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Tai Chi, Yoga und Entspannung in einem buddhistischen Kloster

Wie alles begann

Den Anstoß für dieses Wochenende in einem buddhistischen Kloster lieferte ein Radiobeitrag im WDR 2. Dort berichtete Georg Lolos in den Sonntagsfragen über seinen Aufenthalt in einem südfranzösischen Kloster, der sein Leben nachhaltig veränderte.

Plum Village ist ein buddhistisches Kloster nahe Bordeaux, das 1982 von dem vietnamesischen Mönch Thích Nhất Hạnh gegründet wurde. Der Bericht von Georg Lolos ließ mich nicht mehr los und ich ging im Internet auf die Suche nach Mönch und Kloster und stellte zu meiner Überraschung fest, dass es auch in Deutschland die Möglichkeit gibt, an einem Retreat im Kloster teilzunehmen, denn Thích Nhất Hạnh rief 2008 im oberbergischen Waldbröl das Europäische Institut für Angewandten Buddhismus (EIAB) ins Leben. Erstaunt bemerkte ich zudem, dass ich schon über Jahre Bücher des Mönchs zum Thema „Achtsamkeit“ besaß, die ich direkt noch einmal las.

Die Entschlossenheit, für ein Wochenende in das buddhistische Kloster zu gehen wuchs und da 2015 ja mein Jahr des Tuns und nicht nur des Darüberredens werden sollte, meldete ich mich (und eine Freundin) kurzerhand für das Wochenende „Kraft schöpfen durch Tai Chi, Yoga und Entspannung“ an.

Stille und Langsamkeit

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Der Stupa mit der Glocke der Achtsamkeit

Dass man mitten in Waldbröl einen „Kulturschock“ erleiden könne, hatte ich in meiner Blauäugigkeit nicht erwartet. Nach einer guten Anreise – das Kloster liegt nur etwa 70 km von meiner Heimatstadt entfernt – bezogen wir unser einfaches und sauberes Zimmer. Ohne Vorwarnung (wieso auch?) fanden wir uns in einem Klosteralltag aus Stille und Langsamkeit wieder, der uns binnen kürzester Zeit von hundert auf null ausbremste. Dies fühlte sich tatsächlich erst einmal unangenehm an, so als würde man auf der Autobahn bei voller Fahrt eine Vollbremsung hinlegen und sich der Körper im gestrafften Anschnallgurt wiederfinden.

Tatsächlich erwogen wir in diesem Moment wieder abzureisen. Das Einnehmen der Mahlzeiten trotz Gemeinschaft in vollkommener Stille, die freundlichen, zurückhaltenden und stillen Mönche und Schwestern, die anfänglichen Sprachbarrieren, das alles überrollte uns förmlich, auch wenn es komisch klingen mag, da wir ja eigentlich auf der Suche nach Stille und innerer Ruhe waren.

Ankommen

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Alles bereit für die Sitzmeditation

Um 19:30 Uhr wurden wir schließlich offiziell von unserer Kursleiterin Saraswati Klaudia Feltens und den Nonnen Schwester Triết Nghiêm und Schwester Phổ Nghiêm begrüßt und mit den Abläufen des Klosterlebens vertraut gemacht. Wir erfuhren mehr über die Glocke der Achtsamkeit, über Geh-, Sitz- und Essmeditation und erkannten, dass dies alles Bestandteile eines achtsamen (Kloster-)Lebens sind.
Gut informiert und durch erste meditative Übungen auch entschleunigt, kam ich langsam an und schlief die erste Nacht wie ein Stein.

Klosteralltag = Kursalltag

Wer an einem Kurs in einem buddhistischen Kloster teilnimmt, der wird für diese Zeit Mitglied der Sangha (Gemeinschaft). Das bedeutet zum einen, dass man sich wirklich vom ersten Augenblick an freundlich in der Sangha aufgenommen und nicht als Fremdkörper fühlt, zum anderen bedeutet es aber auch, dass die Kursteilnehmer natürlich nicht in ihren Betten liegen bleiben können, während Mönche und Nonnen bereits ihrem täglichen Klosterleben nachgehen.

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Das Klosterleben beginnt früh.

Unser erster Morgen begann deshalb um 5:30 Uhr und bereits um 6:00 Uhr fanden wir uns schweigend (Die Zeit des Edlen Schweigens dauert von 21:30 Uhr bis nach dem Frühstück um etwa 8:00 Uhr) zu Tai Chi in der großen Halle ein. Erstaunlich wie belebend und zum Teil auch echt anstrengend ruhige fließende Bewegungen sein können. Schön, dass wir anschließend in der Sitzmeditation wieder zur Ruhe kommen konnten.

Mein persönliches Highlight des Tages war allerdings die Tiefenentspannung am Nachmittag, an der ich zeitweilig dachte, eins mit meiner weichen Unterlage zu werden. Dieses Gefühl des Nicht-Schlafens (einige haben das nicht geschafft, wie ich dem Schnarchen entnehmen konnte) und sich dennoch in einem Zustand tiefster Entspannung zu befinden, war einmalig.

Nicht unerwähnt soll das einfache aber geschmackvolle, vegane Essen bleiben, das von den Mönchen und Nonnen in einer winzigen 12-qm-Küche für die Mitglieder des Ordens und für uns achtsam zubereitet wurde. Nie hätte ich gedacht, dass man Tofu auf so viele Arten und auch noch derart schmackhaft zubereiten kann.

Rück- und Ausblick

Rückblickend hat mich vermutlich am meisten überrascht, wie sich Stille auf Körper und Gedanken auswirkt. Fühlte ich mich zunächst unwohl und ausgebremst, stellte sich am nächsten Tag eine gewisse Grundruhe ein, in der positive Gedanken die Oberhand gewannen. Dies war eine außergewöhnlich Erfahrung. Möglicherweise werden aber Menschen, die aus einem noch hektischeren Alltag als dem meinen kommen und deren Gedanken mit vielen Problemen behaftet sind, vielleicht etwas länger brauchen, um Ruhe und Stille für sich zu erfahren.

Vieles habe ich aus diesem Wochenende für mich mitgenommen. Ich werde versuchen, mehr achtsame Momente wie beispielsweise die Glocke der Achtsamkeit in meinen täglichen Ablauf einzubauen, ich werde lernen, die Stille zu genießen und mich in der Sitzmeditation üben. Und ich bin mir ziemlich sicher, dass ich zurückkehren werden zu den Mönchen und Nonnen nach Waldbröl.

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Der Buddha erträgt alles mit Gelassenheit, auch den Schnee.

 

 

 

 

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