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Braucht es Verrisse? – (M)eine Antwort

Lieber Thomas,

ich danke dir für deinen Blogbeitrag. Im übrigen ein sehr guter Text, denn er hat mich nach dem Lesen im Morgengrauen einen ganzen Tag lang gedanklich beschäftigt. Das spricht für ihn. Ich mag es, wenn das geschriebene Wort etwas in mir auslöst. Da ist es egal, ob es sich um einen Zeitungsartikel, einen Blogbeitrag oder einen fiktiven Roman handelt.

Allen, die Thomas‘ Artikel noch nicht gelesen haben, bitte ich, dies vorab zu tun, denn es reicht nicht aus, bei der Überschrift „Wozu braucht es Verrisse?“ stehen zu bleiben und zu antworten.

Ich glaube, zwei Dinge deines Beitrags haben mich am meisten beschäftigt. Zum einen das Wort „Verriss“ und zum anderen mein Gefühl, dass es in deinem Text gar nicht nur um Literatur-Kritik geht:

„Ist es nicht ein offenkundiges Manko, dass immer mehr gebildete Menschen lavieren, wenn man ihnen eine klare Haltung abfordert, ob etwas gut oder schlecht ist – zumindest, wenn es Kunst und Kultur betrifft?“

Kommen wir zu dem Wort „Verriss“, das ich persönlich ganz furchtbar finde. Bei Wikipedia heißt es dazu „destruktive Kritik bzw. Rezension, die nicht selten mit den Mitteln der Ironie oder Polemik formuliert wird“ und auch im Deutschen Journalistenkolleg klingt es mit „Der Verriss ist eine vernichtende Rezension, die ein künstlerisches Werk oder eine künstlerische Darbietung in jeder Hinsicht als gescheitert beurteilt.“ nicht besser. Ich bekomme die Adjektive destruktiv und vernichtend einfach nicht mit dem Wort Kritik in Einklang. Wenn ich das Werk eines Schriftstellers verreiße, bin ich also daran interessiert, selbiges (und möglicherweise seinen Urheber gleich mit) zu zerstören und zu vernichten? Ich will das nicht. Und dafür habe ich Gründe.

Lass uns vorab mal kurz die „Spielregeln“ festlegen. Wir sprechen hier von Literatur, die durch Lektorenhände gegangen und in einem Publikumsverlag erschienen ist. Dass ich manchem Möchtegernautor, der mir sein Werk zur „Rezession“ anbietet, ein kräftiges „Lass es bleiben!“ zurufen möchte, darüber brauchen wir wohl nicht zu diskutieren.

Da ich mich in der Belletristik so gut wie gar nicht auskenne, berichte ich dir gerne aus meinen Erfahrungen in der Kinder- und Jugendliteratur. Als ich meine Webseite Buecherkinder.de vor knapp 15 Jahren ins Leben rief, wollte ich eigentlich nur von mir und meinen Söhnen erprobte und für gut befundene Bilderbücher weiterempfehlen. Als mich von den Verlagen die ersten Kinderbücher erreichten, ließ ich erstmals Kinder mitlesen und bewerten und siehe da, unsere Meinungen stimmten gelegentlich gar nicht überein. Die Kinder – in ihren damaligen Familien-, Lebens- und Schulsituationen – lasen dasselbe Buch einfach anders und empfanden das Gelesene eben auch anders als ich. Dies war der Startschuss für die mittlerweile 40-köpfige Kinder- und Jugendredaktion. Aber darum soll es nicht gehen.

Was ich damit sagen möchte ist, dass neben den ganz persönlichen Lesevorlieben – und das gilt für jedes Lesealter – die Lebensumstände, die Bildung und die Persönlichkeit bei der Einschätzung eines Buches eine große Rolle spielen. Und jetzt kommen wir endlich zum ersten Grund: Wer bin ich, dass ich mir anmaße, ein Werk anhand meiner selbst aufgestellten Kriterien zu verreißen? Kann es eben nicht – wie oben beschrieben – sein, dass ich in den Augen anderer durchaus und möglicherweise sogar berechtigt daneben liege? Darf ich mir und anderen Lesern des Buches dann beim Schreiben meiner Kritik nicht genau dieses Hintertürchen offen lassen?

Ein weiterer Grund weshalb ich kein „vernichtendes Machtwort spreche“, liegt darin begründet, dass es sich in meinen Augen immer – und das nicht nur bezogen auf Literatur-Kritik – lohnt, „einen weiteren Diskurs zu führen“. Bei einem Verriss verweigere ich mir selbst die Möglichkeit, meine Ansicht aufgrund neuer Erkenntnisse zu überdenken. Ein vernichtendes Machtwort überdenkt man nicht, dazu steht man. Ich denke, dass mir ein ganzen Leben nicht reichen wird, mich für so klug zu halten bzw. es zu sein, um zu solchen unumstößlichen Einschätzungen in Kunst, Kultur, aber eben auch in Politik und Gesellschaft zu kommen.

Ich habe zu vielen Dingen im Leben eine klare Haltung, aber manchmal schadet ein wenig Lavieren nicht und sorgt mitunter auch für einen menschlicheren Umgang.

Ich freue mich, lieber Thomas, dass du mich zu diesem Blogbeitrag angeregt hast. Ich bleibe neugierig, werde weiterhin lesen und dazulernen, von dir und von denen mit anderer Meinung.

Liebe Grüße und auf bald
Steffi

 

Fastenzeit oder 7 Wochen anders leben

Obwohl Christin habe ich der Fastenzeit bislang wenig Aufmerksamkeit geschenkt, und mein Verzicht bestand lediglich darin, freitags die Wurst vom Brot zu lassen. Keine Herausforderung also, der ich mich bislang stellen musste und somit eigentlich auch keine richtige Vorbereitung auf das Osterfest.

7 Wochen anders leben

Dieses Jahr soll das anders werden und so suchte ich schon weit vorher nach Inspirationsquellen im Internet. Beim gemeinnützigen Verein „Andere Zeiten“ wurde ich fündig. Die Hamburger bieten verschieden Aktionen und Publikationen im Kirchenjahr an, um christliche Feste wieder zu entdecken und sinnvoll zu gestalten. Dabei ist ihr Internetauftritt sehr einladend, der Fasten-Wegweiser herrlich unverkrampft, und er lädt neben gläubigen Christen auch experimentierfreudige Zweifler ein, auf der 40-tägigen Reise nachzudenken und vielleicht Neues zu entdecken.

Mit den Postkarten „Eigentlich bin ich ganz anders“ kam mir eine erste Idee für das sogenannte Plus-Fasten. Beim Plus-Fasten handelt es sich – wie man bereits am Namen erkennt – nicht um einen Verzicht, sondern um eine Veränderung, die ein zusätzliches Tun erfordert. Man kann sich beispielsweise vornehmen, bestimmte Strecken bis Ostern ausschließlich zu Fuß zu erledigen oder den Menschen seiner Umgebung täglich mit freundlichen Worten zu begegnen.

Postkartenaktion #40Tage40Postkarten

Ich habe mich entschieden, an den 40 Fastentagen 40 Menschen mit einer Postkarte eine Freude zu machen. Dafür startete ich bei Twitter und Facebook einen Aufruf, wer denn gerne eine solche Postkarte hätte. Nun schreibe ich ab heute vierzig mir zum Teil ganz Unbekannten ein paar schöne Zeilen. Darauf freue ich mich.

Tatsächlich möchte ich aber auch „richtig“ fasten, allerdings stellt der Verzicht auf Süßigkeiten, Alkohol und Fleisch – so meine Meinung heute – keine wirkliche Herausforderung dar, da mein Konsum bei allen drei Dingen sehr gering ausfällt. Deshalb fiel schließlich die Entscheidung, in der Fastenzeit komplett auf Zucker UND auf Alkohol UND Fleisch zu verzichten. Vielleicht wird es hart, vielleicht aber auch nicht. Auf jeden Fall schaue ich der Erfahrung freudig entgegen und entdecke womöglich in diesen sieben Wochen, dass anders leben auch ein dauerhafter Aufbruch sein kann.

#Bloggerliebe – eine Blogparade

Ich finde, dass morgen ein guter Tag ist, um eine Blogparade zum Thema #Bloggerliebe zu starten. Zum einen ist es der erste März, meteorologisch gesehen also Frühlingsanfang, eine Zeit, die wir eh gerne mit der Liebe verbinden, und zum anderen beginnt die 40-tätige vorösterliche Fastenzeit, die von vielen genutzt wird, um die kommenden sieben Wochen  anders zu leben als bisher.

Neben dem klassischen Fasten, also dem Verzicht beispielsweise auf bestimmte Lebensmittel, gibt es auch das sogenannte Plus-Fasten. Beim Plus-Fasten kann man sich zum Beispiel vornehmen, bestimmte Strecken bis Ostern ausschließlich per Pedes zu erledigen oder den Menschen seiner Umgebung täglich mit freundlichen Worten zu begegnen.

Letzteres brachte mich auf die Idee, die Blogparade #Bloggerliebe zu starten, nachdem ich gerade im letzten Monat so viele neue und spannende (Buch-)Blogger bei Twitter kennenlernen dürfte. Es ist einfach unfassbar toll, wie professionell, liebevoll und mit richtig gutem Inhalt gefüllt die meisten Blogs geführt werden, obwohl ihre Betreiber dies im deutschsprachigen Raum vermutlich fast alle hobbymäßig und nicht beruflich tun.

Und auch wenn es sicherlich hin und wieder zu unterschiedlichen Meinungen kommt, sollten wir unsere eigene Tätigkeit und die der anderen Blogger immer zu schätzen wissen und uns gegenseitig unterstützen. Die Blogparade darf also gerne dafür genutzt werden, ein wenig #Bloggerliebe im Netz zu verteilen.

Und so könnt ihr mitmachen

  • #Bloggerliebe = Wie ich die Liebe zum Bloggen entdeckte?  oder Mein schönstes Blog(ger)-Erlebnis oder Was du deinem liebsten Blogger schon immer mal sagen wolltest oder Kurz vorgestellt: Mein(e) Lieblingsblog(s) (max. 3)
  • Schreibe zu einem der obigen Beispiele einen kleinen Beitrag auf deinem Blog bzw. drehe einen Videobeitrag wenn du Vlogger*in bist. Verlinke darin bitte diesen Artikel.
  • Verlinke deinen Blogbeitrag bitte hier im Kommentar, damit ich zum Abschluss der Blogparade eine Übersicht erstellen kann, in der alle Artikel verlinkt werden.
  • Wer keinen Blog hat, der kann natürlich gerne auch per Kommentar teilnehmen.
  • Bitte nutze den Hashtag #Bloggerliebe im Artikel und den Sozialen Netzwerken.
  • Der Schriftzug wurde von Sandra Zabel kreiert und steht euch zur freien Nutzung bei der Blogparade zur Verfügung.
  • Die Blogparade läuft bis zum 15. April 2017

#bloggerliebe

Meine #Bloggerliebe

Was ich dir, liebes Bröselchen, schon immer mal sagen wollte …

Liebe Dani,

du gehörst zu meinen liebsten Bloggerinnen und ich bin wirklich froh, dich zu kennen. Natürlich hast du mit deiner fränkischen Herkunft und deinem rollenden Rrrr bei mir eh einen Stein im Brett, darf ich das schöne Westmittelfranken insgeheim ja meine zweite Heimat nennen. Doch am meisten mag ich deine fröhliche, quirlige Art und deine nimmermüde Energie, in Sachen Bücher immer wieder neue Ideen aus dem Hut zu zaubern. Ich sag nur Tauschbörse oder Frühjahrswichteln.

Du probierst gerne neue Dinge aus, deine Fortschritte im Handlettering verfolge ich nur staunend. Und auch was das Lesen anbelangt, bist du auf kein Genre festzulegen, offen für alles, sonst weiß man schließlich nie, was man möglicherweise verpasst.

Deine Blogbeiträge lassen sich flockig leicht lesen ohne oberflächlich zu sein und am Ende weiß ich immer genau, ob ich das Buch nun auch gerne hätte oder eben nicht. Deine Blog-Fotos sind super professionell und über deine wunderschönen Instagram-Fotos brauchen wir gar nicht zu reden.

Ich mag deinen Blogauftritt, die Gestaltung ist wirklich großartig. Wann machst du das eigentlich alles? Mir wird es ein Rätsel bleiben, wie du das alles neben deinem Broterwerb schaffst, denn man muss sich vor Augen halten, dass du – und nahezu alle Blogger*innen – deinen Blog in der Freizeit betreibst.

Meine liebe Dani, bleib der wunderbare Mensch, der du bist, denn das kann man zwischen den Zeilen im Blog und den Sozialen Netzwerken immer fühlen.

Ich wünsche dir viele nette Blog-Besucher und immer ein feines Buch in den Händen.

Steffi

P.S. Und wenn ich wirklich mal was zu mäkeln habe, dann melde ich mich bei dir. Versprochen. Per Email oder Telefon, damit ich das rollende Rrrr wieder mal hören kann.

Falls ihr den Schriftzug für Instagram benötigt 🙂

 

 

Von Filterblasen und Paralleluniversen

Über Filterblasen haben wir in der letzten Zeit reichlich gelesen und gehört. Obwohl wir uns alle in derselben Wirklichkeit befinden, scheinen wir oft Lichtjahre voneinander entfernt zu sein und in verschiedenen Paralleluniversen zu leben.

Filterblasen im Alltag

Dennoch gibt es Filterblasen nicht erst, seit das Internet versucht, per Algorithmus herauszufinden, was wir sehen möchte und was nicht. Auch jenseits des Internets umgeben wir uns häufig mit Personen aus vergleichbaren gesellschaftlichen Kreisen, die ähnliche Ansichten vertreten. Hier fühlen wir uns wohl, verstanden und erhalten Zustimmung für das eigene Denken und Handeln, das demnach so falsch nicht sein kann.

Ich habe meine Filterblase noch nicht wirklich weit verlassen. Vermutlich lasse ich sogar immer einen Fuß in der Tür, um mich schnell wieder in ihr zu verkriechen. Ich glaube, dass man zum Verlassen auch viel Selbstvertrauen und Kraft benötigt. Letzteres fehlt mir derzeit, ist mir Stück für Stück seit dem 20. Januar, dem Tag als alternative Fakten plötzlich salonfähig wurden, abhanden gekommen.

Anfangs versuchte ich noch, mit der Geschwindigkeit der Berichterstattung Schritt zu halten, möglichst viele Artikel verschiedenster Zeitungen zu lesen, um mir selbst einen möglichst objektiven Reim auf die aktuellen Geschehnisse zu machen. Doch innerhalb kürzester Zeit waren mein Mut und meine unerschütterliche Zuversicht auf der Strecke geblieben. Ende Januar zog ich schließlich die Reißleine.

Seitdem befinde ich mich quasi in einem Paralleluniversum. Bei Facebook werden mir aktuelle Zeitungsartikel nicht mehr angezeigt, weil ich sie seit Februar weder like noch anklicke, und der Algorithmus entschieden hat, dass sie für mich nicht mehr relevant sind. Bei Twitter habe ich mich in meinen zweiten Account zurückgezogen. Dort folge ich nun fast ausschließlich Buchbloggern, Kultur-Accounts oder Personen, die ihre politische Meinung nur gelegentlich einstreuen. Mit der neuen Filterblase haben sich auch die Inhalte geändert.

Ich mach mir die Welt, wie sie mir gefällt?

Man könnte mir durchaus den Vorwurf machen, dass ich wegschauen, die Augen vor der Wirklichkeit verschließen würde. Dem ist aber nicht so. Ich habe in meiner Zeit der medialen Rekonvaleszenz lediglich meine Frequenz geändert und die Schlagzahl neuer Nachrichten verringert. Und tatsächlich fühle ich mich nach knapp drei Wochen wieder frischer und kraftvoller. Die Lust zu lesen, zu kommentieren und sich bisweilen zu empören kehrt langsam zurück. Dennoch werde ich zukünftig mit meinen gerade wiederkehrenden Kräften sorgsamer umgehen, mich von kraftraubenden, bedrückenden Ereignissen, deren Ausgang nicht in meinen Händen liegt, fern halten, lieber an den kleinen Schräubchen in meiner unmittelbaren Umgebung drehen und mich an dieses Gebet, das an der Bürotür meines Vaters hing, halten: Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.

Foto: CC0 Alexas_Fotos/Pixabay

Zum Teufel mit diesem Schubladendenken!

Ich erwische mich immer wieder. Beim Schubladendenken! Obwohl ich es doch besser wissen müsste, gehen auch meine imaginären Schubladen auf, wenn ich auf neue Menschen treffe. Anstatt demjenigen urteilsfrei und möglichst objektiv zu begegnen, sie oder ihn erst einmal kennenzulernen, habe ich die Person bereits nach kürzester Zeit in einem meiner Fächer versenkt. Überraschung ausgeschlossen.

Aber warum mache ich das bloß? Vermutlich fühle ich mich dann irgendwie sicherer, schließlich weiß ich ja je nach Schublade, wie ich mich verhalten soll, was ich bei Gesprächen erwidern kann. Das ist so schön einfach, denn jeder Mensch verhält sich seiner Schublade entsprechend. So mag ich das. Die Guten sind gut, die Bösen böse, die Rechten rechts und die Linken links. Dabei vergesse ich, dass auch ich bei meinem Gegenüber vermutlich in einer Schublade gelandet bin. Und so verhalten wir uns am Ende beide wie Marionetten, an unsichtbaren Fäden von den Erwartungen anderer geführt. Alle unsere Annahmen werden bestätigt, kein Grund also, die eigene Schublade zu verlassen und bei den anderen vorbeizuschauen.

Doch! Das Schöne an uns Menschen ist eben genau diese Vielfalt. Niemand gehört nur in eine Schublade, wir alle haben Berührungspunkte, Gemeinsamkeiten. Und diese sollten wir unbedingt herausfinden, damit aus den vielen Schubladen ein großes WIR wird.

Dieses Video eines dänischen TV-Senders zeigt das Phänomen Schubladendenken sehr anschaulich.

Foto: CC0 Pexels/Pixabay