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Feine Bücher aus der Frankfurter Verlagsanstalt

Im Juni entdeckte ich beim #bookupDE in Frankfurt die kleine aber feine Frankfurter Verlagsanstalt. Im Urlaub kam ich nun endlich dazu, einen Teil – genauer gesagt zwei Titel – des aktuellen Programms kennenzulernen.

sommer3Den Anfang machte ich mit der Geschichte um den jungen Architekten Felix, bei dem zuviele Glücksmomente regelmäßig zu einem anaphylaktischen Schock führen.

Gar nicht so einfach damit umzugehen, wenn man doch gerade erst DIE Traumfrau kennengelernt hat und zudem im Job alles bestens läuft. Da kann eigentlich nur wohldosiertes Unglück beispielsweise in Form einer nervigen Bauleitung helfen. Was aber wenn die Diagnose möglicherweise doch fehlerhaft war?

Hannah Simon hat mir mit ihrem ersten Roman fröhlich-leichte Lesestunden beschert. Die Idee, die Hauptfigur mit einer äußerst eigenwilligen Allergie auszustatten, die dessen Leben von rechts nach links umkrempelt, fand ich sehr amüsant. Und auch die Sprache des Ich-Erzählers Felix, der seine verrückte Geschichte rückblickend auf seinem Blog erzählt, ist authentisch. Er berichtet humorvoll, locker und leicht, mit ansprechenden Formulierungen.

Wer also auf der Suche nach einer schönen Urlaubslektüre ist, die sprachlich überzeugt und auch inhaltlich keine Schwächen aufweist, der wird an diesem sehr unterhaltsamen Sommerbuch seine Freude haben: „Felix oder zehn Dinge, die ich an dir liebe“ von Hannah Simon.

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Als ich einmal bei einer Weinprobe anmerkte, dass mir der Wein beim ersten Glas nicht schmeckte, meine Meinung aber nach Glas zwei durchaus ändern würde, meinte der Sommelier zu mir: „Die besten Weine muss man sich erst langsam erarbeiten. Dann allerdings wird man sie lieben!“

Ähnlich erging es mir mit Ruth Cerhas Roman. Die ersten 30 Seiten waren wie das erste Glas Rotwein. Mir schmeckte die Ich-Erzählerin nicht, die sich mit einer undurchschaubaren miesen Stimmung durch die ersten Seiten schleppt, die fehlenden Anführungszeichen bei der wörtlichen Rede – eine typografische Eigenart, die ich überhaupt nicht mag – taten ein Übriges.

Im Urlaub jedoch hat mein Zeit und Muße für ein weiteres Glas oder in meinem Fall für weitere 224 Seiten. Und was soll ich sagen? Paul, der Sommelier, ist ein kluger Mann, denn was für einen Rotwein gilt, lässt sich auch durchaus auf Bücher übertragen.

Insbesondere die bildreiche Sprache der beiden Ich-Erzähler hat es mir rückblickend angetan. Obwohl ich sonst ein Freund von gradlinigen, schnörkellosen Erzählungen bin, ist jedes Wort in Ruth Cerhas Roman am rechten Platz, würde fehlen, ließe man es weg.

Bora als Liebesgeschichte (so wie man von der Covergestaltung auf den Inhalt schließen könnte) zu bezeichnen, wäre eine derbe Untertreibung. Sie ist – wie der Untertitel schon sagt – eine Geschichte vom Wind, der über eine Insel, aber eben auch durch das Leben zweier sehr unterschiedlicher Menschen weht und dort ein gehöriges Durcheinander veranstaltet. Aber wie so oft im Leben schadet es bisweilen nicht, wenn der Kopf einmal frei gepustet wird: „Bora – Eine Geschichte vom Wind“ von Ruth Cerha.

 

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