Die Arbeit, Unterwegs
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Messerückblick oder „Wie kann man denn davon leben?“

Was für eine Messe! Von Herzklabaster bis zur Träne im Knopfloch hat Leipzig bei mir dieses Jahr die komplette Gefühlspalette abgedeckt. Und da dieser Messerückblick vermutlich einer von 2.473 (eine Zahl, die ich mir gerade wahllos ausgedacht habe) sein wird, versuche ich mich kurz zu halten.

Mein Zug hatte bei der Einfahrt in Leipzig nur noch eine halbe Stunde Verspätung. An den Erfahrensberichten der anderen gemessen also eine zu vernachlässigende zeitliche Verzögerung. Trotzdem führte sie dazu, dass ich meine charmante Reisebegleitung, die Kinderbuchhändlerin Sandra Rudel, anstatt in Hannover erst im Bahnhof Leipzig traf. Allerdings stellte mir die Bahn 😉 ganz wunderbaren Ersatz in Form von zwei Buch-Bloggerinnen in meinem Waggon zur Seite und so konnten wir also in Bielefeld (gibt es das wirklich?) schon mit ersten Buchgesprächen beginnen. Eigentlich müsste ich jetzt auch noch von den wunderbaren Kuchen im Café Kandler im Speck’s Hof berichten, aber das würde vermutlich nur zu unerwünschtem Speichelfluss führen.

Ganz klassisch ging es dann bei der feierlichen Eröffnung im Gewandhaus zu, wo wir als Jurymitglieder des Leipziger Lesekompass dieses Jahr in Reihe 4 platziert wurden, also quasi auf Tuchfühlung mit der Branchen-Haute­vo­lee. Im Wagner-Jahr durfte selbiger natürlich nicht fehlen, aber am meisten begeisterte mich doch der amerikanische Bariton Jonathan Michie mit seiner Darstellung als Papageno. Feridoun Zaimoglu (dieser Mann sollte Hörbücher sprechen und ich würde kein gedrucktes Buch mehr in die Hand nehmen) hielt eine begeisternde Laudatio auf Prof. Dr. Klaus-Michael Bogdal, der in diesem Jahr für sein Buch Europa erfindet die Zigeuner den Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung erhielt. Leider habe ich es nicht geschafft, auf der Messe bei Suhrkamp vorbeizuschauen. Ich hätte gerne gewusst, ob das ausgezeichnete Buch auch für normal Sterbliche (also mich) lesbar und verständlich ist.

Der erste Messetag begrüßte mich mit frostigem Sonnenschein und schrecklichem Kaffeedurst, der erst beim gemeinsamen Frühstück auf dem Messegelände gestillt wurde. Anschließend ging dafür die Aufregung los, schließlich sollte ich ja bei der Bekanntgabe der Siegertitel des Leipziger Lesekompass die Preisträger meiner Kategorie vorstellen. Immerhin hatte ich am Abend zuvor mit Mikrofon aka Wasserflasche und Moderationskärtchen noch um halb 12 meine 8-minütige Vorstellung geprobt. Trotzdem hatte ich pünktlich um 10:30 Uhr einen Puls von 200 und zittrige Hände, die mir nicht mehr gehorchten. Lange Rede, kurzer Sinn, ich habe – wie auch letztes Jahr – überlebt und dem Schulterklopfen nach zu urteilen, hat wohl niemand meine Aufregung so richtig bemerkt. Bestens! Die Siegertitel findet ihr übrigens hier!

Nun konnte ich entspannen, in Ruhe an den Ständen vorbeischlendern (erinnert mich nächstes Jahr unbedingt daran, dass zuviel Schlendern Rückenschmerzen verursacht) und mich am Nachmittag über jede Menge Menschen zum fast schon obligatorischen „Ich mach was mit Kinderbüchern“-Treffen am Eselsohr-Stand freuen.

Den Weg zu meinem Schlafquartier in Berlin (Hotel Schleser 😉 direkt über der Kinderbuchhandlung BuchSegler kann ich nur wärmstens empfehlen) nutzten der Internetbuchhändler René Kohl von Kohlibri und ich für ein Brainstorming in Sachen Relaunch meiner Buecherkinder-Seite. Nennen wir es einfach Projekt 2013 und bleiben wir gespannt, was daraus wird. Meine Übernachtung bei der Kinderbuchhändlerin Wiebke Schleser durfte ich übrigens am nächsten Morgen in Form eines schnell gedrehten Buchtipps aus dem Korb-Videos „zahlen“, bevor es mit dem diesmal pünktlichen ICE wieder gen Leipzig ging.

leipzigtwittern

Selbst nach der Preisverleihung wurde erst einmal getwittert bevor es den Sekt gab. Sylvia Mucke vom Eselsohr und Shortlist-Kandidatin nahm dies lächelnd hin.

Der Messefreitag war übrigens von mir gar nicht eingeplant gewesen, aber als Shortlist-Kandidatin des avj medienpreises habe ich diesen natürlich gerne angehängt, um der Preisverleihung am Freitag beizuwohnen. Letztes Jahr durfte sich die Sendung „quergelesen“ des rbb über die Auszeichnung freuen, weshalb ich mich auch geschmeidig zurücklehnte und ob der starken Mitbewerber natürlich keine Dankesrede mit Wasserflasche geprobt hatte. – Hätte ich mal lieber, denn tatsächlich gab es dieses Jahr zwei Gewinnerinnen und ich war eine davon, womit wir beim „Tränchen im Knopfloch“ angekommen wären. Ich freue mich besonders, dass die Auszeichnung an Christine Knödler und an mich gegangen ist, denn tatsächlich zeigt dies, dass die Kinderbuchbranche (mal wieder als Vorreiter) erkannt hat, dass beide Arten der Berichterstattung (Feuilleton und Online) ihre Leser und ihre Berechtigung haben.

Herzlichen Dank und Gruß noch einmal von hier Richtung avj in Frankfurt!

Nun ist die Zusammenfassung doch länger geworden als gedacht. Trotzdem möchte ich noch kurz die eingangs gestellte und von mir in Leipzig oft gehörte Frage „Wie kann man denn davon leben?“ beantworten. „Gar nicht!“ lautet die Antwort, jedenfalls bis jetzt noch nicht. Was vor 10 Jahren aus reiner Kinderbuchleidenschaft begann, hat sich zu etwas entwickelt, was ich mir hätte niemals träumen lassen. Ich habe meine größte Leidenschaft – das Lesen – zum Beruf gemacht, vielleicht sogar zur Berufung. Und natürlich verdiene ich damit auch Geld, so dass ich mir ein Auto, das die Bücher zu den Kita-Ausstellungen fährt, leisten kann, ebenso ein Smartphone, um immer und überall über die Kinderbuchwelt zu berichten. Auch Reisen zu den Messen (dieses Jahr zum ersten Mal nach Bologna) finanziere ich selbst und belaste nicht das Familienbudget. Natürlich würde ich gerne mehr verdienen, dann wäre zum Beispiel ein Relaunch der Buecherkinder-Seite im Nu „gewuppt“. Spenden dafür nehme ich gerne entgegen 😉 Unbezahlbar aber bleiben die vielen lieben Menschen, die ich dank meiner Kinderbuch-Leidenschaft und meiner Präsenz im Social Web kennenlernen durfte. Viele von ihnen sind gute Freunde geworden und zusammen mit ihnen wird so manche neue Idee entwickelt. Und ich glaube schon, dass ich in 10 Jahren zurückblicken werde und von mir sagen kann: „Steffi, haste mal wieder alles richtig gemacht!“

In diesem Sinne. Bleibt mir treu. Wir sehen, lesen und hören uns 🙂

12 Kommentare

  1. Ach Steffi, wie schön! Die Welt ist doch gerecht! Ich gratulier dir auch ganz herzlich, recht spät, ich weiß (aber daran ist der böse Macbook-Dieb schuld)

  2. Pingback: Ehrengast auf der Leipziger Buchmesse: Die Literatur #lbm13Sinn und Verstand | Sinn und Verstand Kommunikationswerkstatt

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