätte? Da nutzen – mit Vorliebe Politiker*innen – Wortschöpfungen, um gezielt zu verharmlosen, zu verschleiern oder zu überspitzen. Da tauchen plötzlich so furchtbare Worte wie Asyltourismus auf, die die Realität komplett verzerren. Eine Flucht mit einem Urlaub zu vergleichen, tiefer kann man sprachlich nicht mehr sinken.

Doch was in die eine Richtung funktioniert, gelingt eben auch in die andere. Warum die Macht der Worte nicht für das positive Framing nutzen? Das Glas ist nicht halbleer, es ist halbvoll!! Setzen wir den Fokus auf Dinge, die (uns) gelingen und nicht auf das, was gerade nicht so gut läuft. Mit guten Gedanken und einer positiven Sprache können wir viel bewegen!


Zum Weiterlesen, -hören und -schauen:

Buchtipps:

Ich freue mich über weiter Linktipps.
Foto: Pixabay