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Steffis Gärtchen

Das Gartenprojekt „Steffis Gärtchen“

„Dein Gartenprojekt als Blog würde mir gefallen.“ – Dieser schlichte Satz von Tobias hat was ins Rollen gebracht. Denn tatsächlich nimmt mein Gärtchen einen Großteil meiner Freizeit in Anspruch. Im Sommer muss da das Lesen bisweilen ganz schön zurückstecken. Und da ich nun hin und wieder über empfehlenswerte Bücher blogge, könnte ich genauso gut auch mal über den Werdegang meines Gartens berichten, oder?

Steffis Gärtchen

Also im Grunde ist Steffis Gärtchen natürlich ein Familiengarten, aber da ich die meiste Zeit darin verbringe, darf das gute Stück ruhig Steffis Gärtchen heißen. Auch bei Instagram verwende ich den Hashtag #steffisgärtchen, um meine Fotos besser wiederzufinden.

Das Grundstück bzw. die Gründstücke

Für heutige Doppelhaus-Verhältnisse ist unser Grundstück mit rund 400 qm schon richtig groß. Allerdings entschlossen wir uns, 2012 hinter dem Haus einen Schwimmteich zu bauen, der so gut wie das komplette, dem Haus zugehörige Grundstück einnimmt.

Schwimmteich

Blick von oben auf den Schwimmteich im Juni 2017

Glücklicherweise verläuft die nächste Parallelstraße zu unserer Straße eben nicht parallel, so dass bei rechteckigen Grundstücken irgendwann so etwas wie ein „Überbleibsel-Grundstück“ entsteht. Dieses Flurstück grenzt im hinteren Bereich an unser rechteckiges Grundstück und wir konnten die rund 400 qm hinzukaufen. Und genau dort befindet sich mein kleiner Bauerngarten, der im Zuge des Schwimmteichbaus entstand.

Vom Aushub zum Bauerngarten

Wie aus dem Erdaushub …


… der sich zunächst auf dem hinteren Grundstück auftürmte …

… schließlich irgendwann doch noch ein schöner Garten wurde …

… davon erzähle ich euch dann im nächsten Beitrag.

 

Amtsschimmel

Mein Ritt auf dem Solinger Amtsschimmel

Gleich vorweg. Ich komme ganz gut klar mit Ämtern und Behörden und sie eigentlich auch mit mir. Das kann man auch in diesem Beitrag nachlesen: Einfach mal DANKE sagen.

Aber manchmal eben auch nicht, und wenn ich dann auch noch herausfinde, dass ich es hätte viel einfacher haben können, wenn nur einer den Mund aufgemacht hätte, dann macht mich das richtig wütend und dann verschaffe ich mir Luft. Genau hier!

Antrag auf Zeugnisbewertung

Um mit einem ausländischen Hochschulabschluss in Deutschland beruflich Fuß zu fassen, ist es von Vorteil, diesen bei der Zentralstelle für ausländisches Bildungswesen bewerten zu lassen. Die Webseite Anerkennung in Deutschland ist da wirklich hilfreich. Recht zügig ist klar, welche Unterlagen für die Bearbeitung aus welchem Land benötigt werden. Das meiste – beispielsweise Ausweisdokumente oder den Asylbescheid – kann man sogar einfach als Kopie beilegen.

Bei den Abschlussurkunden der zu bewertenden Hochschulqualifikation sieht das schon anders aus. Glücklicherweise konnten die Originale samt der Übersetzung durch einen vereidigten Übersetzer in Damaskus bei der Flucht aus Syrien mitgeführt werden und so sollte eine amtlich beglaubigte Fotokopie kein Problem darstellen. Eigentlich …

Gang zum Bürgerbüro

Wo bekommt man beglaubigte Kopien her? Mir fiel als erstes das Bürgerbüro in meinem Stadtteil ein, wo mein Schützling und ich uns auch gestern trafen. Wir zogen die Wartemarke Nr. 906 als gerade Nr. 881 aufgerufen wurde. Da mussten wir also durch. Als wir schließlich dran waren, lehnte man eine Bearbeitung ab mit der Begründung, dass man ausländische Schriftstücke nicht beglaubigen dürfe. Mein Einwand, dass diese ja untrennbar mit einer  deutschen Übersetzung verbunden seien, galt da nicht. Freundlich (und das meine ich ernst, die Dame war wirklich freundlich und es tat ihr leid, uns nicht helfen zu können) wies man mich darauf hin, in Zweifelsfragen den Chef der Abteilung Pass- und Meldewesen zu kontaktieren.

E-Mail-Verkehr

Meine Versuche, den Chef der Abteilung am nächsten Morgen telefonisch zu erreichen, scheiterten kläglich an einer ständig besetzten Leitung. So versuchte ich mein Glück per E-Mail und erklärte ihm die Lage. Relativ zügig erhielt ich folgende Antwort:

Sehr geehrte Frau Leo,

leider muss ich Ihnen mitteilen, dass ausländische Urkunden nicht von einer deutschen Behörde beglaubigt werden dürfen.

Bei ausländischen Urkunden, die grundsätzlich nicht beglaubigungsfähig sind, besteht jedoch die Möglichkeit, lediglich eine Kopie der deutschen Übersetzung der ausländischen Urkunde, welche von einem bei deutschen Gerichten zugelassenen staatlich anerkanntem Dolmetscher übersetzt worden ist, amtlich zu beglaubigen.

Die Beglaubigung bezieht sich dabei ausschließlich auf die übersetzte Version. Die Kopie der Übersetzung muss mit dem Original vorgelegt werden und es muss die Zusammengehörigkeit zwischen der Übersetzung und der zugrunde liegenden Urkunde erkennbar sein.

Die Beglaubigung muss zur Vorlage bei einer Behörde bestimmt sein.

Mit freundlichen Grüßen

Du liebe Güte, ausländische Urkunden sind grundsätzlich nicht beglaubigungsfähig, aber die ZAB benötigt doch die Urkunde in Originalsprache! Und die ganze Übersetzung aus Damaskus nützt überhaupt nichts, weil der von einem bei deutschen Gerichten zugelassene staatlich anerkannte Dolmetscher auch seine Daseinsberechtigung haben möchte?! Und wer um alles in der Welt soll diese Übersetzung von einem SGBII-Gehalt bezahlen??!!

Sollte die Mission Zeugnisbewertung hier zu Ende gehen? – Wie gut, dass mir ein guter Freund das Wort „Notar“ zuraunte.

Anruf beim Notar

Der Anruf beim Notar bereitete meinem Amtsschimmel-Ritt ein versöhnliches Ende. Denn tatsächlich kann der Notar ganz problemlos unsere vorhandenen Dokumente (egal ob deutsch oder arabisch) fotokopieren und beglaubigen und das auch zu einem akzeptablen Preis.

Doch warum in aller Welt muss ich das auf so holprigem und zeitaufwändigem Weg detektivisch herausfinden? Warum weiß das die Dame im Bürgerbüro nicht? Und warum schreibt ihr Chef unter seiner Erklärung nicht den einen für mich erlösenden Satz: „Wir können Ihnen bei Ihrem Anliegen nicht behilflich sein, wenden Sie sich für beglaubigte Kopien bitte an einen Notar.“

Ich frage mich, wann mein Schützling ohne meine Hilfe aufgegeben hätte? Wann wäre er an der deutschen Bürokratie gescheitert? Und wieviele sind es schon?!

Foto: Ausschnitt CC0 Pixabay

 

Buchtunnel Prag

Ich lese. Nicht.

Als Buchmensch einen Beitrag mit „Ich lese. Nicht.“ zu betiteln, das ist sicher gewagt. Aber ich bin schon immer für ehrliche Worte gewesen und außerdem steht da ja auch noch ein Punkt, streng genommen sogar zwei, aber der hinter der Aussage „Ich lese.“ ist schon nicht ganz unwichtig. Aber von vorne …

Ich lese gerne

Ich lese gerne. Daran gibt es überhaupt keinen Zweifel. Doch auch wenn sich mein berufliches Leben um die Bücher dreht, hat es tatsächlich nur im Nebensatz mit dem Lesen zu tun. Denn der Hauptsatz besteht aus ganz banalen Dingen wie Vorschauen sichten, Bücher bestellen, Titel – viele Titel – in die Datenbank einpflegen, Bücher an die Redaktion (derzeit 40 Redakteure) verschicken, Rezensionen überprüfen und freischalten, Belege selbiger an die Verlage schicken und so weiter und so fort. Jetzt mag der eine oder andere auch besser verstehen, warum ich mich ungern als Kinderbuchexpertin bezeichnen lasse, denn während ich noch mit den schnöden Dingen im Hintergrund beschäftigt bin, sind die Kinder und Jugendlichen diejenigen, die fleißig lesen. Sie sind die wahren Expertinnen und Experten!

Ich lese wenig

Menschen, in deren Lebensläufen Sätze stehen wie „liest bis zu 100 Bücher im Jahr“ machen mir Angst. Was sind das für Menschen, deren Tag 24 Stunden hat, die einem meist buchfernen Job nachgehen, essen, schlafen, ganz normale Dinge tun, und es dann schaffen, zwei Bücher pro Woche zu lesen und über selbige womöglich auch noch ausführlich zu bloggen? Versteht mich nicht falsch, ich möchte diesen Leserinnen und Lesern keinesfalls unterstellen, nicht sorgfältig zu lesen. Ich selbst gehöre zu den äußerst schnellen Schnelllesern. Dennoch benötige ich Zeit. Bisweilen ist es das Buch selbst, das mir besondere Aufmerksamkeit abverlangt, da muss ich Absätze beispielsweise mehrfach lesen. Manchmal ist es aber auch die Zeit nach einem Buch, die ich brauche, um Inhalte sacken zu lassen. Da kann es eine Weile dauern bis ich zum nächsten Buch greife. Und ehrlich gesagt habe ich auch ein wenig Angst vom inflationären Lesen. Was ist, wenn mich bei jedem Buch irgendwann das Gefühl beschleicht, diese Geschichte bereits zu kennen? Irgendwie versuche ich mir, meine kindliche Neugierde und Begeisterungsfähigkeit zu erhalten, was als bald 47-Jährige im Bereich Kinder- und Jugendbuch eh schon Herausforderung genug ist.

Ich lese nicht

Und dann gibt es Zeiten, in denen lese ich nicht – jedenfalls keine Bücher. Witzigerweise sind das oft die Zeiten, in denen ich die meisten Bücher kaufe. Vielleicht weil ich dann endlich mal Zeit habe, die Buchempfehlungen der anderen zu lesen. Tatsächlich fällt mir in diesem Zusammenhang immer ein Satz aus der Bibel ein: „Ein jegliches hat seine Zeit, und alles Vorhaben unter dem Himmel hat seine Stunde.“ Das gilt für viele Dinge im Leben – auch für das Lesen. Schon lange spreche ich in diesem Zusammenhang nicht mehr von „Leseflaute“, einem Zustand, für den sich Vielleser gerne entschuldigen und bei Gleichgesinnten auf Hilfe hoffen. Ganz so als seien sie krank. Ich nutze die buchfreie Zeit für andere Dinge, die ich ebenso leidenschaftlich betreibe, die genauso zu mir gehören wie zu anderen Zeiten das Buch unterm Arm. All diese Dinge machen mich aus, machen mich zu dem Menschen und eben der Leserin, die ich bin.

Ich lese. Nicht.

Ich lese. Und manchmal lese ich nicht. Das ist ganz normal. Derzeit findet man mich halt eher mit Erdkrumen als mit einem Buch in den Händen. Es hat eben doch alles seine Zeit.

Foto: Büchertunnel Prag – CC0 Pixabay

Sungs Laden oder Eine Utopie, die keine ist

Heute möchte ich euch von „Sungs Laden“ berichten, einem Buch, das im Buchladen scheinbar nur auf mich gewartet hat, weshalb ich meinen Buchtipp bzw. meine Geschichte auch dort beginnen möchte.

Eigentlich wollte ich am gestrigen Samstag nur kurz die vorbestellten Bücher in meiner Buchhandlung abholen. Als ich dann aber an der Verkaufstheke einem Gespräch zum Thema „Sind Bücher nicht eigentlich zu billig?“ lauschte, konnte ich nicht umhin, mich ebenfalls lebhaft in die Unterhaltung einzubringen. Irgendwie kamen wir dann thematisch vom Hölzchen zum Stöckchen und landeten schließlich bei den von mir bestellten Büchern über Hühnerhaltung, die der Kundin ein fast seufzendes „Ach, das hatten wir auch mal vor …“ entlockte. Das wiederum bewog mich, ihr von meiner Devise „Machen, nicht labern!“ zu erzählen, die mein Leben seit 2016 ganz schön auf den Kopf stellt. So berichtete ich unter anderem auch von unsere Entscheidung, einen Gastschüler aus Vietnam für zehn Monate in unsere Familie aufzunehmen. Ein Entschluss, der übrigens innerhalb einer Woche fiel. (Zum Thema des Zauderns – oder eben nicht – empfehle ich euch übrigens gerne diesen Artikel: Die Kunst des guten Lebens – Wir Zauderer)

Und genau jetzt komme ich wieder zurück auf „Sungs Laden“ zu sprechen, das mir die Buchhändlerin nach unserem Gespräch wärmstens ans Herz legte. Und getreu dem Motto „Ein Buchladenbesuch ist nur dann richtig, wenn mindestens ein Buch gekauft wird, von dem man vor dem Betreten noch gar nichts wusste.“ wanderte der Roman ebenfalls in die Tüte.

Was jetzt folgte, kann man mit Worten kaum beschreiben. Der Geschichte, in der eine nur wenige Minuten dauernde Vorstellung einer vietnamesischen Holzpuppe etwas ins Rollen bringt und innerhalb eines Jahres einen ganzen Stadtteil und seine Menschen verändert, konnte ich mich nicht mehr entziehen. Und so schlug ich das Buch erst wieder zu als ich es zu Ende gelesen hatte.

Der Klappentext spricht von einer Utopie, die aber von unserer Gegenwart gar nicht so weit entfernt ist. Ich bin da ganz anderer Meinung, was ist daran utopisch, kleine Dinge ins Rollen zu bringen, die am Ende Großes bewirken? Warum nicht durch kleine freundliche Gesten, durch Hilfsbereitschaft selbst Gutes bewirken und erfahren? Ich bin der festen Überzeugung, dass Veränderungen genau SO starten, mit den kleinen Dingen. Von mir aus darf die Das-Glas-ist-halb-leer-Fraktion diesen Roman für utopisch halten, für mich als unverbesserliche Optimistin ist er eine Anleitung, die mir zeigt, dass wir, egal ob vietnamesicher Ladenbesitzer, Lehrerin oder Standesbeamter, es in der Hand haben, etwas zu verändern, etwas auf die Beine zu stellen, etwas zu bewirken. Also lasst uns anfangen!

Gerne möchte ich meine Begeisterung mit euch teilen (Ingo, könntest du bitte noch drei Exemplare für mich bestellen?) und dieses Buch diese Anleitung an euch verschenken. Dazu wünsche ich mir nur, dass ihr mir in den Kommentaren von Dingen berichtet, die ihr immer schon tun wolltet, es aber irgendwie noch nicht geschafft habt oder ihr berichtet mir von euren „Machen, nicht labern!“-Entscheidungen. Beides interessiert mich brennend. Am Ende muss dann bei mehr als drei Kommentaren das Los per random.org entscheiden. Bis zum 28. Mai um 17 Uhr habt ihr Zeit. Ich freue mich schon jetzt auf eure Kommentare.


P.S. Eine Stunde nach Freischalten des Beitrags muss ich doch noch eine kleine Ergänzung vornehmen. Es ist klar, dass ich das Buch vor allem wegen seiner positiven Sogkraft sehr mag, aber ich möchte doch ergänzen, dass ich gleichzeitig ganz viel über Vietnam und seine Kultur, über die vietnamesischen Vertragsarbeiter zur Zeiten der DDR und darüberhinaus erfahren habe Und last but not least weiß ich jetzt auch, was Affenbrücken sind und wie großartig das Wasserpuppentheater wohl sein muss.

Braucht es Verrisse? – (M)eine Antwort

Lieber Thomas,

ich danke dir für deinen Blogbeitrag. Im übrigen ein sehr guter Text, denn er hat mich nach dem Lesen im Morgengrauen einen ganzen Tag lang gedanklich beschäftigt. Das spricht für ihn. Ich mag es, wenn das geschriebene Wort etwas in mir auslöst. Da ist es egal, ob es sich um einen Zeitungsartikel, einen Blogbeitrag oder einen fiktiven Roman handelt.

Allen, die Thomas‘ Artikel noch nicht gelesen haben, bitte ich, dies vorab zu tun, denn es reicht nicht aus, bei der Überschrift „Wozu braucht es Verrisse?“ stehen zu bleiben und zu antworten.

Ich glaube, zwei Dinge deines Beitrags haben mich am meisten beschäftigt. Zum einen das Wort „Verriss“ und zum anderen mein Gefühl, dass es in deinem Text gar nicht nur um Literatur-Kritik geht:

„Ist es nicht ein offenkundiges Manko, dass immer mehr gebildete Menschen lavieren, wenn man ihnen eine klare Haltung abfordert, ob etwas gut oder schlecht ist – zumindest, wenn es Kunst und Kultur betrifft?“

Kommen wir zu dem Wort „Verriss“, das ich persönlich ganz furchtbar finde. Bei Wikipedia heißt es dazu „destruktive Kritik bzw. Rezension, die nicht selten mit den Mitteln der Ironie oder Polemik formuliert wird“ und auch im Deutschen Journalistenkolleg klingt es mit „Der Verriss ist eine vernichtende Rezension, die ein künstlerisches Werk oder eine künstlerische Darbietung in jeder Hinsicht als gescheitert beurteilt.“ nicht besser. Ich bekomme die Adjektive destruktiv und vernichtend einfach nicht mit dem Wort Kritik in Einklang. Wenn ich das Werk eines Schriftstellers verreiße, bin ich also daran interessiert, selbiges (und möglicherweise seinen Urheber gleich mit) zu zerstören und zu vernichten? Ich will das nicht. Und dafür habe ich Gründe.

Lass uns vorab mal kurz die „Spielregeln“ festlegen. Wir sprechen hier von Literatur, die durch Lektorenhände gegangen und in einem Publikumsverlag erschienen ist. Dass ich manchem Möchtegernautor, der mir sein Werk zur „Rezession“ anbietet, ein kräftiges „Lass es bleiben!“ zurufen möchte, darüber brauchen wir wohl nicht zu diskutieren.

Da ich mich in der Belletristik so gut wie gar nicht auskenne, berichte ich dir gerne aus meinen Erfahrungen in der Kinder- und Jugendliteratur. Als ich meine Webseite Buecherkinder.de vor knapp 15 Jahren ins Leben rief, wollte ich eigentlich nur von mir und meinen Söhnen erprobte und für gut befundene Bilderbücher weiterempfehlen. Als mich von den Verlagen die ersten Kinderbücher erreichten, ließ ich erstmals Kinder mitlesen und bewerten und siehe da, unsere Meinungen stimmten gelegentlich gar nicht überein. Die Kinder – in ihren damaligen Familien-, Lebens- und Schulsituationen – lasen dasselbe Buch einfach anders und empfanden das Gelesene eben auch anders als ich. Dies war der Startschuss für die mittlerweile 40-köpfige Kinder- und Jugendredaktion. Aber darum soll es nicht gehen.

Was ich damit sagen möchte ist, dass neben den ganz persönlichen Lesevorlieben – und das gilt für jedes Lesealter – die Lebensumstände, die Bildung und die Persönlichkeit bei der Einschätzung eines Buches eine große Rolle spielen. Und jetzt kommen wir endlich zum ersten Grund: Wer bin ich, dass ich mir anmaße, ein Werk anhand meiner selbst aufgestellten Kriterien zu verreißen? Kann es eben nicht – wie oben beschrieben – sein, dass ich in den Augen anderer durchaus und möglicherweise sogar berechtigt daneben liege? Darf ich mir und anderen Lesern des Buches dann beim Schreiben meiner Kritik nicht genau dieses Hintertürchen offen lassen?

Ein weiterer Grund weshalb ich kein „vernichtendes Machtwort spreche“, liegt darin begründet, dass es sich in meinen Augen immer – und das nicht nur bezogen auf Literatur-Kritik – lohnt, „einen weiteren Diskurs zu führen“. Bei einem Verriss verweigere ich mir selbst die Möglichkeit, meine Ansicht aufgrund neuer Erkenntnisse zu überdenken. Ein vernichtendes Machtwort überdenkt man nicht, dazu steht man. Ich denke, dass mir ein ganzen Leben nicht reichen wird, mich für so klug zu halten bzw. es zu sein, um zu solchen unumstößlichen Einschätzungen in Kunst, Kultur, aber eben auch in Politik und Gesellschaft zu kommen.

Ich habe zu vielen Dingen im Leben eine klare Haltung, aber manchmal schadet ein wenig Lavieren nicht und sorgt mitunter auch für einen menschlicheren Umgang.

Ich freue mich, lieber Thomas, dass du mich zu diesem Blogbeitrag angeregt hast. Ich bleibe neugierig, werde weiterhin lesen und dazulernen, von dir und von denen mit anderer Meinung.

Liebe Grüße und auf bald
Steffi