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Liest du noch oder bloggst du schon?

Jugendliche Buchblogger im WWW
Beitrag von mir in der Märzausgabe der Zeitschrift Eselsohr

Innerhalb kürzester Zeit und ohne jegliche Programmiererfahrung kann jeder Internetnutzer heutzutage sein eigenes Weblog (Wortkreuzung aus World Wide Web und Log für Logbuch), kurz Blog genannt, erstellen. Deshalb verwundert es auch nicht, dass die Anzahl der Buch-Blogger ebenfalls ständig steigt. Schon lange ist der Trend zu beobachten, dass gerade Vielleser sich mit der Tätigkeit Lesen alleine nicht mehr zufrieden geben. Da werden gemeinsam Challenges bestritten, Wunschzettel geschrieben und Bücher bewertet. Und das natürlich nicht im stillen Kämmerlein, sondern für alle sichtbar im eigenen Buch-Blog. Man kennt sich untereinander – wenn auch oft nur virtuell – tauscht Bücher und Erfahrungen aus und darf hin und wieder an sogenannten First-Read-Aktionen teilnehmen und schon vor Erscheinungstermin für die Verlage Neuerscheinungen testlesen.

Die Buch-Blogger-Szene wächst stetig, gerade auch im Altersbereich unter 20 Jahren. Doch leider ist das Auffinden von Buch-Blogs mitunter ein schwieriges Unterfangen. Google ist da mit rund 180.000 Suchergebnissen keine wirkliche Hilfe. Ich griff schließlich auf meine Netzwerke zurück und fragte u.a. die Lovelybooks- und Facebook-Nutzer nach ihren Tipps. Das Ergebnis konnte sich sehen lassen: Am Ende hatte ich den Newsfeed von sage und schreibe 45 Buchbloggern im Alter zwischen 12 und 20 Jahren abonniert.

Doch was treibt diese Jugendlichen an, mit großem Aufwand über ihre Leseleidenschaft zu berichten? Wie sind sie überhaupt zum Bloggen gekommen? Über welche Bücher wird am liebsten geschrieben? Wer macht seine Sache richtig gut? Und warum gibt es so wenige männliche Buchblogger?

Um diese Fragen zu beantworten, habe ich elf Buch-Blogger im Alter zwischen 12 und 19 Jahren interviewt. Und tatsächlich gibt meine Auswahl auch in etwa die Alters- und Geschlechterverteilung in der jugendlichen Buch-Blogger-Szene wieder. Die meisten BloggerInnen fand ich im Alter von 16 Jahren, und ja, die Betonung liegt bei BloggerInnen, denn tatsächlich waren unter den 45 von mir beobachteten Bloggern nur drei männliche zu finden.

Leoni ist die jüngste im Bunde, aber eigentlich schon ein alter Hase, schließlich hat sie mit dem Rezensieren schon im zarten Alter von 9 Jahren begonnen. Ihren schön gestalteten Blog gibt es seit 2010. Seit Mitte letzten Jahres schreibt die 12-Jährige fast wöchentlich Beiträge – eine bunte Mischung aus Buchbewertungen, Interviews und Leseleben. Lediglich bei der technischen Umsetzung erhält Leoni ein wenig Unterstützung, allerdings niemals inhaltlich wie sie mir versicherte.

Auch die 13-jährige Nadine ist schon seit gut 1 ½ Jahren mit ihrem Blog online. Sie schreibt am liebsten über Kinder- und Jugendbücher, alles Bücher, die sie sich selbst zugelegt hat, denn sie ist der Meinung, dass man nicht bloggen sollte, nur um kostenlos an Bücher zu kommen. Das Maskottchen ihrer Seite ist übrigens ein Rabe, weshalb sie die Bücher auch mit Federn von 1 bis 5 bewertet.

readeralex

Dass gerade der männliche Buch-Blogger aus meiner Heimatstadt Solingen kommt, hat mich natürlich sehr gefreut, ist aber nicht weiter verwunderlich. Schließlich hat Alex lange für den prämierten Blog  Jugendbibliothek Solingen geschrieben. Als dieser dann leider eingestellt wurde, beschloss der 14-Jährige sich „selbstständig“ zu machen. Mit „readeralex“ möchte er zeigen, dass es auch männliche Vielleser gibt und besonders bei Gleichaltrigen das Interesse am Lesen wecken. Sein bevorzugtes Genre ist Fantasy/Science Fiction und insbesondere Dystopien. Auch englischsprachige Bücher werden von ihm besprochen.

Die 14-jährige MissX, die lieber unerkannt durchs Netz wandert, ist eher zufällig zum Bloggen gekommen. Als sie auf eine Buchbewertung stieß, der sie gar nicht zustimmen konnte, entschloss sie sich, ihre eigenen Eindrücke im Blog festzuhalten. Das war vor etwa fünf Monaten. Seitdem scheibt sie regelmäßig über Jugendbücher zum Thema Fantasy und Echtes Leben.

Filo (16) möchte nicht nur andere zum Buchkauf inspirieren sondern sich auch mit Gleichgesinnten über Gelesenes austauschen. Deshalb finden sich auf ihrem Blog neben den Buchbesprechungen u.a. auch Blogparaden und Challenges (siehe unten).

Der Spaß am Bloggen steht für die 16-jährige Venwar im Vordergrund. Durch Lovelybooks und andere Blogger ermutigt, startete sie vor knapp einem Jahr mit ihrem Blog durch. Seitdem stellt sie aktuelle Neuerscheinungen vor und nimmt auch hin und wieder an Leserunden teil. Auch ihr Lieblingsgenre ist die Fantasy.

Das Blog-Design der 16-Jährigen Elisa hat mir besonders gefallen. Sie feiert in diesem Monat einjähriges Blog-Jubiläum. Sie versorgt sich in der Bibliothek mit Büchern und kauft auch viele selbst, allerdings meist gebraucht. Sie berichtet in ihrem Blog über Neuzugänge, neue Verlage und mag Bücher, die sich von der Masse abheben.

Vor ihrer aktiven Blogger-Zeit hätte Lydia (17) nie gedacht, dass es so viele Bücherwürmer gibt. Seit Oktober 2011 schreibt sie über ihr größtes Hobby. Dass sie mittlerweile für manche Verlage bereits vor Erscheinungstermin Bücher testlesen darf, empfindet sie als großes Privileg.

Andere Menschen fürs Lesen zu Begeistern steht auch für die 17-jährige Theresa im Mittelpunkt. Sie hat durch ihre Leseleidenschaft viele neue Menschen kennengelernt und möchte zeigen, dass man als Bücherwurm kein Stubenhocker ist. Deshalb berichtet sie auch über Veranstaltungen wie die Frankfurter Buchmesse oder die House of Night Fan Party.

Papermind heißt der schön gestaltete Buch-Blog der 17-jährigen Tamara. Da die Schule mittlerweile viel Zeit raubt, beschränkt sie sich auf das Bewerten von Büchern, da für Challenges oder Blogparaden einfach keine Zeit bleibt.

Mit 19 Jahren ist Charlene-Louise schon die Blog-Oma unter den Befragten. Bevor sie im Oktober 2010 mit ihrem Blog startete, schrieb sie Buchbewertungen für eine kleine Buchhandlung in ihrer Nähe. Ihre ausführlichen Besprechungen erfreuen sich gerade bei Autoren großer Beliebtheit.

Nach meiner gut einmonatigen Beobachtung der jugendlichen Bloglandschaft, hat mich besonders die Qualität, mit der die Jugendlichen ihre Buch-Blogs gestalten und mit Inhalt füllen, sehr beeindruckt. Dass das Genre Fantasy besonders beliebt ist, war dabei nicht zu übersehen. Die Meisten der Befragten konnten sich zudem eine Zusammenarbeit mit einem örtlichen Buchhändler vorstellen, vielleicht ergibt sich ja für den einen oder anderen eine Mitarbeit. Dass es so wenige männliche Buch-Blogger gibt, hängt sicherlich mit deren Lese- und Kommunikationsverhalten zusammen. Übrigens sind fast alle Buch-Blogger auch auf Facebook zu finden.

Bloggerübersicht mit URL

Blog-Parade:
Eine Blog-Parade (früher Blog-Karneval) ist eine Blogger-Veranstaltung. Der veranstaltende Blogger benennt ein Thema oder stellt eine Frage, schreibt darüber einen Beitrag auf seinem Blog und fordert seine Leser dazu auf, in ihren Blogs das Thema aufzugreifen und ebenfalls darüber zu schreiben. Die Blogger verlinken sich gegenseitig und meist listet der Veranstalter nach Ablauf eines bestimmten Zeitraums alle teilnehmenden Blogs in seinem Original-Beitrag auf. Blogparaden-Übersicht: www.blog-parade.de

Challenge:
Bei einer Challenge (deutsch: Herausforderung) stellt sich der Blogger – oft zusammen mit anderen Bloggern – einer zuvor festgelegten Herausforderung. Oft bedeutet das, in einem festgelegten Zeitraum eine gewisse Anzahl von Büchern z. B.  eines bestimmten Autors oder Genres zu lesen. Oft dienen diese Challenges auch zum SuB-Abbau (Stapel ungelesener Bücher).

Und hier der Beitrag in der Druckansicht:

eo-blogger

4 Kommentare

  1. Ich finde es ganz fantastisch, wenn Jugendliche nicht „nur“ lesen, sondern sich auch noch schriftlich mit den gelesenen Büchern auseinandersetzen. Danke für den Artikel! Viele Grüße, Mila

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