Monate: Januar 2015

Namaste oder Yoga um halb sechs

Heute vor drei Monaten wurden die Uhren auf Winterzeit umgestellt. Diese vermeintlich gewonnene Stunde nutzte ich, um einen schon lang gehegten Plan endlich in die Tat umzusetzen, getreu dem Motto „Yoga am Morgen vertreibt Kummer und Sorgen“. Tatsächlich habe ich Yoga für mich schon vor Jahren entdeckt und besuche regelmäßig (allerdings mit einer großen Unterbrechung) Kurse. Seitdem jedoch der Zahn der Zeit an mir nagt und mir das leider auch vom Orthopäden bescheinigt wurde, war klar, dass das Dehnen und Strecken nur einmal pro Woche auf Dauer zur Behebung diverser Zipperlein nicht mehr ausreichen würde. Allerdings ist es schwer, sich in einem 5-Personen-Haushalt nebst zwei Hunden für knapp 30 Minuten zurückzuziehen. Morgens ruft das Büro, später die Familie und abends kann man sich eh so schlecht aufraffen. Blieb nur noch der richtig frühe Morgen also quasi die Zeit vor dem Aufstehen – auch unmenschliche Zeit genannt – übrig. Eigentlich undenkbar für jemanden wie mich, der morgens eher weniger leidlich aus dem Bett kommt.

Tai Chi, Yoga und Entspannung in einem buddhistischen Kloster

Wie alles begann Den Anstoß für dieses Wochenende in einem buddhistischen Kloster lieferte ein Radiobeitrag im WDR 2. Dort berichtete Georg Lolos in den Sonntagsfragen über seinen Aufenthalt in einem südfranzösischen Kloster, der sein Leben nachhaltig veränderte. Plum Village ist ein buddhistisches Kloster nahe Bordeaux, das 1982 von dem vietnamesischen Mönch Thích Nhất Hạnh gegründet wurde. Der Bericht von Georg Lolos ließ mich nicht mehr los und ich ging im Internet auf die Suche nach Mönch und Kloster und stellte zu meiner Überraschung fest, dass es auch in Deutschland die Möglichkeit gibt, an einem Retreat im Kloster teilzunehmen, denn Thích Nhất Hạnh rief 2008 im oberbergischen Waldbröl das Europäische Institut für Angewandten Buddhismus (EIAB) ins Leben. Erstaunt bemerkte ich zudem, dass ich schon über Jahre Bücher des Mönchs zum Thema „Achtsamkeit“ besaß, die ich direkt noch einmal las. Die Entschlossenheit, für ein Wochenende in das buddhistische Kloster zu gehen wuchs und da 2015 ja mein Jahr des Tuns und nicht nur des Darüberredens werden sollte, meldete ich mich (und eine Freundin) kurzerhand für das Wochenende …

Und die Welt dreht sich einfach weiter …

2015, was hast du nur für einen beschissenen Start hingelegt. Dass ich Silvester und Neujahr mit Fieber im Bett verbrachte, kann ich dir ja verzeihen, aber dass du nahtlos und noch schlimmer an den Wahnsinn des Vorgängerjahres anschließt, dafür fehlen mir die Worte. Die Nachrichten dieser Welt sind durchzogen von brutalster Gewalt, von Mord und Totschlag, die vor niemandem Halt machen, vor unbescholtenen Bürgern nicht, vor Familien nicht und vor unschuldigen Kindern auch nicht. In was für einer Welt leben wir, in der Hunderte von Mädchen entführt werden und radikale Islamisten in Nigeria ganze Dörfer dem Erdboden gleich machen, eine Welt, in der im Namen Allahs Menschenhandel betrieben, entführt, vergewaltigt und gemordet wird und in der religiöse Satire ein Todesuteil bedeuten kann?! Was ist das für eine Welt, in der deutsche Mitbürger den Freiheitsruf „Wir sind das Volk!“ für braunes Gedankengut missbrauchen?! Angewidert möchte ich mich unter meiner Decke verkriechen, nichts mehr hören, nichts mehr sehen. Aber ich darf den Glauben an die Menschheit und an die Menschlichkeit nicht verlieren, heute nicht, morgen nicht, niemals! …