Monate: August 2014

Salām und Schalom oder Interessierte Leser gesucht!

Mit dem Leseexemplar von William Sutcliffes „Auf der richtigen Seite“ nahm mein im Juli geplanter Lesesommer eine unerwartete Wendung, denn eigentlich waren für den Liegestuhl eher leichte PageTurner geplant gewesen. Doch nach Beendigung des Buches, das von einem Jungen handelt, der in einer israelischen Siedlung lebt, nahm leider auch der Gaza-Konflikt an Schärfe zu. Ich musste mir eingestehen, dass der Konflikt der Israelis und Palästinenser mich zwar bereits mein ganzes Leben begleitete, ich aber über historische Hintergründe völlig uninformiert war. Worte wie „Sechs-Tage-Krieg“ und „Intifada“ waren mir durchaus geläufig, aber wie es genau zu den Konflikten kam und welches Leid sie über beide Seiten der Bevölkerung brachten, war mir nur unzulänglich bekannt. So entschied ich mich im Anschluss an mein erstes Buch, ein Sachbuch zu lesen. „Die Geschichte der Israelis und Palästinenser“ von Martin Schäuble und Noah Flug ist ein Jugendbuch, was mir als Einstieg ins Thema aber äußerst gut gefiel. Besonders hervorzuheben ist auch die umfangreiche und kommentierte Medienauswahl im Anhang. Die dortigen Vorschläge und weitere reichliche Buchtipps, die mich auf Anfrage im Netz …

#ALSIceBucketChallenge und mein „ja, aber“

Seit geraumer Zeit beobachte ich die ALS Ice Bucket Challenge im Netz. Anfangs amüsierte ich mich über meist amerikanische Prominente, die sich einen Kübel Eiswasser über den Kopf stülpten, denn nicht in jedem Video war zunächst klar, warum diejenigen sich freiwillig der kalten Dusche aussetzten. Danach wurde ich nachdenklicher, las mich durch einige Berichte über ALS (Amyotrophe Lateralsklerose) und stolperte auch über das Ice-Bucket-Video eines ALS-Erkrankten. Mittlerweile beobachte ich die Flut von Videos zunehmend skeptisch, da diese von B-Promis eher zu eigenen PR-Zwecken genutzt werden oder – gerade bei Jugendlichen – der eigentliche Hintergrund der Challenge überhaupt nicht mehr klar ist bzw. keine Erwähnung mehr findet. Aus diesem Grund möchte ich kurz den Wikipedia-Eintrag für die ALS Ice Bucket Challenge zitieren: Die ALS Ice Bucket Challenge (deutsch: Eiskübel-Herausforderung) ist eine Kampagne, die darin besteht, sich einen Eimer kaltes Wasser über den Kopf zu gießen und hiernach drei oder mehrere Personen zu nominieren, die dann 24 Stunden Zeit haben, es einem gleichzutun. Tut man dies nicht, soll man 100 US-Dollar, beziehungsweise 100 Euro, an die ALS …

„Ha det bra, Tom“ oder Wenn Kinder groß werden

Ich kann mich noch gut an die Zeit ohne Kinder erinnern. Damals, als einem andere junge Eltern erzählten, dass man über das Kinderkriegen und Elternsein doch lesen könne, was man wolle, am Ende würde einen der Zustand ohnehin umhauen. Jaja, dachten auch wir, lass sie mal erzählen, vermutlich haben sie einfach nur nicht genug gelesen, denn wir konnten uns schließlich sehr genau vorstellen, wie es wohl sein würde, wenn wir irgendwann mal eigene Kinder haben würden. Fünf Wochen vor dem errechneten Termin hielten wir ach so belesenen Eltern schließlich unser erstes Würmchen in den Armen. Klein war es, gesund auch, etwas trinkfaul, weshalb es noch ein wenig auf die Frühchen-Station musste. Und alle Bibliotheken dieser Welt hätten uns auf diesen Moment nicht vorbereiten können. Was einem vor kurzer Zeit noch lebenswichtig erschien, verkommt mit der Liebe und Verantwortung für ein eigenes Kind plötzlich zur Nebensache, innerhalb kürzester Zeit schiebt dieses kleine Menschlein die wirklich wichtigen Dinge des Lebens in den Vordergrund. Nun sind wir (mittlerweile sogar dreifache) Eltern, haben unser Bestes gegeben (und tun es …

Storify für #bookupDE und schon ist man ein wenig dabei

Den Onlinedienst Storify gibt es nun schon knapp 4 Jahre und vermutlich ist jeder von uns bereits über die eine oder andere Storify-Geschichte gestolpert. Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich mich bislang kaum mit der Aufbereitung digitaler Inhalte beschäftigt habe. Im nachhinein bedaure ich das sehr, da sich Storify, also das Kuratieren von Inhalten, auch durchaus für meine Wohnzimmerlesungen angeboten hätte. Ein dankbares Objekt sind aber auch die zur Zeit stattfindenden #bookupDE-Treffen, an denen sich buchbegeisterte, meist mit Smartphone ausgestattete Menschen an bibliophilen Orten treffen und über Veranstaltungen mit dem Hashtag #bookupDE live auf Twitter, Facebook, Instagram und Co. berichten. So geschehen im Juli bei Schmitz Junior in Essen und erst gestern in der Buchhandlung Anakoluth in Berlin.

Mit Mirjam durch das Ruhrgebiet der 80er

Ich weiß, dass man man ein Buch niemals nach seinen Äußerlichkeiten beurteilten sollte, trotzdem verliebte ich mich schon in der Buchhandlung in das tolle Cover und den roten Buchschnitt des Jugendromans „Crazy Dogs“. Die Autorin Brigitte Werner lässt ihre Hauptfigur Mirjam erzählen und katapultiert so den Leser von der ersten Seite an in ihr turbulentes Teenieleben. Dass auf den nächsten knapp 500 Seiten jedoch auch Dramatisches geschehen wird, lässt der Prolog bereits vermuten. Wer nun eine seichte Teeniegeschichte erwartet, der liegt völlig falsch, denn Mirjam ist eine ganz wunderbare Erzählerin. Mit detailreichen Beschreibungen erweckt sie das Buch zum Leben und zaubert dem Leser mit ihrem Sprachwitz ein Lächeln ins Gesicht. Dass die Autorin ihren Roman dann auch noch zu Zeiten von Kassetten, Volkszählung und Kaltem Krieg in den 80er Jahren spielen lässt, ließ mich als Kind der 70er Jahre beglückt weiterlesen, erinnerte mich doch so vieles an meine eigene Jugendzeit. Da Mirjam im Ruhrgebiet lebt, ist ihre Geschichte aber gleichzeitig auch eine Liebeserklärung an den „Pott“ mit all seinen Facetten, schrägen Vögeln und seiner eigenen …