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Wahlen

Die Wahl oder Die Sache mit dem Joghurt

Wer die Wahl hat, hat die Qual

Diese altbekannte Redewendung schießt mir regelmäßig durch den Kopf und das nicht nur, wenn politische Wahlen anstehen. Das ganze Leben besteht aus einer Aneinanderreihung von (Wahl)Möglichkeiten. Manche, wie beispielsweise die Frage nach Tee oder Kaffee, sind eher weniger bedeutend, wieder andere bringen einen schier zur Verzweiflung, so wie die ungenaue Angabe „Joghurt“ auf dem Einkaufszettel und das nicht enden wollende Regal mit selbigem im Supermarkt. Manchmal werden uns Entscheidungen abgenommen, ein anderes Mal beschließen wir, von der Möglichkeit zu wählen keinen Gebrauch zu machen und lassen andere entscheiden. Vielleicht sind wir wahlmüde, entscheidungsschwach. Vielleicht ist die Qual zu groß.

Die Wahl und das Supermarktregal

Politische Wahlen erinnern mich derzeit an das oben beschriebene Supermarktregal. OK, ich will Joghurt, aber welchen? Sollen die Kulturen sich nun rechts- oder linksherum drehen? Will ich lieber Bio oder Regional? Darf es ein wenig Frucht sein? Aber bloß keinen Zucker! Etiketten werden gedreht, Kleingedrucktes gelesen, ganz schön zeitaufwändig so ein Joghurtkauf. Am Ende habe ich dann doch nicht alle Beschreibungen und Zusammensetzungen gelesen und entscheide mich für zwei verschiedene Sorten. Ob sie halten, was sie versprechen, werde ich erst erfahren, wenn ich sie geöffnet habe. Für einen Umtausch ist es dann zu spät.

Pflicht oder Kür?

Am kommenden Sonntag habe ich die Wahl. Ich darf wählen gehen, ich muss aber nicht. Dennoch empfinde ich es als meine Pflicht, meine beiden Kreuze zu machen. Natürlich kommt ein Ergebnis auch ohne mein Zutun zustande und selbst wenn ich wählen gehe, heißt das noch lange nicht, dass ich mit dem Ergebnis zufrieden sein werde.

Um auf obige Redewendung und besagtes Joghurtregal zurückzukommen: die Entscheidung ist dieses Mal ziemlich qualvoll. Einzig hilfreich ist, dass ich weiß, was ich NICHT wähle. Vielleicht werde ich mich kommenden Sonntag gar nicht bewusst für eine oder gar zwei Parteien entscheiden, sondern stimme mit meinen zwei Kreuzen schlicht für eine l(i)ebenswerte Zukunft. Aber gerade dafür lohnt es sich, wählen zu gehen!

Foto: CC0 Blickpixel/Pixabay

 

Abenteuer Gastfamilie

Am Samstag ist es soweit. Wir stürzen uns ins Abenteuer Gastfamilie. Um 6 Uhr erwarten wir am Frankfurter Flughafen die Maschine VN 0037, die unser neues Familienmitglied aus Vietnam an Bord haben wird. Die kommenden zehn Monate wird der siebzehnjährige Kiên Teil unserer Familie sein. Darauf freuen wir uns sehr!

AFS – Interkulturelle Begegnungen

Unsere erste Begegnung mit der Organisation AFS machten wir vor gut drei Jahren als unser ältester Sohn sich für ein Auslandsjahr in Norwegen entschied. So verbrachte er das 11. Schuljahr in Randaberg nahe Stavanger. Schon damals fühlten wir uns gut betreut und so wurde das Jahr in Südnorwegen ein voller Erfolg. Neben der Organisation durch AFS  haben aber natürlich die dortigen Gasteltern den größten Anteil am Erfolg der Mission „Auslandsjahr“. Alle Gastfamilien in allen Ländern engagieren sich dabei ehrenamtlich und erhalten für die Aufnahme eines Schülers kein Geld. Schon damals war klar, dass wir irgendwann etwas für die Gastfreundschaft, die unserem Kind entgegengebracht wurde, zurückgeben wollen.

Kurzentschlossen

Die Entscheidung, jemand Wildfremden in die Familie aufzunehmen und die Verantwortung für diesen jungen Menschen zu tragen, will gut überlegt sein und sollte von allen Familienmitgliedern getragen werden. Dass unsere Entscheidung dennoch innerhalb von einer Woche fiel, verdanken wir wohl dem Umstand, dass wir im vergangenen Jahr mit Mohammad bereits positive Erfahrung sammeln konnten was beispielsweise fremde Bräuche oder unbekannte Gerichte anbelangt.

Die Qual der Wahl

Nach unsere Zusage an AFS mussten wir uns als Gastfamilie vorstellen. Unser Profil wurde dann mit den Profilen und Wünschen der Gastschüler abgeglichen und wir erhielten die ersten drei Vorschläge. Kiêns Vorstellung gefiel uns allen direkt und nach einem weiteren Durchlauf mit drei Kandidaten entschieden wir uns für den Jungen aus Hanoi. Im Anschluss bekamen wir den ausführlichen Steckbrief von Kiên zugeschickt und fühlten uns sofort in unserer Entscheidung bestätigt, dass dieser Junge prima in unsere Familie passen wird.

Countdown

Mittlerweile führen wir lebhaften Whatsapp-Kontakt mit Vietnam und haben auch schon geskypt. Das Zimmer ist vorbereitet und eingerichtet, das sechste Platzset liegt bereit und auch die Frage nach dem Wer-sitzt-jetzt-wo? am Esstisch ist geklärt. Die Schule ist informiert, das Konto wird kommende Woche eröffnet. Und wenn es Fragen oder Probleme gibt, wird uns AFS mit viel Engagement zur Seite stehen. Unser erstes Gastfamilien-Treffen hatten wir bereits und es war sehr spannend, die anderen Familien aus der Umgebung kennenzulernen.

Wir freuen uns

Rund 350 Familien in Deutschland werden am kommenden Wochenende ein neues Familienmitglied entgegennehmen. Und sicherlich freuen sich die anderen genauso wie wir auf das Abenteuer Gastfamilie.

Steffis Gärtchen

Das Gartenprojekt „Steffis Gärtchen“

„Dein Gartenprojekt als Blog würde mir gefallen.“ – Dieser schlichte Satz von Tobias hat was ins Rollen gebracht. Denn tatsächlich nimmt mein Gärtchen einen Großteil meiner Freizeit in Anspruch. Im Sommer muss da das Lesen bisweilen ganz schön zurückstecken. Und da ich nun hin und wieder über empfehlenswerte Bücher blogge, könnte ich genauso gut auch mal über den Werdegang meines Gartens berichten, oder?

Steffis Gärtchen

Also im Grunde ist Steffis Gärtchen natürlich ein Familiengarten, aber da ich die meiste Zeit darin verbringe, darf das gute Stück ruhig Steffis Gärtchen heißen. Auch bei Instagram verwende ich den Hashtag #steffisgärtchen, um meine Fotos besser wiederzufinden.

Das Grundstück bzw. die Gründstücke

Für heutige Doppelhaus-Verhältnisse ist unser Grundstück mit rund 400 qm schon richtig groß. Allerdings entschlossen wir uns, 2012 hinter dem Haus einen Schwimmteich zu bauen, der so gut wie das komplette, dem Haus zugehörige Grundstück einnimmt.

Schwimmteich

Blick von oben auf den Schwimmteich im Juni 2017

Glücklicherweise verläuft die nächste Parallelstraße zu unserer Straße eben nicht parallel, so dass bei rechteckigen Grundstücken irgendwann so etwas wie ein „Überbleibsel-Grundstück“ entsteht. Dieses Flurstück grenzt im hinteren Bereich an unser rechteckiges Grundstück und wir konnten die rund 400 qm hinzukaufen. Und genau dort befindet sich mein kleiner Bauerngarten, der im Zuge des Schwimmteichbaus entstand.

Vom Aushub zum Bauerngarten

Wie aus dem Erdaushub …


… der sich zunächst auf dem hinteren Grundstück auftürmte …

… schließlich irgendwann doch noch ein schöner Garten wurde …

… davon erzähle ich euch dann im nächsten Beitrag.

 

Amtsschimmel

Mein Ritt auf dem Solinger Amtsschimmel

Gleich vorweg. Ich komme ganz gut klar mit Ämtern und Behörden und sie eigentlich auch mit mir. Das kann man auch in diesem Beitrag nachlesen: Einfach mal DANKE sagen.

Aber manchmal eben auch nicht, und wenn ich dann auch noch herausfinde, dass ich es hätte viel einfacher haben können, wenn nur einer den Mund aufgemacht hätte, dann macht mich das richtig wütend und dann verschaffe ich mir Luft. Genau hier!

Antrag auf Zeugnisbewertung

Um mit einem ausländischen Hochschulabschluss in Deutschland beruflich Fuß zu fassen, ist es von Vorteil, diesen bei der Zentralstelle für ausländisches Bildungswesen bewerten zu lassen. Die Webseite Anerkennung in Deutschland ist da wirklich hilfreich. Recht zügig ist klar, welche Unterlagen für die Bearbeitung aus welchem Land benötigt werden. Das meiste – beispielsweise Ausweisdokumente oder den Asylbescheid – kann man sogar einfach als Kopie beilegen.

Bei den Abschlussurkunden der zu bewertenden Hochschulqualifikation sieht das schon anders aus. Glücklicherweise konnten die Originale samt der Übersetzung durch einen vereidigten Übersetzer in Damaskus bei der Flucht aus Syrien mitgeführt werden und so sollte eine amtlich beglaubigte Fotokopie kein Problem darstellen. Eigentlich …

Gang zum Bürgerbüro

Wo bekommt man beglaubigte Kopien her? Mir fiel als erstes das Bürgerbüro in meinem Stadtteil ein, wo mein Schützling und ich uns auch gestern trafen. Wir zogen die Wartemarke Nr. 906 als gerade Nr. 881 aufgerufen wurde. Da mussten wir also durch. Als wir schließlich dran waren, lehnte man eine Bearbeitung ab mit der Begründung, dass man ausländische Schriftstücke nicht beglaubigen dürfe. Mein Einwand, dass diese ja untrennbar mit einer  deutschen Übersetzung verbunden seien, galt da nicht. Freundlich (und das meine ich ernst, die Dame war wirklich freundlich und es tat ihr leid, uns nicht helfen zu können) wies man mich darauf hin, in Zweifelsfragen den Chef der Abteilung Pass- und Meldewesen zu kontaktieren.

E-Mail-Verkehr

Meine Versuche, den Chef der Abteilung am nächsten Morgen telefonisch zu erreichen, scheiterten kläglich an einer ständig besetzten Leitung. So versuchte ich mein Glück per E-Mail und erklärte ihm die Lage. Relativ zügig erhielt ich folgende Antwort:

Sehr geehrte Frau Leo,

leider muss ich Ihnen mitteilen, dass ausländische Urkunden nicht von einer deutschen Behörde beglaubigt werden dürfen.

Bei ausländischen Urkunden, die grundsätzlich nicht beglaubigungsfähig sind, besteht jedoch die Möglichkeit, lediglich eine Kopie der deutschen Übersetzung der ausländischen Urkunde, welche von einem bei deutschen Gerichten zugelassenen staatlich anerkanntem Dolmetscher übersetzt worden ist, amtlich zu beglaubigen.

Die Beglaubigung bezieht sich dabei ausschließlich auf die übersetzte Version. Die Kopie der Übersetzung muss mit dem Original vorgelegt werden und es muss die Zusammengehörigkeit zwischen der Übersetzung und der zugrunde liegenden Urkunde erkennbar sein.

Die Beglaubigung muss zur Vorlage bei einer Behörde bestimmt sein.

Mit freundlichen Grüßen

Du liebe Güte, ausländische Urkunden sind grundsätzlich nicht beglaubigungsfähig, aber die ZAB benötigt doch die Urkunde in Originalsprache! Und die ganze Übersetzung aus Damaskus nützt überhaupt nichts, weil der von einem bei deutschen Gerichten zugelassene staatlich anerkannte Dolmetscher auch seine Daseinsberechtigung haben möchte?! Und wer um alles in der Welt soll diese Übersetzung von einem SGBII-Gehalt bezahlen??!!

Sollte die Mission Zeugnisbewertung hier zu Ende gehen? – Wie gut, dass mir ein guter Freund das Wort „Notar“ zuraunte.

Anruf beim Notar

Der Anruf beim Notar bereitete meinem Amtsschimmel-Ritt ein versöhnliches Ende. Denn tatsächlich kann der Notar ganz problemlos unsere vorhandenen Dokumente (egal ob deutsch oder arabisch) fotokopieren und beglaubigen und das auch zu einem akzeptablen Preis.

Doch warum in aller Welt muss ich das auf so holprigem und zeitaufwändigem Weg detektivisch herausfinden? Warum weiß das die Dame im Bürgerbüro nicht? Und warum schreibt ihr Chef unter seiner Erklärung nicht den einen für mich erlösenden Satz: „Wir können Ihnen bei Ihrem Anliegen nicht behilflich sein, wenden Sie sich für beglaubigte Kopien bitte an einen Notar.“

Ich frage mich, wann mein Schützling ohne meine Hilfe aufgegeben hätte? Wann wäre er an der deutschen Bürokratie gescheitert? Und wieviele sind es schon?!

Foto: Ausschnitt CC0 Pixabay

 

Buchtunnel Prag

Ich lese. Nicht.

Als Buchmensch einen Beitrag mit „Ich lese. Nicht.“ zu betiteln, das ist sicher gewagt. Aber ich bin schon immer für ehrliche Worte gewesen und außerdem steht da ja auch noch ein Punkt, streng genommen sogar zwei, aber der hinter der Aussage „Ich lese.“ ist schon nicht ganz unwichtig. Aber von vorne …

Ich lese gerne

Ich lese gerne. Daran gibt es überhaupt keinen Zweifel. Doch auch wenn sich mein berufliches Leben um die Bücher dreht, hat es tatsächlich nur im Nebensatz mit dem Lesen zu tun. Denn der Hauptsatz besteht aus ganz banalen Dingen wie Vorschauen sichten, Bücher bestellen, Titel – viele Titel – in die Datenbank einpflegen, Bücher an die Redaktion (derzeit 40 Redakteure) verschicken, Rezensionen überprüfen und freischalten, Belege selbiger an die Verlage schicken und so weiter und so fort. Jetzt mag der eine oder andere auch besser verstehen, warum ich mich ungern als Kinderbuchexpertin bezeichnen lasse, denn während ich noch mit den schnöden Dingen im Hintergrund beschäftigt bin, sind die Kinder und Jugendlichen diejenigen, die fleißig lesen. Sie sind die wahren Expertinnen und Experten!

Ich lese wenig

Menschen, in deren Lebensläufen Sätze stehen wie „liest bis zu 100 Bücher im Jahr“ machen mir Angst. Was sind das für Menschen, deren Tag 24 Stunden hat, die einem meist buchfernen Job nachgehen, essen, schlafen, ganz normale Dinge tun, und es dann schaffen, zwei Bücher pro Woche zu lesen und über selbige womöglich auch noch ausführlich zu bloggen? Versteht mich nicht falsch, ich möchte diesen Leserinnen und Lesern keinesfalls unterstellen, nicht sorgfältig zu lesen. Ich selbst gehöre zu den äußerst schnellen Schnelllesern. Dennoch benötige ich Zeit. Bisweilen ist es das Buch selbst, das mir besondere Aufmerksamkeit abverlangt, da muss ich Absätze beispielsweise mehrfach lesen. Manchmal ist es aber auch die Zeit nach einem Buch, die ich brauche, um Inhalte sacken zu lassen. Da kann es eine Weile dauern bis ich zum nächsten Buch greife. Und ehrlich gesagt habe ich auch ein wenig Angst vom inflationären Lesen. Was ist, wenn mich bei jedem Buch irgendwann das Gefühl beschleicht, diese Geschichte bereits zu kennen? Irgendwie versuche ich mir, meine kindliche Neugierde und Begeisterungsfähigkeit zu erhalten, was als bald 47-Jährige im Bereich Kinder- und Jugendbuch eh schon Herausforderung genug ist.

Ich lese nicht

Und dann gibt es Zeiten, in denen lese ich nicht – jedenfalls keine Bücher. Witzigerweise sind das oft die Zeiten, in denen ich die meisten Bücher kaufe. Vielleicht weil ich dann endlich mal Zeit habe, die Buchempfehlungen der anderen zu lesen. Tatsächlich fällt mir in diesem Zusammenhang immer ein Satz aus der Bibel ein: „Ein jegliches hat seine Zeit, und alles Vorhaben unter dem Himmel hat seine Stunde.“ Das gilt für viele Dinge im Leben – auch für das Lesen. Schon lange spreche ich in diesem Zusammenhang nicht mehr von „Leseflaute“, einem Zustand, für den sich Vielleser gerne entschuldigen und bei Gleichgesinnten auf Hilfe hoffen. Ganz so als seien sie krank. Ich nutze die buchfreie Zeit für andere Dinge, die ich ebenso leidenschaftlich betreibe, die genauso zu mir gehören wie zu anderen Zeiten das Buch unterm Arm. All diese Dinge machen mich aus, machen mich zu dem Menschen und eben der Leserin, die ich bin.

Ich lese. Nicht.

Ich lese. Und manchmal lese ich nicht. Das ist ganz normal. Derzeit findet man mich halt eher mit Erdkrumen als mit einem Buch in den Händen. Es hat eben doch alles seine Zeit.

Foto: Büchertunnel Prag – CC0 Pixabay