Die Arbeit, Im Büro, Lesen, Unterwegs
Kommentare 3

Leipziger Lesekompass – ein Preis für junge Leser

Leipziger Lesekompass - Fürs Lesen begeistern!

Mein Abenteuer „Leipziger Lesekompass“ begann auf der Buchmesse – allerdings nicht in Leipzig sondern in Frankfurt. Über Facebook hatten Christine Kranz von der Stiftung Lesen und ich uns kennen- und schätzen gelernt. Als sie mich dann vergangenen Herbst fragte, ob ich mir vorstellen könnte, in der Jury des Leipziger Lesekompass‘ mitzuwirken, sagte ich sofort zu. “Endlich ein Preis, der Bücher auszeichnet, die zum Lesen verführen”, dachte ich mir “Und zwanzig Bücher zu lesen und unter diesem Aspekt zu bewerten kann ja nicht so schwer sein.”

Die Wirklichkeit sah dann aber schon etwas anders aus, als mich die 20 Titel (darunter drei Hörbücher) erreichten. In der Weihnachtszeit  schob ich das Lesen wegen akuten Zeitmangels einige Zeit vor mir her und tatsächlich war es gar nicht so einfach, 20 Titel in einem kurzen Zeitraum zu lesen, miteinander zu vergleichen und herauszufinden, ob sie zum „Verführen“ der Zielgruppe geeignet sind oder nicht. Deshalb habe ich auch ein wenig geschummelt und mir zwei tatkräftige Assistenten im Alter von 9 und 11 Jahren zur Hilfe geholt. Schön, wenn man sie in Form von Söhnen im eigenen Haus vorfindet. 😉

Und tatsächlich waren schon bei der Covergestaltung erste Geschmacksunterschiede zu entdecken. Als die Bücher mich nämlich erreichten, breitete ich alle aus und sagte meinen Söhnen, sie sollten sich drei heraussuchen, die ihnen von der Aufmachung gleich zusagten. Weitere Bücher wurden herausgelegt, die uns im ersten Augenblick überhaupt nicht ansprachen.  Unser erster Eindruck war übrigens sehr ähnlich, aber es fielen durchaus auch Titel durch, nach denen ich als Mutter zuerst gegriffen hätte.

In der Weihnachtszeit hatten wir dann endlich viel Zeit zum Lesen und die Bücher wurden fröhlich von einem zum anderen weiter gereicht. Bei vielen Büchern waren wir einer Meinung, bei manchen haben mich die Nachwuchs-Juroren auch auf das eine oder andere hingewiesen, was dem „großen“ Leser gern mal durchgeht.

Schön war, dass (fast) alle Bücher zumindest einen begeisterten Leser in der Familie fanden. Und tatsächlich sind fast alle “unsere” Titel unter den Siegertiteln in der Altersgruppe 6 bis 10 Jahre, die ich euch nun gerne vorstellen möchte.

  • Wieland Freund/Dietmar Bär (Sprecher)
    Törtel, die Schildkröte aus dem McGrün
    Sauerländer Audio

In Törtel haben wir uns alle vom ersten Augenblick verliebt. Die Geschichte der griechischen Landschildkröte ist nämlich nicht nur spannend und lustig, sondern erzählt ohne pädagogischen Zeigefinger auch von Freundschaft und Toleranz. Und dass man Lesefreude auch mit Hörbüchern wecken kann, steht für mich außer Zweifel. Zumal Dietmar Bär eine wunderbare Erzählstimme hat und jedem Tier der Geschichte eine eigene Persönlichkeit verleiht. In meinen Augen hat Törtel das Zeug zum Klassiker.

  • Dominique Monféry (Regisseur)
    Leon und die magischen Worte

    Oetinger Media (Buchhandelsausgabe)

Leon und die magischen Worte ist ein Animations-Film. Und tatsächlich kann auch ein Film fürs Lesen begeistern, vor allem, wenn er so magisch, und spannend ist wie dieser. Denn in diesem Film werden Buchhelden plötzlich lebendig. Da steigen Peter Pan, Pinoccio und Alice im Wunderland aus ihren Büchern, denn sie benötigen Leons Hilfe. Nur er kann sie retten, aber dafür muss er lesen und das fällt ihm noch sehr schwer. Leon und die magischen Worte wird so manchem Erstleser einen  Motivationsschub verpassen.

  • David M. Schwartz/Yael Schy/Dwight Kuhn
    Wer hat sich da versteckt?
    … und wird dann doch entdeckt!
    Kosmos Verlag

Bei dem Sachbuch Wer hat sich da versteckt und wird dann doch entdeckt haben wir uns mit dem Entdecken hin und wieder richtig schwer getan. So manch eines der 20 Tiere war nämlich so gut getarnt, dass wir es nur mithilfe der ausklappbaren Lösung gefunden haben. Schön war auch, dass dort ein knapper Sachtext noch ein bisschen mehr über das Tier verrät. Neugierig war dann die ganze Familie und so wurde Wer hat sich da versteckt von einem zum anderen weitergereicht.

  • Eva Muszynski/Karsten Teich (Ill.)
    Cowboy Klaus und Otto der Ochsenfrosch
    Reihe ABC
    Tulipan

Dass Geschichten für Erstleser so richtig Spaß machen können, das zeigt  Cowboy Klaus und Otto der Ochsenfrosch. Letzteren rettet Cowboy Klaus nämlich mittels Pümpel aus einer Wasserleitung. Doch ein neues Zuhause für Otto zu finden erweist sich dann schwieriger als gedacht. Mit turbulenten Illustrationen, vielen Gags und einer großen Schrift kommt der Erstleser mit Cowboy Klaus garantiert ganz schnell zum ersten Lese-Erfolg.

  • Rose Lagercrantz/Eva Eriksson (Ill.)
    Mein glückliches Leben
    Moritz Verlag

Mein glückliches Leben ist eine Geschichte zum Lesen und Glücklichsein. Sie erzählt vom Alltag zweier Freundinnen in der ersten Klasse. Besonders hervorheben möchte ich die stimmigen und sehr liebevollen Illustrationen, die die kleine Geschichte ganz wunderbar ergänzen. Und auch wenn das Buch für Leseanfänger recht dick erscheint, ist die Geschichte dann doch durch die große Schrift und die raumgreifenden Bilder schneller gelesen, als so mancher es vorher gedacht hat. Zum Vorlesen ist Mein glückliches Leben übrigens genauso schön.

  • Thomas Christos
    Orbis Abenteuer
    Ein kleiner Roboter büxt aus
    Fischer Schatzinsel

Die Geschichte Orbis Abenteuer handelt von einem kleinen Roboter, der nicht in den Weltraum will und ausbüxt. Mit seinem neuen Menschenfreund Linus erlebt er allerhand Aufregendes und hilft ihm dabei, endlich einen Freund zu finden. Die Geschichte ist in 22 Kapitel untereilt, die jedesmal so spannend enden, dass man immer weiter lesen muss. Die fröhlichen farbigen Illustrationen runden die Geschichte noch ab. Kleine Leser ab 8 werden sicherlich genauso viel Spaß an Orbis Abenteuer haben, wie kleine Zuhörer im Vorschulalter.

  • Delphine Godard/Nathalie Weil/Roland Garrigue (Ill.)
    Hatschi, Pups und Aua!
    Das große Buch der Körpersensationen
    Klett Kinderbuch

Ich gebe zu, dass Hatschi, Pups und Aua mein absolutes Highlight ist. Allerdings nicht nur meins, denn in den Weihnachtsferien wanderte dieses Buch durch kleine 4-jährige Hände genauso begeistert wie durch 40-jährige. Dieses Sachbuch reist vergnüglich durch den Körper und erklärt verständlich was dort passiert. Auch etwas anrüchige Themen wie das Rülpsen oder Pupsen werden nicht ausgespart und kamen – wie sollte es anders sein – bei der Zielgruppe natürlich besonders an. Die Mischung aus lustigen Zeichnungen, realen Fotos und Klappen macht Hatschi, Pups und Aua zu einem echten Erlebnis.

  • Fabian Schiller
    Die Stunde des Hexers
    Reihe „Codewort Risiko“
    Thienemann Verlag

Ob die zwei Freunde Nick und Florian in dem Buch Die Stunde des Hexers tatsächlich einen Hexer auf dem Jahrmarkt des Schauderns entdecken, müssen die kleine Leser ab 8 schon selbst herausfinden. Soviel sei jedenfalls schonmal verraten: Die Geschichte ist richtig spannend und die Kombination mit Sachinfos, Rätseln und Suchbildern lässt auch schwächere Leser gut ans Leseziel kommen.

  • Tosca Menten
    Dummie die Mumie außer Rand und Band
    Thienemann Verlag

Keine 10 Seiten benötigte Dummie die Mumie außer Rand und Band, um mich zu packen und den jungen Lesern wird es mit dieser rasanten und komischen Freundschaftsgeschichte sicherlich nicht anders ergehen. Die Idee der Autorin, eine Kindermumie zum Leben zu erwecken, die dann eines Tages beim 10-jährigen Goos im Kleiderschrank auftaucht klingt nicht nur schräg, sondern ist es auch. Dummie die Mumie ist ein wirklich liebenswerter Buchheld für gute Leser ab etwa 9/10 Jahren.

  • David Walliams/Quentin Blake (Ill.)
    Gestatten, Mr. Stink
    Aufbau Verlag

Das Mädchen Chloe in der Geschichte Gestatten, Mr. Stink! kann einem schon echt leid tun. Mutter und Schwester sind so gar nicht nett zu Chloé und Freundinnen hat sie auch nicht. Kein Wunder also, dass sie sich in ihrer Verzweiflung an den obdachlosen Mr. Stink wendet, der ihr Leben in kürzester Zeit ganz schön durcheinander bringt. Gestatten, Mr. Stink! ist eine urkomische aber in Teilen auch nachdenkliche Geschichte, die gute Leser sicherlich begeistern wird.


Ich freue mich sehr, dass ich bei der Geburtsstunde des Leipziger Lesekompass‘ als einer von vielen Geburtshelfern dabei sein durfte und wünsche diesem – wie ich finde – sehr wichtigen Preis viel Aufmerksamkeit  und ein sehr langes Leben!

Weitere Infos und Broschüren mit den prämierten Titeln finden Sie hier.

3 Kommentare

  1. Hallo Stefanie,
    herzlichen Dank für diese tolle Zusammenfassung! Bei dem Favoriten sind wir und ja einig und mit Cowboy Klaus habe ich schon ordentliche Gackervorlesestunden erlebt, herrlich! Bei der großen Flut an Neuerscheinungen war der „Leipziger Lesekompass“ längst fällig. Endlich kann ich mir gezielt Bücher „vorknöpfen“ und sie an die Leser bringen – TOLL!
    Die Leipziger Buchmesse war ein echtes Lesefest!
    Liebe Grüße
    UTA

  2. Oh! „Hatschi, Pups und Aua“ wollte ich für meine Prüfung einsetzen, doch es ist leider nirgendswo mehr zu bekommen. Die neue Auslieferung ist im Mai und dann ist es einige Wochen zu spät 🙁 Das nennt man wohl Pech!

    Viele österliche Grüße aus Bielefeld,
    papillionis

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.