Autor: Stefanie Leo

Zum Teufel mit diesem Schubladendenken!

Ich erwische mich immer wieder. Beim Schubladendenken! Obwohl ich es doch besser wissen müsste, gehen auch meine imaginären Schubladen auf, wenn ich auf neue Menschen treffe. Anstatt demjenigen urteilsfrei und möglichst objektiv zu begegnen, sie oder ihn erst einmal kennenzulernen, habe ich die Person bereits nach kürzester Zeit in einem meiner Fächer versenkt. Überraschung ausgeschlossen. Aber warum mache ich das bloß? Vermutlich fühle ich mich dann irgendwie sicherer, schließlich weiß ich ja je nach Schublade, wie ich mich verhalten soll, was ich bei Gesprächen erwidern kann. Das ist so schön einfach, denn jeder Mensch verhält sich seiner Schublade entsprechend. So mag ich das. Die Guten sind gut, die Bösen böse, die Rechten rechts und die Linken links. Dabei vergesse ich, dass auch ich bei meinem Gegenüber vermutlich in einer Schublade gelandet bin. Und so verhalten wir uns am Ende beide wie Marionetten, an unsichtbaren Fäden von den Erwartungen anderer geführt. Alle unsere Annahmen werden bestätigt, kein Grund also, die eigene Schublade zu verlassen und bei den anderen vorbeizuschauen. Doch! Das Schöne an uns Menschen ist …

Das Leben. Eine Gratwanderung.

Ich bin in meinem Leben erst einmal auf einem Grat gewandert, lange ist es her. Im Sommer 1996 entdeckten wir per Pedes, Auto und mit unserem Zelt Alaska. Bei unserem Besuch im Denali National Park schlossen wir uns einer durch einen Ranger geführten Wanderung an, die uns schließlich auch auf einen Grat – ähnlich dem im Foto – führte. Die Aussicht war atemberaubend, die unberührte Natur überwältigend und dennoch befanden wir uns alle nur einen Fehltritt von einer Katastrophe entfernt. Gratwanderung eben. Ein schmaler Grat, dieses Leben Das Leben kann auch eine Gratwanderung sein. Jedenfalls ist es dieser Begriff, der mir derzeit ständig durch den Kopf geistert. Seit nunmehr sieben Jahren ist es mir zur lieben Gewohnheit geworden, nach Yoga und Meditation für eine Kaffelänge ins Bett zurück zu kriechen. Ich höre Radio, blättere in der aktuellen Tageszeitung und widme mich den Sozialen Netzwerken, die die Nachrichten der vergangen Nacht auf ihre Art und Weise aufbereiten. Gut informiert, meist gut gelaunt und immer wach beginnt dann gegen sieben der Familienalltag. Doch über mein stets sonniges …

Der Blick durchs Schlüsselloch

Heute möchte ich euch eine etwas schräge Geschichte erzählen, die sich vor langer Zeit ereignet hat. Vermutlich klingt sie ein wenig verrückt und dennoch ist sie mir damals in den 1980er Jahren so passiert. Dass ich heute darüber schreibe, liegt daran, dass sie sich vor ein paar Tagen in ähnlicher Weise wiederholt hat. Der Blick durchs Schlüsselloch Kennt ihr dieses Gefühl, für einen Augenblick – sagen wir mal maximal fünf Sekunden – zu glauben, die Welt zu verstehen? Komische Frage, ich weiß. Ich hatte dieses Gefühl das erste Mal in der Schule, im Mathe-Leistungskurs. … ich sagte ja, dass die Geschichte ein wenig verrückt klingt. Ich habe Mathe tatsächlich immer gerne gemacht und an besagtem Tag in der Oberstufe fügte sich in meinem Kopf plötzlich alles zum großen Ganzen zusammen. Tatsächlich hatte ich für einen Moment das Gefühl, die komplexen Strukturen der Mathematik komplett zu verstehen. Es war als hätte man mir einen kurzen Blick durchs Schlüsselloch gewährt, um mir zu zeigen, was war, was ist und was sein kann. Dieses Gefühl damals war ungeheuer …

Leben und leben lassen

Gestern ließ mich ein Blogbeitrag verstört zurück. Wobei „verstört“ nicht der richtige Ausdruck ist, eigentlich fühlte ich mich zugleich angewidert, abgestoßen und bis ins Mark erschüttert. Es handelte sich dabei um einen sexistischen, frauenverachtenden Beitrag, der vor Häme und Hass nur so triefte, und den ich hier nicht verlinke, denn jeder Klick für diesen Schreiber wäre einer zuviel. Dieser Hass im Netz würde mich krank machen. Würde, denn immer wenn ich denke, dass es kaum schlimmer kommen kann, dann tun sich Menschen zusammen und stellen sich solidarisch an die Seite des Betroffenen, lassen ihn nicht allein, stärken ihm den Rücken. Sicherlich das Netz macht uns angreifbar, aber die dortige Gemeinschaft (und ja, die gibt es!) macht uns auch stark. Dennoch wünschte ich mir gruppenübergreifend mehr Kommunikation, zumindest mit denjenigen, bei denen Hopfen und Malz noch nicht verloren ist. (Der Schreiber oben gehört vermutlich nicht dazu.) Wir schmoren alle zu sehr in unserem eigenen Saft, für viele von uns gibt es nur noch Schwarz oder Weiß, die eigene Meinung und die der anderen. Es geht mir …

Einmal Stille hin und zurück

Das Leben ist schnell. Schnell und laut und voller – zum Teil unnötiger – Informationen. Wer versucht, ihrer Herr zu werden, wird gnadenlos scheitern. Wer es nicht schafft zu filtern, sich Inseln der Ruhe zu schaffen, der schultert eine unsichtbare Last, die täglich schwerer wird. Eine Möglichkeit, sich innerlich aufzuräumen, kann die Stille bieten. Der Weg dorthin gleicht allerdings eher einem gewundenen Pfad, besonders wenn man wie ich eher zu der Sorte „kommunikativer Mensch“ gehört. Ein erster Versuch Mein erster Weg führte mich im Januar 2015 zu den buddhistischen Nonnen und Mönchen nach Waldbröl (hier mein Bericht). Dort bekam ich einen ersten Vorgeschmack auf Stille und Achtsamkeit. Allerdings ließ man uns mit dem, was Stille an Emotionen in einem hervorrufen kann, damals weitestgehend allein. Für jemanden ohne Vorerfahrung ein durchaus heikles Unterfangen. Dennoch ließ mich der Achtsamkeitsgedanke nicht mehr los. Wie immer las ich viel, Bücher über Buddhismus, den Dalai Lama, den vietnamesischen Mönch Thích Nhất Hạnh, Gründer der buddhistischen Gemeinschaft „Plum Village“ und dem EIAB in Waldbröl, Lektüren mit dem Wort „Achtsamkeit“ in Titel …