Der Alltag, Konglomerat
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… doch am größten unter ihnen ist die Liebe.

Manchmal stehst du vor einem Thema und überlegst, ob und wie du dich dazu äußern sollst. Die Frage nach dem „ob“ ist bei fast jedem Blogbeitrag gegenwärtig. Interessiert es die Menschen, was du zu sagen hast? Ist das Thema nicht schon in unzähligen redaktionellen Beiträgen mehr als ausreichend besprochen worden? – Meist beantworte ich diese Fragen mit „ist mir doch egal!“. Wenn ich das Gefühl habe, dass ich mich zu einem Thema äußern will, weil es mir beispielsweise Unbehagen bereitet oder weil ich einen klaren Standpunkt beziehen will, dann tue ich das. Meist steht eher das „wie“ zwischen mir und einem Blogbeitrag. Oft habe ich einen zu hohen Anspruch, will zu tief recherchieren, was an sich ja nicht schlecht ist, bei mir aber meist zu Aufschub und letztlich zum Verwerfen von Blogbeiträgen führt.

Das Thema meines heutigen Blogbeitrags ist aber zu wichtig, um aufgeschoben oder gar verworfen zu werden und deshalb blogge ich heute, ohne grundlegende Recherche einfach aus dem Bauch heraus  oder besser gesagt direkt aus meinem Herzen.

Die buddhistische Christin

Ich bin ein gläubiger Mensch. Ich wurde in eine katholische Familie geboren, durchlebte als Kind eine nicht zu strenge katholische Erziehung (Kirchgang am Sonntag: JA, Tischgebet: NEIN), wandte mich nach meinem Auszug erst einmal von der Kirche ab und kehrte nach 10 Jahren wieder zurück. Mein Mann und ich haben kirchlich geheiratet und unsere Söhne sind alle im katholischen Glauben getauft.

Ich bin aber auch ein belesener Mensch, ein neugieriger Mensch und vor allen Dingen ein kritischer Mensch. Ich beschäftige mich mit vielen Religionen, erkenne deren Ähnlichkeiten aber auch die Unterschiede zum Christentum. „Ja“ und vor allen Dingen „Amen“ sage ich zu den Dingen, die aus Rom kommen, schon lange nicht mehr. Manchmal glaube ich sogar, dass ich in meinem Herzen ein kleiner Buddhist bin, und trotzdem käme ich nicht auf die Idee, der katholischen Kirche den Rücken zukehren. Vielmehr arbeite ich daran, meinen Glauben alltagstauglich auch im 21. Jahrhundert zu leben.

Liebt doch wen ihr wollt, aber liebt!

Das Hohelied der Liebe aus dem 13. Kapitel des 1. Briefs des Paulus von Tarsus an die Korinther gehört wohl zu den am häufigsten zitierten Stellen aus der Bibel, die auch ich heute bemühen will, um meinen Standpunkt zu verdeutlichen:

1 Wenn ich in den Sprachen der Menschen und Engel redete, hätte aber die Liebe nicht, wäre ich dröhnendes Erz oder eine lärmende Pauke.
2 Und wenn ich prophetisch reden könnte und alle Geheimnisse wüsste und alle Erkenntnis hätte; wenn ich alle Glaubenskraft besäße und Berge damit versetzen könnte, hätte aber die Liebe nicht, wäre ich nichts.
3 Und wenn ich meine ganze Habe verschenkte und wenn ich meinen Leib dem Feuer übergäbe, hätte aber die Liebe nicht, nützte es mir nichts.
4 Die Liebe ist langmütig, die Liebe ist gütig. Sie ereifert sich nicht, sie prahlt nicht, sie bläht sich nicht auf.
5 Sie handelt nicht ungehörig, sucht nicht ihren Vorteil, lässt sich nicht zum Zorn reizen, trägt das Böse nicht nach.
6 Sie freut sich nicht über das Unrecht, sondern freut sich an der Wahrheit.
7 Sie erträgt alles, glaubt alles, hofft alles, hält allem stand.
8 Die Liebe hört niemals auf. Prophetisches Reden hat ein Ende, Zungenrede verstummt, Erkenntnis vergeht.
9 Denn Stückwerk ist unser Erkennen, Stückwerk unser prophetisches Reden;
10 wenn aber das Vollendete kommt, vergeht alles Stückwerk.
11 Als ich ein Kind war, redete ich wie ein Kind, dachte wie ein Kind und urteilte wie ein Kind. Als ich ein Mann wurde, legte ich ab, was Kind an mir war.
12 Jetzt schauen wir in einen Spiegel und sehen nur rätselhafte Umrisse, dann aber schauen wir von Angesicht zu Angesicht. Jetzt erkenne ich unvollkommen, dann aber werde ich durch und durch erkennen, so wie ich auch durch und durch erkannt worden bin.
13 Für jetzt bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; doch am größten unter ihnen ist die Liebe.

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Wer nicht geliebt hat, wer nicht geliebt wird, der hat nicht gelebt. Dabei ist es in meinen Augen völlig egal, wer hier wen liebt.

Deshalb bin ich für die Gleichstellung homosexueller Ehen, die in 20 Staaten zum Teil schon über 10 Jahre (Niederlande seit 2001) üblich ist.

 

 

3 Kommentare

  1. Anja sagt

    Schön aus dem Bauch raus geschrieben. Ich sehe zwischen dem Wunsch der Gleichstellung und dem „katholisch sein“ per es auch keine Diskrepanz und würde mich freuen, wenn mehr Kirchenmitglieder diese Diskussion in der Kirche auch bewusst anstoßen. Denn „Gemeinde“ ist das, was wir draus machen…. Und Kirche ist gestaltbar – Wie weit müsste mal ausprobiert werden…
    Danke!
    Gruß,
    Anja

  2. Das ist konsequent inkonsequent, sprich „menschlich“ und mir damit sehr sympathisch.

    Ich hänge keinem Glauben an und erachte jeden Glauben, der ein Auserwähltsein für seine Anhänger beansprucht schon per se für für unglaubwürdig im besten Sinne des Wortes. Da bleibt dann nicht viel an Religion übrig.

  3. Liebe Steffi,
    das hast du sehr sehr schön aus dem Bauch heraus geschrieben. Absolut nachvollziehbar und glaubwürdig.
    LG Anke

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