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Buchmessen-Interview mit Alexander Rösler

Alexander Rösler ©Fotostudio Krieger

Alexander Rösler wuchs in den Siebzigerjahren in der hessischen Provinz auf, besuchte die Gesamtschule zwei Dörfer weiter und wurde beim Fußballspielen meistens ins Tor gestellt. Die Entscheidung für ein Medizinstudium kam per Post. Heute lebt Alexander Rösler mit Frau und Kindern in Hamburg  und arbeitet als Geriater und Neurologe im Krankenhaus. 1999 erschien sein erster Roman „Man sieht sich“.

Auf der Buchmesse hatte ich das Glück, den Autor persönlich zu treffen und ihm ein paar Fragen zu seinem aktuellen Titel „Ein Kuss ist ein ferner Stern“ zu stellen.

Ihr erster Roman erschien 1999. Wie kamen Sie als praktizierender Arzt dazu, Jugendbücher zu schreiben?

Vermutlich ist das genetisch bedingt, denn schon mein Vater hat neben seinem Beruf recht erfolgreich geschrieben. Es wurden zwar nie viel Worte über seine Tätigkeit verloren, aber natürlich wussten wir Kinder, was er tat, wenn er sich in sein Zimmer zurückzog. Während meiner Schulzeit habe ich dann an Wettbewerben wie „Schüler Schreiben“ teilgenommen, bei denen man Workshops mit Autoren gewinnen konnte. Den Wettbewerb „Hessisches Literaturforum“ bestritt ich dann während meines Studiums. Dadurch hatte ich immer mal wieder das Glück, gefördert zu werden. Besonders die Autoren-Workshops haben mir viel gebracht und mich als Autor bei der Stange gehalten.

Wie läuft der nebenberufliche Schreibprozess im Gegensatz zu Full-Time-Autoren bei Ihnen ab?

Leider habe ich neben meinem Beruf nur wenig Zeit, mich mit anderen Autoren auszutauschen. Daher weiß ich gar nicht so genau, wie diese sich ihre Zeit einteilen. Tatsächlich muss man sehr diszipliniert sein. Ich arbeite am Abend oder an den Wochenenden. Ein großer Vorteil ist sicherlich, dass ich noch nie einen Fernseher besessen habe, was mir  bestimmt gut zwei Stunden Zeit pro Tag spart. Ich schreibe gerne kleine Portionen, weshalb mir die kurzen Kapitel bzw. Abschnitte in „Ein Kuss ist ein ferner Stern“ sehr entgegengekommen sind. Ein Buch mit einem großen Spannungsbogen wäre gewiss schwerer zu bewältigen. Alles in allem habe ich etwa 2 Jahre für das Buch benötigt.

Wie haben Sie für das Buch recherchiert?

Meinen Zivildienst habe ich in einer Schule für „Praktisch Bildbare“ geleistet und bin dort das erste Mal zwei Autisten begegnet. Im Gespräch mit einer befreundeten Psychotherapeutin konnte ich ebenfalls viele Informationen über Autismus sammeln. Meine größte Informationsquelle waren allerdings Bücher zum Thema. Sehr empfehlenswert sind in diesem Bereich die Bücher des britischen Autors Marc Haddon und das in Teilen umstrittene Werk des Autisten Birger Sellin „Ich will kein innmich mehr sein“. Diese Bücher waren äußerst anregend.

Im ganzen Buch fällt nirgends der Begriff „Autismus“ oder „Asperger Syndrom“. Warum?

Ich muss gestehen, dass das Thema Autismus ein Wunsch des Verlags war, obwohl ich es eher als zu sehr abgegrast empfand. Nachdem ich mich aber ausreichend mit der Thematik beschäftigt hatte, wurde wir klar, dass Autismus ein großes Spektrum umfasst, eben von nahezu normal lebenden Personen bis hin zu Menschen am Rande jeder Normalität. Es waren also noch ausreichend Spektren vorhanden, die ich nutzen konnte. Deshalb wollte ich auch nicht, dass das Wort Autismus, also die Diagnose, im Buch vorkommt. August sollte sich in seinem Spektrum frei bewegen können.

Viele Leser waren besonders von Augusts bildreichen Beschreibungen angetan. Wie entstanden diese?

So wie dem Schauspieler, der den Teil in sich aktivieren muss, den er darstellen will, ergeht es auch dem Autor. Ich glaube ich habe die Welt immer schon ein wenig mit Augusts Augen gesehen, sein Blick für das Detail und dabei anderes komplett aus dem Blick zu verlieren. Die Worte mussten also nur noch zu Papier gebracht werden.

Kann es ein Happy End für Menschen wie August geben?

Ein Happy End für das Buch wäre „too much“ gewesen. Nichts desto trotz glaube ich, dass Menschen wie August ebenso glücklich oder unglücklich sein können wie wir auch, aber eben in ihrer Wirklichkeit.

Wird es ein Wiedersehen mit Rudi, August und Freya geben?

Tatsächlich kam erst hier auf der Buchmesse die Idee auf, möglicherweise eine Fortsetzung zu schreiben. Das Buchschreiben war zwar schon eine große Anstrengung, aber da die Charaktere ja jetzt entwickelt sind, hätte ich eigentlich richtig Lust dazu. Fragen Sie die Leser doch mal, wie es mit den dreien weitergehen soll!

Das will ich sehr gerne tun 🙂

Also liebe LeserInnen, wie könnte es mit Rudi, August und Freya in einer möglichen Fortsetzung weitergehen oder möchtet ihr das Ende doch lieber so lassen wie es ist??
Ich freue mich über eure Kommentare!

Ich bedanke mich herzlich bei Alexander Rösler für das Interview.

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